Besprechungen und Presseberichte


 

Gionos Lächeln

der kleine prinz auf seinem ich-planeten oder die kunst der narzißtischen selbstkritik

ulrich bergmanns roman ist, unter anderem anknüpfend an figuren und motive aus seinem roman „Doppelhimmel“ von 2012, ein lebensresümee mit rückblicken auf seine kindheit und andere lebenszeiten, die teils traumartig auftauchen, größenphantasien inbegriffen, ja zu einem träumerischen gang durch das eigene leben werden. auch denkfiguren der „Arthurgeschichten“, die 2005 als buch erschienen, erkennt der leser wieder, so in gedanken an die transzendenz. 

die hauptfigur janus rippe begegnet in einem pariser hotel dem französischen schriftsteller jean giono, spricht fiktiv mit ihm und verinnerlicht seinen blick für die eigenen betrachtungen des lebens: „und als er in die Schwärze seines Zimmers schräg über dem Eingang des kleinen Hotels zurücktrat, fühlte ich seine Augen unter meinem Schädel.“ der erzähler beschreibt und reflektiert den ichundglückskult seiner figur, während sich, eingebunden in szenen eines paris-aufenthalts, immer wieder momente der kindheit ins aktuelle erleben schieben. 

parallel spricht janus, der wie der kleine prinz bei saint-exupéry auf seinem ich-planeten von der schönen welt träumt, und die meisten träume sind narzißtisch, mit stella, einer lebensrat gebenden und das spielerisch phantasmagorische leben kritisch hinterfragenden frauenfigur, die ihn auf paradoxien seines traumlebens hinweist und der er entgegnet: „Ich stehe fest auf dem Boden des Traums.“ an anderer stelle sagt er: „Ich lebe nach der Art der Dichter. Meine Einbildungen sind gemacht, um in der Welt zu wohnen, die ich mir baue.“ ulrich bergmann, ein früchtepflücker im regenwald der kultur, konnte seine lebenskunst entfalten, gerade weil er nie als künstler leben mußte. liebe zum leben bedeutet ihm vor allem liebe zur kunst, die lebenskunst inbegriffen. manchmal könnte man glauben, er selbst sei eine aus der zeit gefallene opernfigur. die beste aller welten wäre für ihn eine nie endende lebensoper. 

„Wenn ich mein Leben nicht spielen könnte, hielte ich es nicht aus“, sagt janus. das herausfallen aus der zeit kann freilich auch auf entwicklungen der gesellschaft verweisen, etwa die nochmalige versachlichung aller lebensprozesse sowie die allmähliche zurückdrängung eines spielerischen bildungsbürgerlichen daseins. so betrachtet schildert der autor, der das träumerische einverständnis mit der wirklichkeit oft auch ironisiert, eine künftige welt von gestern, die er noch gegenwärtig erlebt. schließlich ist der narziß eine figur der jugend. und die jugend dauert nicht ewig. andererseits kann das zeitlos werdende, worauf ulrich bergmann hofft, zeitübergreifend wirken und damit überdauern. die dauerhafte einheit aller zeiten und orte indes bleibt unerreichbar. octavio paz konstatierte: „Seit der Teilung der Zeit in Gestern, Heute und Morgen, in Stunden, Minuten und Sekunden ist der Mensch nicht mehr eins mit ihr und so auch nicht mehr eins mit der Wirklichkeit.“

eine zentrale passage bei bergmann lautet: „Das Wichtigste ist, du lebst gern. Wenn das so ist, dann ist jede Lebensart schon dadurch gerechtfertigt. So bin ich gestrickt.“ am ende wird noch einmal wiederholt: „Ich höre Gionos Worte: Geh deinen Weg, es ist der einzige, der zum Ziel führt.“ michel foucault gibt dem romanhelden recht: „Wenn man an die Stelle der Suche nach den Totalitäten die Analyse der Seltenheit, an die Stelle der Suche des Themas der transzendentalen Begründung die Beschreibung der Verhältnisse der Äußerlichkeit, an die Stelle der Suche nach dem Ursprung der Analyse der Häufungen stellt, ist man ein Positivist, nun gut, ich bin ein glücklicher Positivist, ich bin sofort damit einverstanden.“

der satz „So bin ich gestrickt.“ relativiert die vorherige aussage. später heißt es: „Ich kann das, was in mir glaubt, einfach nicht totschlagen.“ und: „Ich muss mich selbst fortwährend übersetzen, um mich zu verstehen.“ denken verlangt immer auch das überwinden eigener täuschungen. die gesellschaften der gegenwart leben freilich hochgradig von illusionen. doch irgendwann führt jeder narzißtische traumzustand der selbstverliebtheit zum erwachen. und natürlich sind lebensarten nicht allein durch sich selbst legitimiert. man sollte ihre überindividuellen, also gesellschaftlichen, wirkungen ebenso mitdenken wie die längerfristigen. denn wir wollen ja nicht hoffen, daß das menschliche mit einem „Wenns mir gut geht, ist die Welt in Ordnung.“, das leicht einen mangel an sozialer empathie verursacht, erschöpft sei. wie sehr egoismus und narzißmus das denken einschränken, werden die meisten der heutigen menschen wohl erst nach ihrem tod erkennen, der sie klüger macht.

„Ein Künstler, hart in die Welt hineingestoßen, aus der er doch flüchtet, hin und her geworfen zwischen zwei Welten wie die Meerjungfrau im Märchen, braucht einen Teufelspakt, um seine Welt erschaffen zu können ...“, schreibt bergmann. sein intellekt reflektiert stets erneut sein ich, während er seine genußfreude lebensreal vom reflektierten trennen kann. seine lebensphilosophie vereint dann beides wieder. die selbstreflektion enthält selbstironie und diese selbstkritik, die eine allerdings mehr spielerische und sanfte, und mitunter kokette, kritik ist. bei aller ironie denkt er meist mit wohlwollen über den narzißmus und die welt des schönen scheins nach. er beherrscht die kunst der narzißtischen selbstkritik, das heißt er liebt sich derart, daß er sich sogar selber kritisiert. seine träume, und traumsequenzen, oder traumfugen, durchziehen das ganze buch, hinterfragen gleichfalls seine identitäten. parallel beobachtet er auch die narzißtischen attitüden seiner mitwelt. über ambivalente zusammenhänge zwischen liebe und tod, schönheit und gewalt, lust und schmerz, genießen und zerstören hatte er schon im erzählband „Kritische Körper“ von 2005 nachgedacht. daran erinnert in „Gionos Lächeln“ etwa die tötung des vaters mit einem preßlufthammer im traum. 

janus rippe alias ulrich bergmann reflektiert auch das unbewußte, so wenn der star in einem kindervers todesprophetisch erscheint: „Wir haben einen Tod – Der singt so lieblich – Singt sogar – Wie ein Star – Hat gesungen sieben mal sieben Jahr ...“ im aberglauben konnte der star tatsächlich tode ankündigen. der tod, der dem erzähler-ich, das sich sogar im eignen grab sieht, wiederholt leibhaftig erscheint und begegnet, spielt überhaupt als motiv dieses romans häufig mit. zugleich hebt die phantasie, oder das leben, den tod immer wieder auf. und solange dies, lebensreal oder mit hilfe eines individuellen kultischen theaters, gelingt, kann sich das ich allmächtig fühlen. 

die letzte botschaft von janus könnte lauten: wenn ich sterbe, geht die welt verloren. rainer maria rilke schrieb: „Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe? / Ich bin dein Krug (wenn ich zerscherbe?) / Ich bin dein Trank (wenn ich verderbe?) / Bin dein Gewand und dein Gewerbe, / mit mir verlierst du deinen Sinn.“ elias canetti, der in seinem postumen „Buch gegen den Tod“ erklärte, der sonne und dem tod könne man nicht fest in die augen schauen, meinte, der tod sei von gott und habe seinen vater gefressen. den narziß janus, der sein eigener gott ist, greift das nicht an. bei ihm heißt es: „Kein Gott ist so stark wie ich, nicht einmal der Allmächtige.“ 

Holger Benkel

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Mann mit Hut

Könnte glatt von Ringelnatz sein

(...) Die Geschichte vom Mann, der seinen Hut spazieren führt, könnte glatt von Ringelnatz sein. Ist sie aber nicht. Sondern von Anja Martin. Sie handelt von einem passionierten Spaziergänger, dem seine Frau einen Hut schenkt, nicht irgendeinen, sondern einen flotten Stetson mit breiter Krempe. Doch das Präsent kommt nicht so gut an. Fortan setzt der Mann, wenn er das Haus verlässt, seinen Hut nicht auf den Kopf, sondern nimmt ihn an die Leine.

Die Geschichte nimmt noch einige kuriose Wendungen, genauso wie die Geschichte vom Zahnarzt, der das Gebiss seiner Frau versteckt. Nicht aus Bosheit, sondern weil er – nach Jahrzehnten Berufspraxis – Münder ohne Zähne am schönsten findet. Das klingt zunächst reichlich absurd, aber Anja Martin schafft es, diese Einfälle so zu weiter zu stricken, dass der Leser sich und seinen Alltag darin wiederfinden kann. (...)

Matthias Nofze im General-Anzeiger 5.12.2017
 

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Der Kuss des Delta
 

Komische Gedichte

(...) Reichelt steht in guter Tradition von Ringelnatz, Erhardt, Gernhardt, und man merkt auch seinem neuen Buch Der Kuss des Delta und weitere Gedichte an, wie lustvoll er Verse schmiedet. Wortgewandt und meist auch sehr scharfsinnig sind seine Beobachtungen über die Tücken des Alltags, genauso wie seine Ausflüge in die Welt der Politik (etwa über den »Schulzzug«), der Gesundheit oder der Kunst.

Reichelt spielt gern mit Sprache und ihm gelingt es selbst dann, ein unterhaltsames, komisches Gedicht zu bauen, wenn er sich formale Schranken aufbaut, die nahezu unüberwindlich scheinen, wie bei seinem Sonett-Experiment »Wilde Weingelage oder: Entschuldigung in aller Form«. Noch stärker allerdings sind seine Verse, wenn er einfach nur süffisant beobachtet:

»Im Bus ist’s immer mal zu hören
›Bin Johannes-Kirche jetzt.‹
Ich lass mich nicht davon verstören
wenn jemand solchen Unsinn schwätzt.

Denn schließlich seh’ ich ganz genau: 
Der Mensch ist doch kein Gotteshaus
und wirkt auch sonst vom Körperbau
eher wie Lukas oder Klaus.«

Nicht minder lesenswert: die »Trauerrede von Klawede« oder die Parodien auf abgedrehte Rezensionen aus dem Feuilleton des Bonner General-Anzeigers.

Harald Gesterkamp in der Schnüss 11|2017
 

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Torben im Turm
 

Schreiben kann Jugendlichen helfen

Interview mit Gesine Cahenzli. Die Fragen stellte Uthe Martin. 

„Torben im Turm“ ist Ihr zweites Buch. Im Mittelpunkt steht ein 13 Jahre alter Junge. Worum geht es in dieser Geschichte?
Es geht um den dreizehnjährigen Torben, der sich aus Angst vor seinem psychisch kranken Vater in einem alten Leuchtturm versteckt und darum, wie er einen Weg findet, den düsteren Schatten seiner Erinnerung zu entkommen.

Als Leser leidet man mit dem Jungen, der sich isoliert und in eine scheinbar ausweglose Lebenssituation manövriert wird. Torbens Vater sieht sich von grausamen Göttern verfolgt. Da wünscht man sich für den Jungen einen gütigen Gott, der ihm hilft. Sie sehen aber Religion nicht als Ausweg?
Ich denke, dass Torben vor allem Menschen braucht, denen er sich anvertrauen kann und die in der Lage sind, ihm aus seiner inneren Not herauszuhelfen. Dies kann sowohl in einem kirchlichen als auch in einem weltlichen Rahmen stattfinden.

Offenbar gibt es keinen einzigen Menschen, an den sich Torben wenden will, die Familie hält nach außen zusammen, aber weder Mutter noch Schwester wissen sich oder einander zu helfen. Torben soll also seine innere Stärke entdecken und selbst einen Ausweg finden? Das scheint viel verlangt von einem 13-Jährigen ...
Torben spürt von klein auf, dass seine Mutter oft verzweifelt ist und will sie nicht zusätzlich belasten. Zudem ist sie gerade verreist, als Torben einen Brief seines Vaters findet, der ihn zur Flucht veranlasst. Zu seiner Schwester Frieda hat Torben zwar ein recht gutes Verhältnis, doch ist sie bereits ausgezogen, als er von Zuhause wegläuft. Tatsächlich ist Torben ein Kind, das durch seine häusliche Situation überfordert wird.

Schließlich bekommt er wie durch ein Wunder doch Hilfe von außen, von einem Fremden, aber erst, als er benennen und im wahrsten Sinne des Worte beschreiben kann, was ihn bedrückt. Das Schreiben hilft ihm. Sie leiten eine AG für kreatives Schreiben. Ist das Wissen um die vielen „Torbens“ mit ein Grund dafür, dass Sie dieses Angebot machen?
Ursprünglich wollte ich einfach meine Begeisterung fürs Schreiben weitergeben. Aber ich denke schon, dass das Schreiben den Jugendlichen auch bei der Verarbeitung ihrer Erfahrungen behilflich sein kann. (...)

Das vollständige Interview mit der Autorin, Angaben zur Person und zum Inhalt des Jugendbuches finden Sie im Südkurier (11.10.2017)
 

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Zwei schöne Fensterplätze in den Krieg
 

Das Dilemma liebenswerter, aber schwacher Personen

Die Verfasserin schildert anhand im Nachlass gefundener (Liebes-)Briefe die Geschichte ihrer Eltern als Frontsoldat und Braut im 2. Weltkrieg sowie danach als Familie.

Vorab: Es handelt sich um ein fesselndes Werk der faktentreuen Familienchronik. Es geht den schwierigen Mittelweg zwischen

  • einer Aneinanderreihung von Originaldokumenten/-briefen, vielleicht mit begleitenden Kommentaren in Rand-, Fuß- oder Kapitel-Schlussnoten
  • einer romanartigen Neuschöpfung "nach Briefen aus dem Familienbesitz von ..."


Ellen Klandt hat diese Gratwanderung geschafft: Das Buch folgt einer erkennbaren Sachlogik und ordnet die Ereignisse dieser unter, ohne die Schwelle zur allzu "kreativen Gestaltung" zu überschreiten! Dies gilt trotz eines erkennbaren Einheits-Schreibmaschinentyps der Briefzitate - als künstlich erkennbar - und der manchmal willkürlichen Zeitsprünge. Es ist zugleich das Werk der Verfasserin und dennoch hinreichend authentisch. Inhaltlich wird die viel zitierte "Banalität des Bösen" und das Dilemma liebenswerter, aber schwacher Personen sichtbar, wie wohl jeder aus unserer Generation sie im eigenen Umfeld erlebt hat. Zum Kontext Krieg und Nazi-Gräuel sticht im Nachhinein die beinahe infantile Naivität der handelnden - oder besser erleidenden - Personen ins Auge, mit der die Ereignisse erfasst und wiedergegeben werden. Ihnen fehlt das kritische Instrumentarium, mit dem das Ausmaß an Ungeheuerlichem der damaligen Zeit erfassbar oder beschreibbar wäre ... Nicht bewältigte mentale Verletzungen führen schließlich dazu, dass solche (teil-)"entkernte" Menschen sich, zum Leid der nächsten Generation, an vorgegebene Strukturen und Verhaltensvorschriften klammern.

Ein geglücktes Werk, das einen bei der Lektüre nicht loslässt.

Alexander Mühlen
 

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Durch die Jahre

 
Ein Fenster in ihre eigene Vergangenheit geöffnet

(...) Für den (Nörvenicher) Geschichtsverein hat Herbert Pelzer zwei Veröffentlichungen geschrieben, jetzt ist mit „Durch die Jahre“ sein erster Roman erschienen – basierend auf einer wahren Begebenheit, der Geschichte des Juden Josef Treu. Diese hat ihre Wurzeln im Dürener Land, wo genau spielt für Pelzer keine Rolle. „Diese Geschichte hätte sich überall so oder so ähnlich in Hitler-Deutschland ereignen können“, sagt er. (…)

„Ich kannte diese Geschichte“, sagt Herbert Pelzer. „Sie hat mich tief bewegt, deswegen habe ich sie recherchiert. Dass ich dieses Buch geschrieben habe, war fast schon eine logische Konsequenz.“ 

Der Hobby-Historiker hat Angehörige der Treus in Mexiko ausfindig gemacht. „Die Nachkommen der Treus sind total begeistert, dass ich dieses Buch über ihre Vorfahren geschrieben habe. Sie sagen, dass ich ihnen damit ein Fenster in ihre eigene Vergangenheit geöffnet habe.“ (...)

Sandra Kinkel in der Aachener Zeitung (30.9.2017)
 

Eine jüdische Familiensaga

(...) Herbert Pelzer hat auf mehr als 400 Seiten ein umfangreiches und gut recherchiertes Werk vorgelegt, das aufzeigt, wie der Nazi-Terror bis ins kleinste Dorf reichte. Die Stärken des Buchs  liegen in den detailreichen und ergreifenden Beschreibugen des Alltags. (...)

Harald Gesterkamp in der Schnüss 10|2017

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Van Gogh des 21. Jahrhunderts

 
Blick in einen tiefschwarzen Spiegel

(...) Die Graphic Novel Van Gogh des 21. Jahrhunderts ist somit nicht nur etwas für Kunstkenner, auch wenn Anspielungen auf moderne Kunst die gesamte Story durchziehen. Er ist auch etwas für Freunde des schwarzen Humors und Fans verrückter Geschichten, die in ungewöhnlichen und ausdrucksstarken Zeichnungen erzählt werden. Und er ist etwas für alle Philosophen dieser Welt, die sich fragen: Ist der Mensch von Natur aus schlecht? Gibt es das Gute? Wird unsere Welt irgendwann den Bach runtergehen oder ist sie das schon längst? 

Anne Weißbach auf der Internetseite vom  Goethe-Institut Prag  (Juli 2017)
 

Dieser Comic ist nichts für schwache Nerven

Bitte, liebe Leser, nehmt euch ein paar Minuten und überfliegt kurz einmal den Wikipedia-Artikel zu Vincent van Gogh. Ich trinke solange ein Bier, so tschechisch wie der Autor des Comics, den ich euch heute vorstellen möchte.

Fertig? Gut, aber ihr könnt direkt wieder vergessen, was ihr da gerade gelesen habt. Van Gogh ist nämlich gar keine Figur aus der Vergangenheit, sondern stammt aus unserem Jahrhundert – zumindest aus einer grotesken und abstoßenden Version unserer Zeit. Stellt euch eine Welt vor, die nur Katerstimmung und Rausch kennt. Dort, zwischen bitterer Armut und ekelhaftem Reichtum, in Spelunken, deren dunkle Ecken abartige Exzesse gebären, wartet ein gebrochener Mann, der euch die Geschichte von Vincent van Gogh erzählt. (...)

Fazit

Ihr habt es vielleicht schon gemerkt: Dieser Comic ist nichts für schwache Nerven und sanfte Gemüter. Drogen, Sex, Gewalt und sehr tiefe menschliche Abgründe sind hier allgegenwärtig. Es gibt auch keine positive Botschaft, das irgendwann alles besser wird, oder einen aufrechten Helden, der trotz der Abartigkeiten in seinem Umfeld moralische Integrität beweist. Hier gibt es nur gebrochene Gestalten, die sich zynisch oder desinteressiert durch den chaotischen Strom treiben lassen.

Dennoch möchte ich diesen Band jenen ans Herz legen, die nun nicht abgeschreckt, sondern interessiert sind. Wer Maximal-Dystopien abfeiert, in denen die Menschheit wirklich alles verbockt hat, sollte einen Blick riskieren. Wem sich schon beim Lesen dieser Rezension die Fußnägel hochrollten, sollte diesen Band lieber in einer dunklen Ecke liegen lassen.

Marc Thorbrügge in Teilzeithelden (5. Dezember 2016)

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Wir machen das!

 
Eine von denen, die die Ärmel hochgekrempelt haben

(...) Natürlich kommt auf der Messe Migration auch die andere Seite zu Wort. Eine von denen, die Ende 2015 die Ärmel hochgekrempelt haben und aus Angela Merkels "Wir schaffen das!" ein "Wir machen das!" gemacht haben. (...)

Verena Tröster im MorgenEcho WDR 5 (24.11.2017)
 
 

Hin  zu einer Kultur des Teilens

Auf dem Titel dieses druckfrischen Buches treibt ein großes geschnitztes Einbaumboot auf den Leser zu. Sechs expressive Kopfstelen mit ernsten Gesichtern schauen heraus. Dem brüllenden Monster "Terror" im Hintergrund sind sie entronnen. Aber was wartet auf die, die die Flucht überlebten und nicht wie der der kleine Junge Aylan im Mittelmeer ertranken, dessen furchtbares Foto vom türkischen Strand 2015 um die Welt ging? Genau das fragen die Bonner Autoren, die der Beueler Kid Verlag in seiner Neuerscheinung "Wir machen das! - Leben mit Flüchtlingen" vereint hat. (...)

Das heißt, die Autoren dieses Buches malen keineswegs eine heile Wir-haben-uns-alle-lieb-Klischeewelt der heutigen Flüchtlingshilfe, sondern sprechen Klartext. (...) "Machen" bedeutet für sie alle, dass jeder das einbringt, was er kann: vom Kleiderfalten bis zur Öffentlichkeitsarbeit, vom Beherbergen bis zur Schulplatzvermittlung, von der Rechtsberatung bis zur Sprachvermittlung - weg vom Mitleid hin zu einer Kultur des Teilens, hin zu einer offenen Gesellschaft. (...)

Ebba Hagenberg-Miliu im General-Anzeiger (3./4. Juni 2017)

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Lektüre in der Straßenbahn

Dem Sonett verschrieben

Einen Blick (und einen zweiten und dritten) wert ist immer wieder die Lyrik von Rainer Maria Gassen. Der in Bonn lebende Philologe (*1946) mit dem großen Vornamen (und Mitinitiator der Bonner Buchmesse) hat sich seit Jahren dem Sonett verschrieben – mit seinem nunmehr sechsten Band Lektüre in der Straßenbahn (Kid Verlag 2016, ) lotet er nicht nur dessen Gestalt neu aus, auch inhaltlich ist er (wiewohl sich einer Sprache bedienend, die alles andere ist als modernistisch) auf der Höhe der Zeit, verhandelt er doch in jedem der 24 Gedichte, was jedes denkenden Menschen Leben immerzu kennzeichnet: mit Antinomien umzugehen. »Zögerlich und entschlossen«, »Für und gegen«, »Kalme und Sturm« – immer wieder aufs zwischen Gegensätzen unterwegs zu sein.

»der Neugier Drängen ficht jedoch nicht an,
das Reifen ist sich selbst Bedingung, legt
sich quer und tut sich Schritt für Schritt nie schwer
auf seinem Weg und feiert sich erst, wenn
die Tage langsam immer kürzer werden;«
(aus: »Bedächtig und eilig«)

Realiter in der Straßenbahn genossen, könnte die Lektüre glatt dazu führen, dass man eigentlich bloß von A nach B will und lesend vergisst, bei B auszusteigen. Dann hätte sich die Strecke aber doch gelohnt, vielleicht gerade dann …

Gitta List in der Schnüss 11|2017

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Tanz der Kirschblüten

 
Besuch im Kirchturm von St. Josef liefert die Idee

(...) „Die Geschichte ("Die Glocken von Beuel" von Jörg Weigand) wird aus einer Zukunftsperspektive erzählt, in der das E-Book große Verbreitung gefunden hat, viele Unterlagen aber noch nicht digitalisiert sind und in den Archiven nachgeforscht werden müssen. Der Erzähler ist solch ein Forscher, ob allerdings Profi oder Amateur, das bleibt unerwähnt“, sagt Weigand. 

Die Geschichte ist erfunden und ähnliche Ereignisse seien dem Autor auch nicht bekannt. „Dennoch belegen natürlich immer wieder Berichte, dass es jederzeit Ereignisse geben kann, die rätselhaft bleiben und erst in Zukunft im Rückblick erklärbar oder fast erklärbar werden“, so der Schriftsteller. Weitere Geschichten über Beuel hat er bisher nicht geschrieben, aber einige Erzählungen, die in Bonn und der Region spielen, etwa inr Wachtberg-Niederbachem. Dort hat der frühere Journalist lange Jahre gewohnt, und der Ort bietet auch die Kulisse der zweiten Geschichte in dem Buch ("Es war einmal").

Anke Vehmeier im General-Anzeiger (10. Mai 2017)
 

Buch mit weitgefächertem Themenbereich

(...) Dieses Buch mit seinen 164 Seiten ist vom Themenbereich her weit gefächert. Die Kurzgeschichten sind interessant geschrieben und lassen die Leserinnen und Leser oftmals auch schmunzeln. Dem Ideenreichtum sind in diesem Buch keine Grenzen gesetzt. Es ist sehr unterhaltsam. (...)

Bonn-Report  (Mai 2017)
 

Phantastisches in Bonn

(...) Nun ist diese wundervolle Geschichte ( "Die Lanze des Mauricius" von Karsten Beuchert), zusammen mit einigen anderen, in diesem Frühjahr in der Anthologie „Tanz der Kirschblüten“ im Bonner Kid Verlag erschienen und jedermann und jedefrau können sie lesen. So weit so gut.  (...)

Was also ist der Grund für dieses leise Gefühl des Unbehagens, das mich beim Betrachten des nämlichen Buches überkommt wie ein jäher Frosthauch an einem warmen Sommernachmittag? War es unvorsichtig von mir, die Genehmigung zum Abdruck zu erteilen? Was wird geschehen, wenn irgendjemand auf die Idee kommt, die Geschichte könnte mehr sein als bloße Fiktion? Obwohl ich mir in den letzten Jahren große Mühe gegeben habe, meiner Existenz als Phantast einen möglichst harmlos wirkenden Anschein zu geben, kommt der Erzähler in der Geschichte dem wahren Wesen meiner Kunst beunruhigend nahe.

Ist Herr Beuchert sich bewusst, was er da geschrieben hat? (...)

Martin Welzel auf  der Internetseite des Ateliers für Phantastische Kunst (April 2017)

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Distomo

 
Werke regen zum Staunen an

(...) Die Textsammlung, die im Bonner Kid Verlag erschienen ist, trägt den Titel eines Gedichts des Wettbewerb-Gewinners Holger Evang-Lorenz, der damit an das Massaker in dem griechischen Ort Distomo im Jahre 1944 erinnern will. Der ehemalige Krankenhausseelsorger tut dies in einem recht prosaischen, fast schon essayistischen Stil, ohne poetische Verdichtungen, Reime und Rhythmen - erst durch das Druckbild wird die Zuordnung zur Lyrik überhaupt deutlich. Zugleich pflegt er eine klare Sprache, die ohne Umschweife zeigt, was es zu zeigen gibt.
(...)

Thomas Kölsch im General-Anzeiger (1./2. Mai 2017)

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Die geheimnisvolle Welt der Tagebücher

 
Faszination Tagebuch

Ursula Kosser war am 26. Juni 2017 Gast bei "daheim + unterwegs". Das Video der Sendung gibt es hier.
 

Ziemlich das Intimste

Das eigene Tagebuch ist so ziemlich das lntimste, was ein Mensch hervorbringen kann. Als Außenstehender da reínzugucken, zählt zu den größten Taktlosigkeiten, die denkbar sind – außer natürlich, der Tagebuchschreiber erlaubt es; und das ist in unserer Hallo-guckt-mal-ich!-Gesellschaft inzwischen durchaus üblich, so fand die Bonner Journalistin Ursula Kosser heraus. 18 Menschen, zwischen 18 und 73 Jahren alt, haben ihr den Einblick in ihr schriftgewordenes Privatleben gestattet; das Ergebnis erscheint in kleinverlagstypisch unspektakulärer Softcover-Aufmachung, hat's aber in sich. Liebeleien und Sex, Kummer und Bosheiten, Geniales und Banales - Kosser analysiert, was die so verschiedenen Diaristen an Erlebnissen und Gedanken aufnotierten, setzt es in Zusammenhang mit Betrachtungen zum Tagebuchschreiben (eine interessante Liste von lnternetlinks ist beigefügt) und macht das Buch so zu einer fabelhaften Einführung in eine faszinierende Kulturtechnik, die nicht für Großliteraten reserviert ist. Sätze wie in Stein gemeißelten liefern  die schließlich auch nicht ständig: „Heute trübes, dampfiges Wetter" (Thomas Mann, 30. Juni 1945). (...)

Wolfgang Pichler im General-Anzeiger (18./19. März 2017)

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Die französischen Jahre in Bonn - 1794 - 1814
 
Bevor die Preußen kamen

In der Regionalgeschichte ist Norbert Flörken zu Hause. Und das liegt nicht nur daran, dass die Bonner Spuren seiner Familiengeschichte bis in das Jahr 1680 zurückzuverfolgen sind. Nach früheren Exkursionen in das 16. und 17. Jahrhundert sowie die Zeit des Nationalsozialismus in Troisdorf hat sich der frühere Latein- und Geschichtslehrer zuletzt zwei Jahre lang in jene Zeit vertieft, die als die „französischen Jahre“ bekannt sind. Gemeint sind die zwei Jahrzehnte um 1800, in denen in Bonn französisch gesprochen, mit Franc und Centimes bezahlt und mancher „Freiheitsbaum“ nach subversiven Aktionen des nächtlichen Widerstands per Neupflanzung ersetzt werden musste. „Die französischen Jahre in Bonn - 1794 bis 1814“ heißt Flörkens neuestes Buch. 570 Dokumente hat er auf knapp 950 Seiten versammelt. (...)

Und doch kommt Norbert Flörken zu einer differenzierten Bewertung jener Zeit: „Als 1814 das Rheinland den Franzosen wieder abgenommen wurde, war es anderen Landesteilen Deutschlands in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht weit voraus.“ Erbitterten Widerstand jedenfalls, wie dies von Zeitgenossen teilweise literarisch dargestellt und womöglich überhöht wurde, hat es in Bonn gegen die Franzosen nach Überzeugung Flörkens nicht gegeben. (...)

Rüdiger Franz im General-Anzeiger (21. Dezember 2016)

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Nichts als Streit und Ärger
 
»Du Blutwurst, bist du toll geworden«

Insider und Vielleser wissen es natürlich: Im Literaturbetrieb geht es nicht nur nicht immer nicht gesittet zu, sondern manchmal regelrecht rabiat. Ruchlose Verleger und niederträchtige Kritiker gehören zum Betrieb wie die Schneide zum Messer - aber auch die Literaten und Innen selbst können höchst unfein außer sich geraten, wenn es darum geht, sich tatsächlicher oder vermeintlicher Kränkungen zu erwehren, Konkurrenten niederzumachen und was dergleichen Affekte mehr sind. Und wehe, wenn ein Schriftstellerpaar sich entzweit - dann wackeln die Wände im Elfenbeinturm.

Johannes Wilkes hat für seine ›Nahaufnahme‹ des Rosenkriegs zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch kürzlich einen Literaturpreis bekommen - weitere solcher ›Nahaufnahmen‹ versammelt der jüngst erschienene Band Nichts als Streit und Ärger. Gediegenen Gossip aus der deutschen Literaturgeschichte hat der (praktizierende) Mediziner und Psychotherapeut Wilkes hier zusammengetragen, »Skandale und Tragödien« aus mehreren Jahrhunderten: Voltaire gegen Lessing, Heine gegen Platen, Bettina (»Bettine«) von Arnim gegen Christiane Goethe. Aus letztgenannter Schilderung stammt der entzückende Satz, den wir in der Überschrift zitieren - Bettina schleuderte ihn Christiane hinterher, nachdem diese gegen die vornehme Bettina (die es sich indes nicht nehmen ließ, gegen ›die dahergelaufene Weibsperson‹, die ihr den geliebten Goethe abspenstig gemacht hatte, zu sticheln) handgreiflich geworden war. (...)

Wilkes Schreibstil hat etwas von Anamneseprotokoll - kurze Sätze, Telegrammstil. Keine Schnörkel - wobei dann schnörkeldialektisch doch wieder welche entstehen: die Wilkeschen Anamnesekurzssätze. »Jenseits der Literatur. Reich-Ranicki hatte ihn aussortiert. Aus dem Kreis der Autoren, die in Frage kamen. Wie einen faulen Apfel.« (Kapitel »Walser gegen Reich-Ranicki - Tod eines Kritikers«; ebenfalls (un)gemein interessant.)

Das ist auf Dauer etwas anstrengend. Aber man muss das Buch nicht so ›in einem durch‹ lesen, dass einen dieser Stil stört. Es bietet sich vielmehr an, einen Happen zu nehmen. Macht man aber nicht, weil es einen dann doch packt.

Gitta List in der Schnüss (12/2016)
 

Von Goethe bis Grass

Vierzehn Geschichten aus dem Leben unterschiedlicher Schriftsteller zu unterschiedlichen Zeiten umfasst Nichts als Streit und Ärger: Deutsche Literaturgeschichte in Skandalen und Tragödien. Wir lesen von Voltaires Verärgerung über Lessing, der ihm vor der Veröffentlichung ein Buch gestohlen haben soll, das dem König gewidmet war; somit gebühre nur diesem das Recht, das erste Exemplar zu empfangen. Letztendlich führte das zum Bruch zwischen den beiden Schriftstellern. Achtzehn Seiten sind der Beziehung Ingeborg Bachmanns zu Max Frisch gewidmet, deren leidenschaftlicher Liaison und ihrer schmerzhaften Entzweiung.

Johannes Wilkes, der schon einige Texte zu literarischpsychotherapeutischen Themen verfasst hat, verfolgt dabei keinen literaturwissenschaftlichen Ansatz, erzählt die Begebenheiten launig und mit einem subjektiven Blick auf die Gefühlswelt der Autoren in Situationen, die Teil der deutschen Literaturgeschichte geworden sind.

Buchkultur 168 (Oktober/ November 2016)
 

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Pfleimenbäume und andere Gedichte
 
Gedichte voller Scharfsinn, Ironie, einem gewissen Sarkasmus

(...) Herbert Reichelt treibt offensichtlich immer noch und anscheinend immer mehr die Freude am Gestalten von Sprache, das Neuzusammensetzen und Verfremden von Wörtern. Aus dieser Lust lässt er ganze Zeilen, die sich reimen, ganze Gedichte in strenger Form entstehen, um im selben Zug gleichsam aus jedem Buchstaben seinen manchmal schelmischen, gelegentlich bösartigen und dann und wann auch derben Humor blitzen zu lassen.

Herbert Reichelt schreibt keine platte Gelegenheitslyrik, sondern liebevoll Gedichte voller Scharfsinn, Ironie, einem gewissen Sarkasmus und einem Bild am anderen – es ist Dichtung auf einem Niveau einer guten Komödie. Dies ist kein Spiel für Dilettanten, man muss Gedichte aus Sprache geradezu weben können, ohne sie beherrschen zu wollen, denn sonst zerbrechen die zwar biegsamen, aber dennoch zarten Wörter und Sätze in peinliche Reimerei.(...)

Highlights - Magazin (Oktober 2016)

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Elly Ney und KarlrobertKreiten
 
Ohne wohlfeile Polemik

(...) Elly Ney und Karlrobert Kreiten. Zwei Musiker unterm Hakenkreuz lautet der Titel einer unlängst erschienenen Studie. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf einen trotz seiner jungen Jahre  erfolgreichen Pianisten, der im Januar 1943 in der Bonner Beethovenhalle auftritt und noch im selben Jahr - obwohl eher unpolitisch - wegen "Hetzereien" gegen das nationalsozialistische Regime denunziert und 27-jährig in Berlin-Plötzensee hingerichtet wird. Ohne wohlfeile Polemik beleuchtet der Autor der Studie die fatalen gesellschaftlichen Auswirkungen diktatorischer Systeme, in denen der eine Künstler als Täter figurieren darf, während der andere als Opfer endet. (...)

Martin Geck: Beethoven: Der Schöpfer und sein Universum, München 2017
 

Vor einer Folie

(...) Die Studie des Bonner Musikwissenschaftlers ist seriös recherchiert und aufwändig dokumentiert. (...)

Oliver Cech in wdr 3 - Mosaik (4.8.2016)
 

Auf den Spuren von Karlrobert Kreiten

(...) Hinterkeuser, ... , war gestern das erste Mal seit sieben Jahren wieder an einer Schule, um seine Forschungen insbesondere über Kreiten dem Leistungskurs Geschichte der 12. Klasse der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule zu präsentieren.  (...) „Ich habe keine Biografie geschrieben, sondern versucht, Zusammenhänge herzustellen.“ Zusammenhänge zwischen einer „glühenden Hitler-Anhängerin“ und einem „musikalischen Wunderkind.“ „Eine Motivation für meine Arbeit war die Frage, inwieweit sich Elly Ney für ihren jungen Bonner Kollegen eingesetzt hat, als dieser von der Gestapo verhaftet und vor den nationalsozialistischen 'Volksgerichtshof' des Roland Freisler gestellt wurde. Andere bedeutende Musikerpersönlichkeiten haben die Rettung versucht, wenn auch letztlich ohne Erfolg, wie zum Beispiel der Dirigent Wilhelm Fuchtwängler. Und Elly Ney? Hat sie sich eingesetzt? Nein!“, so Hinterkeuser. Nach Recherchen von Hinterkeuser wurde beispielsweise in ihrer Autobiografie "alles ausgespart, was sie hätte belasten können". (...)

Michael Wenzel im General-Anzeiger (14.5.2016)
 

Keine vernünftige Begründung

(...) Was keine vernünftige Begründung haben kann, ist die Negierung und Verdrängung historischer Tatsachen. Wer ein wahrheitsgemäßes Bild der Umstände gewinnen will, die die Zeit zwischen 1933 und 1945 bestimmt haben, wird sowohl der Täter wie auch der Opfer zu gedenken haben. Wenn man sich also Karlrobert Kreitens in seinem 100. Jahr erinnert, so wird man sich auch zumindest in Bonn der zweiten bedeutenden Pianistin aus dieser Stadt erinnern müssen und deren Unterstützung eines verbrecherischen Regimes, das für ihren jungen Kollegen den schmachvollen Tod bedeutete. ln Art und Umfang dieser Unterstützung profilierte sie sich weit über jede Mítläuferschaft anderer Musiker im „Dritten Reich“ hinaus.

Daran zu erinnern ist auch deshalb notwendig, weil der Ungeist, den Elly Ney nach Kräften förderte und dcm Karlrohert Kreiten zum Opfer fiel, durchaus auch heute noch virulent ist; und sei es „nur“, dass z.B. in der Diskussion über zeitgenössische Plastiken, zumal solchen mit derThematik „Beethoven“ in Lcserhriefen und anderenVerlautbarungen in Bonn immer noch (oder wieder?) mit dem Begriff der „entarteten Kunst“ operiert wird. 

bonnjour (Juni 2016)

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Träume, fast umsonst

 
Die Bewerber kommen nun aus ganz Deutschland

(..) Ebenso abwechslungsreich wie die Themen der Werke ist auch das Teilnehmerfeld. Neben erfahrenen Autoren und Hobbyschreibern nehmen vereinzelt auch Schüler teil. Und das mit Erfolg: Die 17-jährige Caroline Maurer konnte mit ihrer Geschichte über ein Flüchtlingskind überzeugen und wurde mit in die Anthologie aufgenommen. "Das Schreiben macht mr Spaß, und ich mache es gerne. Für mich ist es etwas ganz Besonderes und Neues, dass ein Text von mir veröffentlicht wird", freute sich die Schülerin bei der Vorstellung des Sammelbandes. (...)

Yannick Schwipperich im General-Anzeiger (5.4.2016)

 

so (beklemmend) gut

(..) Doch die titelgebende Story von Michael Wenzel (erster Preis), sprachmächtiges Porträt eines urbanen Desperados, ist so (beklemmend) gut, dass allein sie den Erwerb der Anthologie wert ist, ebenso der Beitrag des zweiten Preisträgers Johannes Wilkes, »Frisch gegen Bachmann: Wenn Liebe in Hass umschlägt«, die sachlich-präzise wie zugleich einfühlsame ›Nahaufnahme‹ eines berühmten Rosenkriegs und seines fatalen Verlaufs.

Gitta List in der Schnüss (06/ 2016)
 

Ein Erleben, zu dem auch die kritische Reflexion gehört. 

(..) Die ausgewählte Erzählung (von Sabine Schlemmer: Am Weges Rand) ist eine Verbindung zweier Künste, denn der Text wird durch Fotos ergänzt. Beide stammen von einem ihrer Spazierwege im Hügelland, den sie ein Jahr lang einmal in der Woche gehe – immer wieder. „Ich beobachte, wie sich die Bäume verändern, wie sich Knospen an den Sträuchern bilden.“ Und sie achte nach der Ernte auf die Heuballen. Schöne Erinnerungen mischen sich in der Erzählung mit dem aktuellen Erleben. Ein Erleben, zu dem auch die kritische Reflexion gehört. „Viele Plastikreste der eingepackten Heuballen bleiben liegen, werden untergepflügt und gelangen in die Nahrungskette“, hat Schlemmer beobachtet. (...)

Andreas Eichhorn in der WAZ (10.5.2016)
 

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Liebesverspbrechen

 
Wenn Liebe zur Falle wird

Gesine Cahenzlis Buch „Liebesver(sp)brechen“ erzählt die Geschichte der 15 Jahre alten Sophie, die glaubt, ihre große Liebe gefunden zu haben. Sie erlebt einen Albtraum.

Interview zum Weltfrauentag am 8. März mit der Autorin Gesine Cahenzli über „Loverboys“, die jungen Mädchen die große Liebe vorgaukeln.

Frau Cahenzli, für den 10. März ist im Rahmen der Veranstaltungen zum internationalen Frauentag ein Vortrag mit dem Thema „No Loverboys“ angekündigt. Das ist auch Thema Ihres Buches „Liebesver(sp)brechen“. Was ist eigentlich ein Loverboy?

Loverboys sind Zuhälter, meist junge Männer oder Teenager, die minderjährige Mädchen in die Prostitution zwingen. Dabei spielen Loverboys ihren Opfern die große Liebe vor. Was aber anfangs nach Liebe aussieht, wird zu einer schrecklichen Falle für die Mädchen. (...)

Das vollständige Interview mit der Autorin im Südkurier (8.3.2016)
 

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Diplomat in Uniform

 
Ein Diplomat in Uniform

Auch wenn die geschilderten Ereignisse teilweise bereits 40 Jahre zurückliegen: Dieses Buch ist aktuell. Und dass es einige Sprengkraft enthält, liegt keineswegs (nur) daran, dass es aus der Feder eines Soldaten stammt. (...)

General-Anzeiger (7.1.2016)
 

Aus dem Leben eines Diplomaten in Uniform

(...) Persönliche Erfahrungen, diplomatische Aufgaben und die Schilderung der politischen Begleitumstände gehen nahtlos ineinander über. Gerade diese Melange macht das Buch so interessant. (...) Das Buch ist ein ein anschauliches Lehrstück darüber, welche Herausforderungen einen Offizier im diplomatischen Dienst erwarten können.

Die Bundeswehr (April 2016)
 

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Eltern - Oma - Tausch

 
Ein perfektes Geschenk

"Nichts darf ich, alles muss ich." - Erziehung mag für Eltern ein schwieriges Geschäft sein, für Kinder ist sie die reine Hölle. So denkt zumindest Tobias, der seine "strengsten Eltern der Welt" gerne eintauschen würde. (...) Und für "strenge" Eltern ist der Kinderroman ein perfektes Geschenk, weil Tobias schnell und ganz handfest erfährt, dass er von Mama und Papa weit mehr bekommen hat als nur Verbote. (...) 

- Main Echo (5./6.9.2015) 

 

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Kunst im Rheinland

Eine anschauliche Ermunterung

(...) Hans Weingartz hat sehr gut ausgewählt. Er zeigt Kunstorte auf, die sich in manchem unterscheiden: Verschiedenartig sind die Parkanlagen, die Skulpturenwege, die Träger, Stifter und Initiatoren. - In einem Punkt jedoch gleichen sie sich (Sie ahnen es schon!): Kunst ist im Rheinland kein museales Thema. Sie begegnet uns überall.

Eine anschauliche Ermunterung zu Skulpturenausflügen im Rheinland. 

Eberhard Hauff zuzuku.de
 

Auf Tour zur Skulptur

Der geneigte Leser dieses Büchleins wandelt vor allem auf zwei Skulpturenpfaden: Dem uns naheliegenden auf der anderen Rheinseite in Remagen und dem Pfad mit dem eigenartigen Titel „Menschen - Spuren“. Es geht um das Neandertal, wo 1856 die Überreste des Neandertalers gefunden wurden – insofern schlägt dies doch die Brücke in unsere Region, denkt man an den weltberühmten Fund von Oberkassel. Mit einer Länge von 1.200 Metern ist der Neandertaler Kunstweg  allerdings nicht all zu lang. Schade, dass der deutlich längere Basalt-Skulpturen-Weg von Unkel nach Linz nicht berücksichtigt wurde (Wir werden ihn in einem der nächsten Hefte ausführlich vorstellen)! Deutlich mehr Raum widmet Hans Weingartz den Skulpturenparks. Davon bietet sich aufgrund der Entfernung vor allem der Kölner Skulpturenpark  als  Ausflugsziel an. Zum Teil hervorragende Fotos des Autoren schmücken den Band, der seit über 40 Jahren in Bonn lebt und ohnehin gebürtiger Rheinländer ist. 

Rheinkiesel 07
 

Buchtipps

sculpture Network, Europas Plattform für zeitgenössische Skulptur,  präsentiert auf seiner Juni-Homepage den neuen Bildband von Hans Weingartz.

sculpture Network (Juni | 2015)
 

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Der schwarze Kater

 
Ausdruck der Emotionen

Es bleibt „tierisch“ bei Eva Künzel: Nachdem sie im vergangenen Jahr das gleichnamige Buch mit Kindergedichten von Sabine Heinke illustriert hatte (der Westfälische Anzeiger berichtete), ist nun ihr zweites Büchlein erschienen: „Der schwarze Kater“ heißt es, und mit ganz eigener Handschrift hat Eva Künzel darin Edgar Allan Poes meisterhafte Erzählung auf ungewöhnliche Art illustriert.(...)

Westfälischer Anzeiger (19.2.2015) 

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Schattenzeit

 
Handlich-klein, aber fein

Die acht Autoren (...) sind nun in einem handlich-kleinen, aber feinen Erzählband mit jeweils mehreren Beiträgen vertreten. "Es sind hauptsächlich Texte über die Schattenseiten unseres Lebens, deshalb der Titel nach einer Erzählung unserer aktuellen Wettbewerbsgewinnerin Renate Fröhlig-Striesow", erläuterte Herausgeberin Barbara Ter-Nedden. (...)

General-Anzeiger (19.2.2015) 

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Die Eifel im Bild

 
Eine Hommage an die Eifel

(...) Mit den für diese Kunstform eigenen Mitteln rückt der Künstler Landschaften, Orte, Plätze und sehenswerte Bauwerke ins Blickfeld des Betrachters und hebt die Schätze der Eifel.

Volksfreund.de

 

...ein herrliches Geschenk

Dieses Buch “Die Eifel im Bild“ ist ein herrliches Geschenk für jeden Anlass, insbesondere zum bevorstehenden Weihnachtsfest!

Bonn-Report - einige Ansichten aus dem Buch gibt es als Video-Clip hier...
 

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Kreuz  & Quer durchs Wissen
 

...eine Bereicherung für alle Altersgruppen 

Wissen Sie eigentlich, liebe Leserinnen und Leser, was man nicht selten sagt: “Man wird so alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu!“

Solche Bücher, wie das vom Kid Verlag mit dem Titel “Kreuz & Quer durchs Wissen“ und dem Untertitel “Werde Small Talk Meister“ werden stets gerne gelesen. (...) Vieles, was in diesem Buch verewigt ist, kennt man zwar, aber was es bedeutet, weiß man nur bedingt, wenn überhaupt.(...)

Bonn-Report- einige Ansichten aus dem Buch gibt es als Video-Clip hier...

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Bonner Impressionen

 
Heinrich Brodeßer schafft beeindruckende Ansichten der Stadt

Das gab es auf dem Bonner Büchermarkt noch nicht: alte und neue Stadtansichten, liebevoll in Federzeichnungen angelegt, die in ihrer Feinheit, aber auch mit Herz und Witz eine ganz individuelle Lanze für die Stadt brechen. Die Zeichnungen stammen aus der Feder von Heinrich Brodeßer, und der Bonner Kid-Verlag hat die sehenswerten Werke des 84-jährigen Troisdorfers als Buch in sein Programm aufgenommen. 

"Heinz Brodeßer widmet sich seit Jahren mit seinen grafischen Arbeiten der Gestaltung von Stadtansichten", sagte Verleger Hans Weingartz bei der Buchvorstellung im Amtszimmer von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.(...)

Das zart festgehaltene Spiel von Licht und Schatten, die immer wieder atemberaubend neuen Einblicke in Architekturlandschaften belegen, dass der pensionierte Lehrer ein sensibler Beobachter und feinsinniger Zeichner ist. Auch die Architektur der diversen Rheinbrücken hat Brodeßer gepackt. Akribisch hält seine Feder jedes Detail fest. "Sie schaffen hier ganz andere Einblicke als jedes Foto", resümierte schließlich der Oberbürgermeister.

Ebba Hagenberg-Miliu -  General-Anzeiger (14.5.2013)
 

Liebevoll in Federzeichnungen angelegt

Auf 173 Seiten präsentiert er (Heinrich Brodeßer) ebenfalls „Bonner Impressionen“. Sie sind jedoch liebevoll in Federzeichnungen angelegt und brechen in der Feinheit des Strichs, im Spiel von Licht und Schatten, aber auch mit Herz und Witz eine ganz individuelle Lanze für die Stadt am Rhein.

Mitten im Leben - Mitten in Bonn (Ausgabe 3/ 2013) 
 

Zum Leben erweckt

Prächtige Gebäude wie die ehemalige Bonner Stadthalle in der Gronau, im Volksmund "Die Bierkirche" genannt, werden zum Leben erweckt Rund um die Altstadt geht es weiter in die Vororte Godesberg und das rechtsrheinische Bonn, wobei auch die Flussübergänge ins Bild kommen. (...)
Bergheimer Chronik Ausgabe 11 (Oktober 2013 )
 

À la bonne heure, Herr Brodeßer!

Jährlich kommen zahlreiche Bildbände auf den Markt. Darunter einige recht kunstvollgestaltete Bände. Jedoch hervorragend gestaltete Bildbände in Form von Federzeichnungen sind selten in Buchhandlungen zu finden.

Anders bei dem umfangreichen Werk des Autors Heinrich Brodeßer, der in seinem Buch "Bonner Impressionen – Alte und neue Stadtansichten in Federzeichnung" mit 126 Federzeichnungen ein wahres Kunstwerk geschaffen hat. Seit einigen Jahren widmet sich der Autor und Zeichner des Buches mit Arbeiten der Gestaltung von Stadtansichten. Ein großes Kompliment an den Künstler! À la bonne heure, Herr Brodeßer! (...)

Manfred Rademacher - Hardtberg-Bote (19.4.2015 ) - mit einem Video-Clip zu dem Bildband 

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Kleine bergischeSchulgeschichte(n)

 
Olaf Link erzählt kleine Schulgeschichten

(...) Das Buch bietet einen interessanten Beitrag Regionalgeschichte. Zu jedem Jahrhundert fasst Link Wissenswertes über die damalige Schule zusammen – angefangen von den Klosterschulen bis zur heutigen Zeit... 

- hs - wochenpost (20.6.2012)

 
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Streifzüge

 
Beeindruckender Kunstbildband aus Bergeim 
 

Wenn man über Bücher spricht, steht meistens die schriftlich festgehaltene Literatur im Vordergrund. Aber es gibt auch schöne Bücher mit Abbildungen von faszinierenden Kunstwerken. Ein solcher Kunstbildband ist im letzten Herbst von Berta Brodeßer erschienen. (...)

Bergheimer Chronik (April 2013)
 
 

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Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist...

 
Verdienstvolle Arbeit

(...) Das Novum der verdienstvollen Arbeit liegt wohl in erster Linie darin, dass Figatowski sich einer kinderliterarischen Randerscheinung zuwendet, die in der gegenwärtigen Debatte, in der es vor allem um das All-Age-Phänomen sowie um die medialen Verarbeitungen der KJL geht, höchstens eine marginale Rolle spielt. Es ist zu wünschen, dass der Autor seine Arbeit weiterverfolgt und im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen ausbaut. Mit der vorliegenden Studie ist dafür eine gute Grundlage geschaffen.

Dr. Kirsten Kumschlies, Universität Oldenburg - Kjl & m. Forschung.Schule.Bibliothek. 66. Jahrgang, 1. Vj. 2014. S. 85-86 
 

Bahnbrechende Grundlagenarbeit

Auch wenn es inzwischen nicht mehr ganz so schlimm erscheint, wenn sich ein deutscher Nachwuchs-Akademiker mit der Science Fiction beschäftigt - die Zahl der Doktorarbeiten, die sich hierzulande explizit mit diesem Zweig der Literatur beschäftigen, ist immer noch sehr niedrig. Umso bemerkenswerter ist Bartholomäus Figatowskis Dissertation in Deutscher Philologie, die er an der Universität.Köln einreichte und die jetzt im Bonner Kid Verlag unter dem Titel »Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist...« (ISBN 978-3-929386-35-6) erschienen ist. Auf mehr als 400 Seiten beschäftigt sich Figatowski mit einer sehr speziellen Untergattung der Zukunftsliteratur, für die er tatsächlich bahnbrechende Grundlagenarbeit leistet: mit der Science Fiction für Kinder und Jugendliche.

Wie sehr es noch an einer Untersuchung über die »Kindheits und Jugendbilder in der Science Fiction für junge Leser« (so der Untertitel) gemangelt hat, zeigt sich vor allem an der von Figatowski verwendeten Sekundärliteratur. Obwohl er fast eintausend Fußnoten zum Haupttext macht und sich dabei voll auf der Höhe des aktuellen Diskussionsstandes zeigt, muss er, wenn es um seinen Themenschwerpunkt geht, immer wieder auf Quellen aus den (offenbar experimentierfreudigeren und theorieoffeneren) 1970er und 1980er Jahren zurückgreifen. Deshalb kann es nicht verwundern, dass Figatowski mehr als die Hälfte seiner Arbeit (»Teil 1 - Zur Theorie und Poetik der Science Fiction für junge Leser«) für die Entwicklung noch fehlender Grundlagen aufwendet. Ausführlich geht er auf die Definitionsproblematik, die Perspektiven der Vermittlung, die Typologie und die Handlungsfelder, sowie auf die Traditionslinien juveniler Science Fiction ein. Dabei widerspricht er vehement der früher oftmals geäußerten Meinung, dass Science-Fiction-Entwürfe speziell für Kinder und Jugendliche »nicht sinnvoll« seien (S. 81).

Nachdem Figatowski für einen Großteil der Science-Fiction-Geschichten für junge Leser, die bis  1980 erschienen sind, einen eher wertkonservativen und einschränkenden Bezug zur »klassischen« Science Fiction eines Jules Verne, H. G. Wells, Hans Dominik und Robert A. Heinlein herstellen konnte, geht er im zweiten Teil (»Analysen: Figurationen von Kindheit und Jugend in der Science Fiction für junge Leser seit den 1980er Jahren«) anhand ausgewählter Beispiele davon aus, dass die seither erscheinenden Texte einem deutlichen Wandel unterliegen. In den schematisierten Lektüren (Inhalt, Erzählweise, Sprache, typologische Zuordnung usw.) von neun Zukunftsromanen, die zwischen 1987 und 2003 erschienen sind, erkennt Figatowski sowohl neue Herangehensweisen als auch aktualisierte Bezugnahmen auf die veränderten Lebensumstände des Zielpublikums durch die Verfasser der Texte.

Die (insgesamt auch gut lesbare) Arbeit Figatowskis zeigt anhand ihrer Beschränkung auf einen Teilaspekt, den sie dann auf herausragende Weise erforscht, welches Potenzial in der Genreliteratur noch versteckt ist - und wie dringend eine weitere akademische Erschließung dieser literarischen Teilbereiche wäre.

Horst Illmer  - „phantastisch“, No. 48, Ausgabe 4: 2012 
 

Excellenter Fachmann in Sachen (SF-)Literaturtheorie

(...) Bartholomäus Figatowski präsentiert sich mit diesem Werk nicht nur als excellenter Fachmann in Sachen (SF-)Literaturtheorie sondern auch als außergewöhnlich guter Kenner des Genres. Nach mehr als vierzig Jahren als SF-Leser macht es Spass die unheimlich vielen zitierten Titel (...) noch einmal am inneren Auge vorbeiziehen zu lassen. Die mehr als 900 (!) Fußnoten sind keineswegs störend, sondern gerade für „erfahrene Altleser“ oft eine Quelle des Entzückens. Als solcher kann ich die objektiven und feinsinnigen Kommentare und Analysen des Autors meist auch sehr gut nachvollziehen. Am Schluß daher wirklich eine ausgesprochene Empfehlung für dieses lesenswerte Werk, das vor allem im ersten Teil als wissenschaftliches Basiswerk für weitere Arbeiten auf dem Gebiet der Science Fiction dienen kann. 

Karl E. Aulbach - Fandomobserver, Nr. 280/ Oktober 2012 + Fantasia 591e – Magazin für Phantastik - Karl E. Aulbach: Kaminlektüre
 
 

Ein informatives Werk

(...) Ohne Zweifel ist »Wo nie ein Kind gewesen ist …« ein informatives Werk zum Thema Kinder und Jugend-SF. Es liefert sowohl Grundlagen zur Theorie, als auch umfassende Beispiele. Eine Umwandlung in ein populärwissenschaftliches Werk und die Einbeziehung von Texten, die den Spaß am Abenteuer fokussieren, ist wünschenswert.

Ralf Steinberg - fantasyguide.de, 5. Juli 2012
 

Interview mit Bartholomäus Figatowski

Ralf Steinberg vom Fantasyguide führte nach dem Erscheinen von "Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist..." mit Bartholomäus Figatowski ein Interview. Hier ein Ausschnitt: 

Fantasyguide: Im Bonner Kid Verlag erschien gerade Deine Dissertation zum Thema Kinder- und Jugend-SF als Sachbuch zu einem kleinen Preis. Mir fiel auf, dass die Textdarstellung deutlich wissenschaftlich blieb, also sehr viele Fußnoten und Anmerkungen. Warum hast Du den Stoff nicht allgemeinverständlicher aufbereitet?

Bartholomäus Figatowski: Ich würde behaupten, dass man die Arbeit gut lesen kann, auch wenn man nicht jede Anmerkung mitliest. Ich stimme Dir aber darin zu, dass das eine oder andere Kapitel noch leserfreundlicher ausgefallen wäre, wenn es sich um einen Essay und nicht um eine universitäre Arbeit handeln würde.

Fantasyguide: Besonders interessant fand ich Deine Auseinandersetzung mit den Motiven und der Geschichte der SF für Kinder und Jugendliche. Warum ist das Thema für Dich so spannend?

Bartholomäus Figatowski: Interessant ist für mich an der Auseinandersetzung mit den Motiven der Science Fiction, wie die Autoren ihre Texte (und die Verlage die Bücher) gestalten, damit Kinder und Jugendliche als Adressaten angesprochen werden. Wird eine kindliche bzw. jugendliche Hauptfigur verwendet? Gibt es beim Schreiben für junge Leser bestimmte Tabus? Gelten sie auch im Science-Fiction-Genre?
Es ist nicht damit getan, dass Autoren lediglich typische SF-Motive übernehmen, wenn sie für Kinder und Jugendliche schreiben. Am Beispiel der Weltraumreise als einem scheinbar etwas ausgeleiertem SF-Motiv mache ich deutlich, wie einfallsreich sich Autoren mit dem Problem auseinandersetzen, wie sich die Anwesenheit von Kindern an Bord überhaupt erklären lässt. 

Das vollständige Interview ist hier.
 

Lehrreiche und fundiert vorgetragene Lektüre

(...) Diese zu entdecken macht „Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist…“ zu einer nicht immer leichten, aber lehrreichen und vor allem fundiert vorgetragenen Lektüre, der vielleicht nicht ganz der Brückenschlag aus der eigenen Jugend es Autoren und zahlreicher Leser in die augenblicklich auf den ersten Blick vielschichtigere Gegenwart der Jugendbuchliteratur gelingt. 

Thomas Harbach - sf-radio.net
 
 

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Erziehung und Aufklärung

 
Auf jeden Fall zu empfehlen

Anstelle der von Bueb ("Lob der Disziplin", "Von der Pflicht zu führen") und Winterhoff ("Warum unsere Kinder Tyrannen werden", "Nein aus Liebe") verfolgten Gehorsams- und Anpassungsstrategien setzt Link ganz im Geist der Aufklärung auf Distanz- und Kritikfähigkeit. Er merkt an, dass das meiste, was heute an pädagogischen Theorien publiziert wird, hinter das zurückfällt, was Janusz Korczak und Ellen Key zu Beginn des 20. Jahrhunderts formulierten (S.75). Mit Hinweis auf Alice Miller ("Am Anfang war Erziehung") lässt sich zeigen, wohin "Zucht und Ordnung" führen. Vor Gericht formulierten NS-Täter nach 1945, dass sie eine nicht hinterfragbare Gehorsamsbereitschaft verinnerlicht hatten. Und auch marodierende Jugendliche, die Ausländer/innen attackieren, haben zumeist eine autoritäre Erziehung "genossen". Das alles ist nicht neu, droht aber anscheinend heute vergessen zu werden, weshalb ein Buch wie das vorliegende, das an diese Zusammenhänge erinnert, auf jeden Fall zu empfehlen ist.

Gerald Grüneklee - Buchfreund.de
 

Mehr als eine Streitschrift

Der Solinger Autor Olaf Link setzt sich in seinem neuen Buch „Erziehung und Aufklärung“ mit den Thesen von Bernhard Bueb und Michael Winterhoff auseinander. Seine Arbeit ist aber mehr als eine Streitschrift. Olaf Link holt weit in der Geschichte der Erziehung aus und entwickelt seine Kritik und die eigene Position auf der Grundlage einer in der Aufklärung begründeten Theorie der Bildung und Erziehung.

paedbooks
 
 

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Empfehlenswert

 
„Das müsst ihr unbedingt lesen“ - 
50 Gesamtschüler geben ein Buch mit eigenen Rezensionen für Gleichaltrige heraus

Laurence ist durch einen Film auf sein Buch gekommen. Tom hat seins beim Kramen im Keller gefunden. Und Susanne wie Lisa haben sich von ihren Freundinnen neugierig machen lassen. Gestern sitzen die Vier stolz auf dem Podium der Gesamtschule. Denn mit ihren Rezensionen selbst ausgewählter Bücher sind die Neuntklässler regelrechte Autoren geworden. Mit ihnen zeichnen 46 weitere Gesamtschüler verantwortlich für den Band „Empfehlenswert - 50 Erzählungen und Romane für junge Leser“. Er habe nichts vorgegeben, sagt Deutschlehrer Hans Weingartz, als er stolz sein Autorenquartett vorstellt. „Jeder Buchtitel war eine freie Entscheidung.“

Sechs Wochen hatten die Schüler Zeit, einen passenden Titel zu wählen, zu lesen, zu prüfen und dann für die Gleichaltrigen zu rezensieren.  „Und wer nicht ganz so begeistert vom Buch war, der hat das dann auch gut begründet“, bemerkt Weingartz. „Mein Buch war aber echt super“, sprüht Tom Thielemann vor Begeisterung. Mit Inbrunst liest er seine Besprechung des dramatischen Jugendromans „Davids Versprechen“ von Jürgen Banscherus vor, der von der Gewalttätigkeit eines Vaters gegen sein Kind berichtet. „Das beruht auf einer wahren Geschichte, krass und spannend geschrieben.“ Ihre Harry-Potter- und Abenteuerbücher seien eher Fantasy und hätten weniger mit der Wirklichkeit zu tun, meinen Susanne Schwind und Lisa Schafer.

„Ne, eigentlich waren wir vorher auch nicht gerade Leseratten. Eher haben wir uns schon mal ein Hörbuch geholt“, geben die beiden auf Nachfrage des Publikums zu. Wobei eine der Rezensionen im Buch, die zu „Tote Mädchen lügen nicht“, dann schließlich zu einer regelrechten Lesewelle an der Schule geführt habe, sagt Hans Weingartz und lacht. Er habe mit seiner Mutter vor der Lektüre über Süskinds „Das Parfum“ gesprochen, erzählt Laurence Karbach. Die habe ihm den Titel empfohlen. Ob er sich dann wirklich ihrem Urteil angeschlossen habe, will jemand aus dem Publikum wissen. Laurence überlegt kurz. „Doch, da hatte meine Mutter völlig recht. Das müsst ihr unbedingt lesen.“

General-Anzeiger (5.2.2011 )
 

Empfehlenswert

50 Bonner Schülerinnen und Schüler aus dem 8. und 9. Schuljahr kommen in diesem Band zu Wort. Sie konnten sich für den Deutschunterricht einen Roman ihrer Wahl aussuchen und besprechen. Dazu hatten sie vier bis acht Wochen Zeit. Danach stellten sie ihre Lektüre der Klasse vor und lieferten abschließend ihre Besprechung in schriftlicher Form ihrem Deutschlehrer ab.

50 solcher Besprechungen sind nun unter dem Titel "Empfehlenswert" erschienen und dürften eine wirkungsvollere Leseförderung darstellen als manch andere, wohlgemeinte Lesetipps - die den "Nachteil" haben, von Erwachsenen verfasst zu sein.

Interessant ist, welche Titel die Schüler gewählt haben. Von der "Akte X. Ruinen" bis zur "Roten Zora" reicht die Liste der besprochenen Texte. Klassiker sind darunter wie "Die Welle", aber auch aktuelle Titel wie "Die Känguru Chroniken" und "Millionär".

Besonders in den abschließenden Bewertungen zeigt sich die Intensität, mit der die Autoren sich mit ihrer Lektüre auseinandergesetzt haben. Sie machen sich durchweg große Mühe, ein gerechtes Urteil zu fällen. "Ich würde das Buch an Buchleser weiterempfehlen", schreibt beispielsweise Jan, der sich mit Andreas Schlüters Science-Fiction-Roman "2049" beschäftigt hat. "Aber Leuten," fährt er fort, "die keine Bücher lesen, würde ich es nicht empfehlen."

Katrin Scholler - ZUM-Buch (13.02.2011) 
 
 

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Berlin 3000

 
Kinder sehen die Zukunft Berlins mit düsteren Farben – Jugendliche Ängste als Buch veröffentlicht

 Ilkay Arun ist sicher: Im Jahr 3000 ist die Welt wegen Müll kaum noch bewohnbar. Die 17jährige Ilkay ist eine der fünf Jugendlichen, die zusammen mit Jugendsenator Thomas Krüger (SPD) und dem Herausgeber des neu erschienenen Buches „Berlin 3000“, Hans Weingartz, gestern im Museum für Naturkunde ihre Visionen vorstellten. Jugendsenator Krüger und Herausgeber Weingartz versuchten, das Buch mit Worten wie Seismograph, Schreckensvisionen oder positive Denkstrukturen zu beschreiben. Wirkungsvoll setzten sie seine Vorstellung in der Umgebung der menschlichen Vorfahren „homo sapiens sapiens“ und „homo sapiens neanderthalensis“ in Szene.

Die jugendlichen Verfasser der 33 Geschichten um „Berlin 3000“ benötigten keine symbolträchtigen Hilfsmittel für das, was sie bewegt. Eindringlich und deutlich beschreiben die Sechs- bis 18jährigen die Zukunft ihrer Heimatstadt. „Berlin hat sich in zwei riesige Ghettos entwickelt“, schreibt der 15jährigeKonstantin Raider. Wie die meisten der jungen Visionäre besucht er das Lessing-Gymnasium.

„Die Anliegen der Kinder sollen nicht wie andere Schulaufsätze in der Schublade der Lehrer versinken“, sagte Hans Weingartz. Deshalb seien die Geschichten der Kinder zu einem Buch zusammengefaßt worden, das jetzt in einer Auflage von 5000 Exemplaren zum Preis von 5,80 DM erschienen sei.

Obwohl Berlin in vielen der Geschichten sehr düster beschrieben wird, haben die Kinder Hoffnung. „Wir können doch noch eine Menge ändern, bevor es zu spät ist“, sagen sie. Vielleicht müssen sie dann nicht schreiben, daß es schade sei, „daß die Zerstörer nicht unter den von ihnen verursachten Qualen zu leiden haben.“
 

Julia Schör - Berliner Zeitung (20.4.1993) 
 

„Die Botschaften sind leider meist traurig"

Die Menschen tragen Schutzmasken und leben in Unterwasserstädtcn. „Kinder sind fast ausgestorben“ und können nur noch mit Erlaubnis der Behörde „gcmacht“ werden: Visionen Berliner Schüler zum Leben in der Hauptstadt im Jahre 3000.

Gestern stellte Jugendsenator Thomas Krüger (SPD) diese Zukunftsvisionen in Form des Buches „Berlin 3000“ vor. In 33 Geschichten beschreiben die jungen Autoren ihre Vorstellungen über Berlin in über 1000 Jahren. Mehr als 150 Schüler im Alter zwischen 6 und 18 Jahren beteiligten sich. „Die Botschaft ist leider meist traurig“, so der Jugendsenator. Kaum ein Schüler hat die Vision einer blühenden, lebenswerten Welt. In den Zukunftsängsten werden Kriegsfolgen. Reaktorkatastrophen und Mißbrauch von Technologien deprimierend deutlich geschi1dert. Das Buch ist im Kid Verlag Bonn erschienen.
 

C. Matthies - Berliner Morgenpost (21.4.1993) 
 

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Antipädagogische Aufklärung

 
„Du kannst nichts falsch machen!“ -
Heilsbotschaften einer „kinderfreundlichen Sekte“

 "Du kannst nichts falsch machen" - welch tröstliche Worte für ausgelaugte Pädagoginnen und Pädagogen, die sich tagtäglich den Kopf zerbrechen, wie sie es denn richtig machen könnten. Die Botschaft stammt von Dr. Hubertus von Schoenebeck, der seinen Versuch, ein „kinderfreundlicher Lehrer" zu sein, nach kurzer Lehrertätigkeit aufgab, den „Freundschaft-mit Kindern-Förderkreis“ (FmK) gründete und sich anschickte, Ekkehard von Braunmühls radikale Erziehungskritik („Antipädagogik", Erstauflage 1975) in eine erziehungsfreie Lebensführung umzusetzen und die Rechte der Kinder zu realisieren, „wozu es eines neuen Erwachsenen bedarf". Nicht wenige professionelle Pädagoginnen und Pädagogen suchten auf FmK-Seminaren seit 1978 Hilfe und Anregungen für ihre aufreibende Arbeit. Im Ietzten Jahr wurde die tiefe Kluft zwischen Antipädagogik als kritischer Theorie einerseits und der von Schoenebeck propagierten „Revolution der Herzen" andererseits unübersehbar.

Im Bonner „Kinderinformationsdienst" warf Ekkehard von Braunmühl ihm vor,  FmK zur „Privatsekte" funktionalisiert zu haben und kündigte an, diesen Vorwurf zu belegen mit seinem Buch: „Was ist antipädagogische Aufklärung? Mißverständnisse, Mißbräuche, Mißerfolge der radikalen Erziehungskritik". Mit diesem Buch mutet Braunmühl den Erziehungskritikern mit bestechender logischer Stringenz die gleichermaßen fundierte Kritik zu, mit der die Antipädagogik vor zwei Jahrzehnten angetreten war, und deckt behauptete und geglaubte Unwahrheiten schonungslos auf.

Dazu ein Beispiel: Schoenebeck erklärt alle Menschen von Geburt an für „selbstverantwortlich". Die Wortschöpfung „Selbstverantwortung" bzw. „Selbstverantwortlichkeit" hebt zunächst auf Assoziationen mit dem biologischen Selbstregulierungsprinzip, der existentiellen Selbstbestimmung, ab. Nun hat aber der Begriff „Verantwortung" zweifellos eine soziale Bedeutung, er bezieht sich auf die Folgen von Handlungen: „Verantwortungsvolle" Menschen bedenken vor einer Handlung, wie sie den von den Handlungsfolgen betroffenen Mitmenschen gegenüber „Rede und Antwort“ stehen können, sie lassen sich „zur Verantwortung ziehen“ entsprechend den sozialen Spielregeln unter Menschen, die nichts vom Faustrecht halten. Für Schoenebeck folgt aus der „Selbstverantwortung“: „Auf mein Verhalten kannst du mit Freude oder Schmerz reagieren - dies ist deine Zuständigkeit, für deine Reaktionen auf mein Tun bin nicht ich, sondern bist du selbst verantwortlich.“ Wenn ich - nach Schoenebeck - selbst jederzeit mein eigenes Bestes wahrnehme, stets „Chef meines Lebens“ bin und meine Wut in einem Wutausbruch „selbstverantwortlich“ äußere, liegt es ausschließlich in der Zuständigkeit der gerade mit mir interagierenden Mitmenschen (also z. B. auch Säuglingen, Kleinkindern oder hilflosen Erwachsenen) zu entscheiden, wie sie auf meinen Anfall reagieren; allen Ernstes behauptet Schoenebeck ohne jegliche Einschränkung, ausschließlich der/die Partner/in sei für seine/ihre Reaktion verantwortlich zu machen. „Wie ‚selbstverantwortlich' schreien Babies, wenn sie gequält werden? Wie ‚selbstverantwortlich' schwellen Beulen, wenn Kinder verprügelt werden (deren Erzieher nur „ihr Bestes" wahrnehmen)?“, fragt Braunmühl. und kommt zum Schluß: „Das ‚Du bist selbstverantwortlich' heißt im Klartext: ‚Ich bin frei von Verantwortung'. Und das ‚Ich bin selbstverantwortlich' heißt im Klartext: ‚Niemand kann mich zur Verantwortung' ziehen.“ Fazit: „selbstverantwortlich“ = unverantwortlich/verantwortungslos!

Braunmühl deckt weitere gezinkte Karten auf: „Subjektivität“ (,‚Es gibt nur subjektive Erkenntnisse“, somit kein Wissen und keine Wissenschaft), „Achtung vor der Inneren Welt“ (in der Schoenebeck den menschlichen Verstand unterschlägt und die äußere Welt mißachtet) und „Sozialität“ (radikale Ichbezogenheit, Nichtexistenz von Fehlern, Gewalt ist nicht Gewalt; niemand soll sich „zur Gewaltlosigkeit vergewaltigen“ Schoenebeck hält ichbezogenen Einsatz von Gewalt für unvermeidlich und „korrekt“). Braunmühl weist nach, daß für Schoenebeck „Gewalt" nicht objektiv definierbar ist, demnach auch nicht juristisch faßbar: „Es gibt keine Gewalt - außer man fühlt es“ (wobei „man" den Gewaltausübenden meint!), und: „Gewalt ... läßt sich nicht beseitigen“. (Das schreibt einer, der für sich in Anspruch nimmt, die Kinderrechtsbewegung in Deutschland initiiert und maßgeblich gefördert zu haben.)

Spätestens beim Lesen des Gewalt-Kapitels (S. 87 ff) wird für die Leser nachvollziehbar, warum Braunmühl sich bis dahin immer wieder merklich „an den Kopf faßt“ bei der Bewußtwerdung, daß die vom gemeinnützigen „Freundschaft mit Kindern-Förderkreis" verbreiteten Verwirrspiele des Dr. von Schoenebeck so lange so vielen ahnungslosen Zuhörern, Lesern, Seminarteilnehmern und (Volks-) Hochschulen als „erziehungskritisch" verkauft werden konnten, ohne daß ihren kritischen Verstand weiterhin nutzende Pädagogen Schoenebeck als „FmKGuru" (Braunmühl) erkannt und entlarvt hätten. Dieser spricht offenbar die wunden Punkte der pädagogischen Profession derart geschickt an, daß die „Suchenden" nicht erkennen, welche Mogelpackung sich hinter „dem schönen Schein“ des FmK-,,Kartenhauses" verbirgt - ein Wesensmerkmal aller Psychosekten.

Ich habe Braunmühls neues Buch gründlich auf mögliche „Denkfehler“ (die es für Schoenebeck zwar nicht gibt, aber den Verstandbenutzern ja durchaus unterlaufen können) hin untersucht - und bisher keinen gefunden; bei der Enthüllung dieses Skandals ist der Autor m. E. mit großer Sorgfalt.vorgegangen. Wessen Verstand nicht wegen „Subjektivitis" (Braunmühl) geschrumpft ist, findet zu einem sehr moderaten Preis eine spannende Entwirrung eines raffiniert geknüpften Knotens. 
 

Bernd Sensenschmidt Deutsche Lehrer-Zeitung 11/12/ (20.3.1997)
 

Einzigartiges Lesevergnügen

Für mich war das Buch nicht nur die "Enthüllung eines Skandals" (Sensenschmidt), sondern auch ein einzigartiges Lesevergnügen, aufklärerisch, sprachlich ein Genuß sowie angemessen sachlich, kämpferisch und witzig. Mir ging es zuvor bei der Lektüre von Schoenebecks Schriften ähnlich wie Braunmühl selbst - vieles von dem Schwachsinn hatte ich lange Zeit schlichtweg einfach überlesen, nicht gerade begeistert, aber vorsichtig zustimmend zur Kenntnis genommen oder für etwas wirr, aber dennoch akzeptabel gehalten. Ich habe dies seinerzeit in einer Rezension in "Psychologie heute" zum Ausdruck gebracht.

Braunmühl hat recht: einen Großteil des Unfugs erkennt man erst dann als solchen, wenn man differenziert auf Schoenebecks Worte schaut und sich in den "Sinn" hineindenkt. Dieser wird sich vermutlich (obwohl Braunmühl und auch Sensenschmidt diesen Begriff vermeiden) letztendlich als echter "Wahnsinn" herausstellen. Denn die Schoenebecksche Verweigerung jedweder Diskussion macht nur dann "Sinn", wenn man - wie er - das Wunschdenken bzw. die Realitätsflucht so weit treibt, sich als tatsächlich unfehlbar zu wähnen.

Aber vielleicht ist "Irrsinn' der humanere Begriff. Denn Irren ist menschlich, und wer das bestreitet (wie es Schoenebeck immer bedingungsloser tut), vollzieht in den Augen von Menschen, die ihren Verstand nicht an der "Gurudrobe" abgegeben haben (Ekkehard von Braunmühl, S. 42), selbst den Schritt vom Irrenden zum Irren.

Schoenebecks "Lebensphilosophie" jedenfalls propagiert nicht "Antipädagogik" (oder auch: "Postpädagogik"), sondern die Rebarbarisierung der intergenerationellen Beziehungen.

Dieser Befund ist so eindeutig und die skrupellose Selbstbezogenheit der Schoenebeckschen Erziehungsideologie ist (nach Kenntnisnahme der Braunmühlschen Analysen) so offenkundig, daß ich den Institutionen (z.B. den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband), die den Freundschaft mit Kindern Förderkreis e. V. als Mitglied akzeptieren und ihm dadurch eine gewisse Seriosität bescheinigen, nur dringend empfehlen kann, entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Natürlich genießen in einer freien Gesellschaft auch unzurechnungsfähige Wirrköpfe, Psychopathen und Sektenführer den Schutz der Meinungsfreiheit - und das ist auch gut so! Die Frage ist indes, ob öffentliche Institutionen einen narzistischen Psycho-Guru, der Verantwortungslosigkeit sogar zum Ideal erhebt, weiterhin unterstützen sollen, wo jetzt klar geworden ist, daß der Erfolg seiner Bauernfängerei maßgeblich auf diese Unterstützung zurückzuführen ist.

Es ist schwer einzuschätzen, welchen Schaden Schoenebeck und sein Förderkreis wissenschaftlich und politisch der Kinderrechtsbewegung zufügt. Ich halte jedenfalls die antipädagogische Aufklärung, wie Braunmühl sie besonders im letzten Teil seines Buches betreibt (den Sensenschmidt nicht erwähnt), für so allgemein wichtig und überzeugend, daß ich mir eine neue Grundsatzdiskussion wünsche - wie sie vor zwanzig Jahren nicht nur die Fachöffentlichkeit bereits begonnen hatte, bis sie durch das Auftreten von Schoenebeck mit seinen Verrücktheiten ("Es gibt keine Fehler", "Es gibt keine Gewalt" u. dgl.) buchstäblich erstickt wurde. Hier wäre ein Zeichen zu setzen.
 

Dr. Wolfgang Hinte (Professor für Erziehungswissenschaft) - Kid - KinderInformationsDienst, 1/97
 

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Wir haben was zu sagen

 
(fp) Dieses Buch beginnt mit einem Briefwechsel zwischen einem Kind und dem Bürgermeister der österreichischen Stadt Imst: „Wir möchten auch einen Spielplatz haben ...“. In den folgenden Monaten hat der Autor die Planung und Durchführung dieses Projektes begleitet, reflektiert und protokolliert, das durch diesen Brief ins Rollen gekommen ist. Ihm geht es darum zu dokumentieren, daß Kindermitbestimmung hier und heute durchaus möglich ist. „Es gibt nicht das Partizipationsrezept“, schreibt Peter Egg rückblickend, und es ist sicherlich auch kein Ziel für die Zukunft, eine Partizipations-Monokultur in diesem Bericht aufzubauen.“ Doch eines ist das hier vorliegende Buch auf jeden Fall: in vielfacher Hinsicht eine Quelle für Ideen, wie Beteiligung von Kindern bei der Gestaltung ihrer Lebenswelt aussehen kann.

Für diese Arbeit wurde Peter Egg mit dem 1. Preis des Salzburger Förderungspreises für Kinder- und Jugendforschung ausgezeichnet.

Kid&Teens, 2/98

 

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Horror-Barbie

 
Geliebt und auch verhaßt: Barbie

 Sie ist groß, schlank und häßlich. Sie schluckt Bomben, um die Welt zu retten und bringt den Wecker mit einer Panzerfaust zum Schweigen. Ihr Name ist Barbie„ ,Horror-Barbie". Aus dem langbeinigen blonden ursprünglichen Klein-Mädchen-Traum ist die „Action“-Heldin eines Buches geworden. Gestern wurde eine Ausstellung mit Texten und Titelentwürfen in der Bad Godesberger Bezirksbücherei eröffnet Die Autoren der 21 Kurzgeschichten sind Schüler und Schülerinnen der Klasse 5 b der Gesamtschule Bad Godesberg. Wie aus dem amerikanischen Plastikmodell ein vielseitiges „Superweib" wurde, erzählte Lehrer und Buchherausgeber, Hans Weingartz.

Erst „lagen die Schüler unterm Tisch“, als das Thema des Deutschaufsatzes bekannt wurde. „Barbie - Igitt. Dazu schreibe ich nichts“. Dann aber setzten sie sich wieder ans Pult und erzählten vom Kumpeltyp und von der tyrannischen „Spinatwachtel“.

Die männermordende „Zicke“ mit „rotglühenden Augen“ ist nur ein Aspekt in dem Buch mit dem blutrünstigen Titel „Horror-Barbie“. Die Blondine hat Charakter, sie ist auch beste „Freundin“, arbeitet als Flugkapitän oder Tierärztin und versorgt den faulen Ken, der derweil mit seinem (angeblich) flotten Flitzer Frauen aufreißt.

Die Geschichten spiegeln Alltags und Fernseherlebnisse, Familienleben und Wünsche wider - und eine erstaunliche Distanz zu der Puppe. Eine Autorin fragt am Weihnachtsfest angewidert, womit sie ein solches Geschenk verdient habe. Ein anderer läßt Barbie köpfen - von der Anti-Kitschpolizei. Die Anklage lautet auf „Verbreitung des ansteckenden Kitschvirus“.

Als Einlage zu den Texten führten Schülerinnen der 5b, der Parallelklasse 5d und aus dem Amos-Comenius-Gymasium bei der Ausstellungseröffnung Tänze auf. Zum „Barbie-Song“ trugen die Mädchen natürlich pinkfarbenen Lippenstift und blauen Lidschatten. „Die Horror Barbie - Geschichten der 5b“ ist im Kid Verlag erschienen und kostet 10 Mark. Die Ausstellung in der Stadtbücherei Bad Godesberg dauert bis zum 7. August.
 

-bof - General-Anzeiger
 

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Ökologische Kinderrechte
 
Ökologische Kinderrechte – Dokumentation des Kongresses

 Ein wichtiges Buch, das sehr engagiert, mutig und kein bisschen langweilig einen Querschnitt der politisch längst überfälligen Diskussion um die ökologischen Rechte unserer Kinder darstellt.

Auf dem Kongress kamen genau die Probleme zur Sprache, die unsere Kinder in ihrer Lebensfreude und freien Entfaltung heute so sehr beschränken. Ob Belastung durch Chemie und Radioaktivität, Neurodermitis oder Allergien - hier berichten Fachleute über Ursachen, rechtliche Situation und politische Notwendigkeiten. Spannend sind die Ansätze für den Einbezug von Kindern ins politische Geschehen zu lesen - Kinderverträglichkeitsprüfungen sollten eigentlich in allen Städten zum gängigen Repertoire gehören und nicht nur als politisches Schlagwort ge- oder mißbraucht werden. Doch in der Praxis ist die Umsetzung manch guter Ideen zur Verbesserung der Zukunftsperspektiven der nächsten Generation oft über die berühmten Kinderschuhe noch nicht hinausgekommen.

Rechtlich- politische Schritte wie z.B. das im Buch enthaltene Greenpeace - Gutachten zur Messung von Luftschadstoffen in Kindernasenhöhe sind zwingend nötig. Unterbleiben sie, wird alles Gerede um die Zukunft unserer Kinder zum bloßen „Machtzynismus politischer Eliten“, wie Horst Petri als Mitautor am Ende des Buches richtig bemerkt.

Dieses Buch ist das notwendige Salz in der derzeitigen urnweltpädagogischen Suppe.

ökopäd News Nr. 37/38 (Juni/Juli 1994)

 

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Nicht nachweisbar

 
Ökologische Kinderrechte

Das Thema ist "heiß". Bündnis 90/ Die Grünen und SPD reichten diesen Monat einen Antrag im Bundestag ein, in dem sie ökologische Rechte für Kinder einfordern. In der Begründung heißt es, daß die Zahl der kranken Kinder durch Umweltbelastungen dramatisch zugenommen habe. In Deutschland litten inzwischen 10 bis 15 % aller Kinder an der Atemwegserkrankung Asthma, 1,2 Millionen an Neurodermitis, fast die Hälfte seien latente Allergiker, immer mehr Kinder hätten Krebs. Schuld daran seien vor allem die Grenzwerte, die für einen fiktiven Durchschnittsmann von 70 kg Gewicht berechnet werden und aus dem Arbeitsschutz stammen.

Schadstoffbelastungen würden darüber hinaus oftmals nicht in "Kindernasenhöhe" gemessen. Die körpereigenen Abwehrfunktionen sind bei Kindern noch nicht so stark ausgebildet, so daß sich entwickelnde Organe dauerhaft geschädigt werden können. Neben der Senkung der Grenzwerte für Schadstoffe sollte auch für Baustoffe, Textilien, Farben, Reinigungsmittel und Kosmetika eine umfassende Deklaration eingeführt werden. Die SPD fordert neben einem Anwendungsverbot der umstrittenen Pyrethroide (Insektengifte) insbesonders eine "Technische Anleitung (TA) Innenraum", da für Innenräume derzeit keine rechtlich bindenden Grenzwerte existieren. Die Bundesregierung sieht das anders: Sabine Bergmann-Pohl, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, will zunächst durch langfristige Untersuchungen die Zahl der erkrankten Kinder und die umweltbedingten Zusammenhänge erforschen lassen. Immer mehr Organisationen unterstützen inzwischen die Forderung nach ökologischen Kinderrechten, z.B. die "Kinderkommission" im Bundestag, in der alle Fraktionen vertreten sind und die sich als Partner und Förderer von Verbänden und Initiativen sieht, die aber faktisch kaum Macht hat (...).

ökopäd News (Nr. 53/ Oktober 1995)

 

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