Besprechungen und Presseberichte



+++ Das Beuel-Wimmelbuch +++

Mit dem Bröckemännchen auf Entdeckungstour

Einen besseren Reisebegleiter für eine Tour durch Beuel hätten sich Johannes Lesch und Martin Welzel gar nicht wünschen können. „Und vor allem keinen liebenswerteren“, schmunzelt Lesch und betrachtet den frechen Kerl mit dem spitzbübischen Grinsen. Gemeinsamen haben der Landschaftsplaner Lesch und der Zeichner und Grafiker Welzel gerade das Beuel-Wimmelbuch herausgebracht. „Es hat mich einfach geärgert, dass es im Bonn-Wimmelbuch keinen einzigen Hinweis auf Beuel gibt“, erklärt Lesch. Mit Hilfe des Bröckemännchens können jetzt schon Dreijährige auf Entdeckungstour durch den Stadtteil gehen. (...)

So werden die kleinen Leserinnen und Leser über die Friedrich-Breuer-Straße schlendern, den Rathaussturm miterleben, Pützchens Markt besuchen, das Heimatmuseum und das Rheinufer entdecken sowie das Kletterschiff in der Rheinaue. Nicht fehlen durfte natürlich der große Martinszug. Doch eigentlich wollte Lesch noch ein weiteres Thema im Beuel-Wimmelbuch aufnehmen. „Für mich gehört das alljährliche Hochwasser selbstverständlich zu Beuel. Aber nach den Ereignissen im Sommer und der schrecklichen Flutkatastrophe haben wir dieses Thema natürlich herausgenommen“, erzählt er. (...)

Gabriele Immenkeppel, General-Anzeiger (30.11.2021)
 

Wimmelbuch über Bonn-Beuel

Bis zum 7.12.2021 gibt es den Bericht der wdr Lokalzeit vom 30.11.2021 hier. 

zurück



+++ Das teutsche Wörterbüchlein +++

Süffisant bis boshaft

(...) Von A wie Abschiebung bis Z wie Zukunft erklärt sie (d. Autorin) uns mit 160 Begriffen lexikonhaft ihre Sicht auf die Welt, beschreibt etwa Querdenker als »eine Bewegung selbsternannter Verteidiger des Rechts auf  (Schwarm-)Dummheit und Wissenschafts- bzw. Vernunftferne«, deren Vertreter sich gern zu Demos zusammenrotten, »während derer sie beklagen, nicht demonstrieren zu dürfen«. Eine Obergrenze hingegen genießt laut Gitta List »Kultstatus bei z.B. Alarmisten, Steuerungsfetischisten, Finanzexperten und Virologen, Leuten also, die nichts zu tun haben außer andere Menschen zu warnen, zu beunruhigen und sich wichtig zu machen«.

Die Beispiele zeigen, dass List sich in ihren Erklärstücken nicht in eine Schublade stecken lassen oder ideologisch festlegen will. Somit sind ihre Einträge immer wieder überraschend, bekommen gern nach wenigen Zeilen einen neuen Dreh – der mal sachlicher, mal ausgesprochen zynisch daherkommt. Letzteres etwa, wenn sie schreibt, dass die Chemie eine »sehr, sehr böse Naturwissenschaft« sei, die sich »z.B. mit der Umwandlung von Chlor in Hähnchen« befasse. Gras wiederum ist eine »Vegetation, deren Wachsen über eine Angelegenheit immer dann erwünscht ist, wenn diese Sache aus irgendeinem Grunde irgendwie stinkt, unkoscher oder unliebsam ist.« Und der Hass hat im »Internet Kultstatus« (offenbar eines der Lieblingswörter von List). (...)

Harald Gesterkamp, Schnüss 09|2021

zurück



 
 

 +++ Unterwegs auf der Autobahn +++

En route ... sur l'autoroute

Diese Gedichte handeln von Fahrgefühl, Fahrterlebnis, Verarbeitung von Eindrücken während der Fahrt, während zahlreicher Autofahrten, sind Ausdruck von Innenwelt, auch einem (damals noch möglichen, heute vielleicht etwas naiv wirkenden) Vergnügen am Autofahren. Zugleich beschreiben sie den Zustand des Unterwegsseins, ein Stück Lebensweg, eine innere Entwicklung, ein Weggehen von Bekanntem, ein Zugehen auf ein ungewisses Ziel. Ein Wandern zwischen zwei Ländern, zwei Sprachen; zwei Lebenswelten kommen zur Sprache. So wird Autofahren zum Sinnbild des Lebens, des Wandelns auf einer Fahrbahn, die uns einem unbekannten Ziel rasend schnell ständig näher bringt: nahe Ferne, ferne Nähe. 

Presse Termin München - Buch aktuell (Oktober 2021)

zurück



 

+++Ungestochen schön +++

Gestochen scharf und zugleich ungestochen schön

Ist eine Tätowierung Ausdruck von individueller Freiheit oder, im Gegenteil, ein Zeichen, dass sich jemand dem aktuellen Modetrend unterwirft? Beweist ein Mensch, der seinen Körper an keiner Stelle durchstechen oder dauerhaft bemalen lässt, eher Mut? Diesen und anderen Fragen ist Dominik Böckling aus Ebernhahn unter anderem mit der Schauspielerin Eleonore Weisgerber in seinem Text-Bildband „Ungestochen schön“ nachgegangen.

Großformatige Hochglanzfotografien zeigen Schauspielerinnen wie Morgane Ferru, Künstlerinnen wie Marlen Seubert aus Bad Marienberg, Influencer wie Jin, aber auch die Naturfriseurin Birgit Kaczrnarek aus Winningen und ganz normale Menschen aus verschiedenen Ländern finden Raum. „Ich wollte neben der kulturellen Vielfalt auch alle Altersklassen zeigen ", berichtet der Autor. Was sie verbindet: Keiner von ihnen hat ein Tattoo oder ein Piercing, noch nicht einmal ein Ohrloch, keiner ist schönheitsoperiert oder gebotoxt.

(…) Bei seinen Recherchen stieß Böcklíng. auf einige Ambivalenzen. So gebe es Religionsgemeinschaften, die auf alles, was unter die Haut geht, verzichten. „Andererseits lassen sich koptische Christen aus Gottgläubigkeit ein Kreuz auf die Hand tätowieren“, schildert er. Eine Kontroverse sieht er auch bei Menschen, die einerseits vegan leben und sich andererseits tätowieren lassen, also auf diesem Weg unkalkulierbare Giftstoffe in den Körper einführen. (...)

Maja Wagner, Westerwälder Zeitung (11. Oktober 2021)
 

Ungestochen schön

Richtig stolz blickt Regina Ring, als sie am Mehlemer Rheinufer erstmals den frisch gedruckten Bildband „Ungestochen schön“ in Händen hält. In dem A4-Band des Beueler Kid Verlags kommt sie selbst sieben Seiten lang in Text und Bild vor. Der promovierte Geograph Dominik Böckling hat sich im Buch auf die Suche nach einer Spezies Mensch gemacht, die seit einiger Zeit nicht unbedingt im Trend liegt: Die 25 in Bild und Text Portraitierten haben sich ihre Haut bewusst noch nie mit Piercings, Tätowierungen, Ohrlöchern oder Schönheitsoperationen verändern lassen. Ring ist eine dieser ungestochen Schönen, ohne Verzierungen und Eingriffe in die Haut.(...)

„Mich tätowieren zu lassen, das wäre mir nie eingefallen“, betont Ring und blättert durch den Band, in dem sie mutig auch ihre Lachfalten zeigt. Ein zartes Tages-Make-Up, das nur Augen und Lippen betone, habe ihr immer gereicht, berichtet Ring. Auch künstliche Nägel würde sie sich nie aufkleben lassen, hat sie dem Autor im Buch geantwortet. Sie könne nicht verstehen, dass viele Mitmenschen einerseits froh seien, wenn sie sich nicht krankheitsbedingten Operationen unterziehen müssten, aber sich andererseits der Schönheit oder Alterslosigkeit wegen unters Messer legten. (...)

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (16./17. Oktober 2021)
 

Haut-nah

(…) Menschen helfen dem, was sie für sich selbst unter Schönheit verstehen, mit Styling nach: Frisur, Schminke, Kleidungsstil, Schmuck, all das sind ›ganz normale‹ Mittel, sein eigenes Erscheinungsbild so zu gestalten, dass man damit zufrieden ist, sich vorzeigbar fühlt. Ebenfalls nicht wenige Menschen gehen für ihr Schönheitsideal noch weiter: mit Eingriffen in den Körper. Schönheits-OPs mögen bei uns (noch) eher eine Ausnahme denn die Regel sein, aber sich Piercing(s) und Ta-too(s) stechen zu lassen, ist mittlerweile nichts Spektakuläres mehr, sondern populär. Es gibt indes auch nicht wenige Menschen, denen die Vorstellung, sich auch nur ein Ohrloch (geschweige denn Tattoo) stechen zu lassen, alles andere als geheuer ist. Zu ihnen gehören die 25 im Band Ungestochen schön von Dominik Böckling porträtierten Männer und Frauen – wobei (wie der Autor schon in seiner Einleitung anmerkt) diese »klar in der Mehrzahl sind«. (...) 

Der Band ist so interessant, weil darin – auch wenn Titel und Interviews ein Konzept markieren – kein moralisierender Subtext transportiert ist. Ungestochen schön ist weniger ein Statement gegen, sondern vielmehr für eine bewusste Einstellung zur Haut, in der man ein Leben lang steckt.

Gitta List, Schnüss 12/2021

zurück



 


+++ Das war's +++

Eine wunderbare Zeit

Was tut ein nimmermüder Theatermann wie Walter Ullrich, wenn ihn eine Krise zum Pausieren zwingt? Er tippt ein Buch über sein Leben und seine Karriere in die Tasten seiner mechanischen Schreibmaschine. So geschehen im zurückliegenden Corona-Lockdown. Das Produkt dieser Zeit hat die Mühe gelohnt: Aus den Tasten des 90-jährigen Prinzipals ist ein auch schön gestalteter Text- und Bildband im DIN-A4-Format hervorgegangen. Wer sich an die über 550 immer wieder spannenden Produktionen erinnern möchte, die Ullrich den Theaterfans der Region über viele Jahrzehnte anzubieten pflegte, der findet hier auch an Anekdoten überaus reiches Material. Und zwar gleichermaßen aus dem von Ullrich 1958 gegründeten Kleinen Theater in Bad Godesberg wie von der von ihm parallel seit 1979 geleiteten Landesbühne Rheinland-Pfalz. (...)

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (14./15. August 2021)

zurück



 

 +++ heute und nicht gestern +++

Szenen einer sprachlosen Ehe

Eine Fontane-Gesamtausgabe hat Vera beim Stöbern in einem Bonner Antiquariat entdeckt. Neun Bände, „ein halbes Regalfach“, das will sie ihrem Mann zum 60. Geburtstag gönnen, auch wenn dank Gregors Bibliophilie kaum noch Platz in der Wohnung ist. Nicht nur davon fühlt sich Vera erdrückt. In ihrer Ehe herrscht emotionale Sprachlosigkeit. Welches Geheimnis dahinter steckt, enthüllt Maria Uleer in ihrem neuen Roman „Heute und nicht gestern“ in einem großen Spannungsbogen. Nach und nach wird man in das Leben eines Ehepaars hineingezogen, das sich seit dem Tod des Sohnes entfremdet hat. (...) 

Es sind solche Erlebnisse und unerwarteten Begegnungen, die der Heldin Mut machen zur Veränderung. Als sie in der Straßenbahn nach Siegburg auf einen jungen Deutschitaliener trifft, kommt der Stein ins Rollen. Mit Dante reist sie nach Südengland, lernt Lissy und Alice kennen, beide jenseits der 70. Die tafeln zwar von Wedgwood-Porzellan, wollen aber keineswegs in nobler Zurückhaltung altern. Ihre unkonventionelle Art mischt die etwas steife Vera auf. Sogar einen Seitensprung riskiert sie, aber hier blendet Maria Uleer ähnlich wie Fontane diskret aus. (...)

Annette Schroeder, Kölner Stadt-Anzeiger (3.8.2021)
 

Literarische Reifeprüfung

Nach den Turbulenzen des Herrn Rogalla, (...), legt die Autorin nun mit Nr. 3, (...), ihre literarische Reifeprüfung ab. (...)

Die anfänglich alltags-banale, zu Ritualen erstarrte Lebensweise der Protagonistin und ihre Versuche, geheimnisvollen Signalen auf die Spur zu kommen, dazu die Kühnheit, einen skandalösen Ausbruch zu wagen, muss nicht in Gänze erfunden sein. Dieser „Verdacht“, der wie ein Elefant im Raume steht, gibt der Lektüre das gewisse Etwas.

Eckpunkte: Bundesstadt Bonn, Akademikermilieu, Hauptperson Vera, Ehefrau eines Uni-Dozenten, selbst mit Studium; seit über 30 Jahren verheiratet, Zusammenleben zur Routine erstarrt, kein Glück mit den Kindern: Sensibler Sohn, in Kleinkriminalität abgerutscht und vor 4 Jahren tödlich verunglückt (als Faktum unbewältigt), Tochter allein erziehend, Mitte 30, ohne festen Partner.

Handlungsschlüssel und Impulsgeber des Geschehens ist ein Antiquariatsgeschäft im Stadtzentrum. Hier kommt Vera die Idee, für ihren Mann Gregor zum 60. Geburtstag, seinem Hobby entsprechend, eine neunbändige Theodor-Fontane-Werkausgabe zu kaufen. Das Vorhaben scheitert daran, dass sich im ersten Band eine Filzstift-Eintragung mit dem Zitat eines düsteren Abschiedsgedichts Fontanes befindet, was dem als pedantisch und rigide beschriebenen Ehemann missfallen würde.

Das Fontanegedicht ist Auslöser und Kompass für eine völlig irrationale Besessenheit Veras, den Adressaten des „Fontane-Abschieds“ zu finden. Der weitere Verlauf versetzt Vera in völlig neue Welten, bringt Kontakte zu bunt schillernden Personen, und als Höhepunkt eine Art Pilgerreise nach Glyndebourne / England, wo eine weltweit bekannte Barockopernaufführung mit Freiluftpicknick stattfindet. (..)

Alexander Mühlen,  www.webcritics.de

zurück



 
 

+++ Bonn in bitteren Zeiten +++

Im Schatten des Nazi-Vaters

(...)  Das Vorwort zum neuen Buch, ... , verstört. Da entpuppt sich Bonns ehemals leitender Archivar, der immer an die Mitverantwortung des Stadtgesesellschaft für den Holocaust appellierte, als familiär indirekt darin verstrickt. Derzeit toben identitätspolitische Diskussionen etwa darüber, ob auch eine nicht schwarze Person den Gedichtband The Hill We Climb" von Amanda Gorman , ... , übersetzen könne. Und die Frage Gehört Anne Frank uns allen? erschüttert die im Gedenken an den Holocaust Engagierten. Die gerade im Zusammenhang mit einer Identitätspolitik zunehmende 'cancel culture' halte ich unter anderem für die Geschichtsschreibung - denn um die geht es in meinem Buch - für fatal, sagt van Rey. (...)

 Sein neuestes Buch zeigt also die Monstrosität des Holocausts wie immer ungeschminkt. Aber van Rey, der Historiker, überschreitet dabei nicht die gebotene Schwelle: sich mit den Opfern zu identifizieren.

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (19.5.2021)
 

Keine Insel des Anstands

(…) Die Verbrechen – und ihre Spuren. Gerade im Kapitel zur »Arisierung von Geschäften und Häusern in Bonn« lässt sich nachlesen, wo überall und von wem die Nazis unter dem Vorwand ihres Rassenwahns geraubt und geplündert haben – ohne dass aus der „gutbürgerlichen Stadtgesellschaft“ Protest oder gar Widerstand gekommen wäre. Im Gegenteil machten nicht wenige bereitwillig mit, rissen sich günstige Gelegenheiten unter den Nagel. Und dann die Entsetzlichkeiten im Kloster zur Ewigen Anbetung in Endenich, wo Hunderte Menschen, entrechtet, geschunden, zwecks späterer Deportation in Vernichtungslager eingepfercht wurden.

Nein, Bonn war keine Insel des Anstands in dieser Zeit, „damals“. Der Anstand gebietet es aber, dass man davon heute nicht schweigt, sondern das Denken daran und das Nachdenken darüber, so unbequem es sein mag, wachhält. Dem Autor also einen Dank für diesen wichtigen Beitrag dazu.

G. L., Schnüss 6/2021

zurück



 

 +++ Radreisemosaik Europa +++

Angefixt vom Radreisen

Tim Weingartz ist angefixt vom Radreisen, das merkt man jedem seiner Reiseberichte an. Mit 42 Jahren hat der Lehrer der Bornheímer Europaschule bereits eine beachtliche Anzahl an Radurlauben zurückgelegt. In seinem „Radreisemosaik Europa“ erzählt Weingartz von seinen Touren, die ihn von Albanien bis Norwegen, von Kreta bis Siebenbürgen geführt haben. Zahlreiche Fotos, selbst gemalte Illustrationen, Auszüge aus seinen Reisetagebüchern versetzen Leserinnen und Leser schnell ins Reisefieber. (...)

Besonders beeindruckend: Das Kapitel über Kreativität unterwegs.Der Autor hat nicht nur die Kamera dabei, sondern auch Malblock, Stift und Farbkasten. Man spürt förmlich das Ausmaß der Entschleunigung, das man erreichen muss, um sich nach oder während der Tagesstrecke hinzusetzen und seine Eindrücke in Illustrationen, Skizzen oder Aquarellen wiederzugeben. (...)

Bernhard Meier, Rückenwind - ADFC Bonn (3 / 2021)
 

20.000 Kilometer auf dem Fahrrad
(...) Vor mehr hat 20 Jahren hat der heute 42-Jährige in Brenig wohnende Weingartz seine erste Fahrradreise unternommen. Gut 20.000 Kilometer ist er seitdem auf zwei Rädern gefahren. „Es ist die Vielfalt der Sinneseindrücke“, sagt Weingartz. Geräusche, Gerüche, die sich ändernde Natur: All das nehme man viel bewusster wahr. „Im Auto bekommt man viel weniger von seiner Umwelt mit“, so Weingartz. (...)

Sein Buch richte sich zum einen an Menschen, die selbst gerne zu Radreisen aufbrechen, so Weingartz. Sie dürften sich in seinen Erlebnisberichten wiedererkennen. „Es ist aber auch für Leute, die das noch nicht gemacht haben“, fügt er hinzu. Und es müsse ja nicht direkt eine Tour durch die französischen Alpen oder Siebenbürgen sein. Weingartz: „Die Eifel ist auch toll.“

Christoph Meurer, General-Anzeiger (13. Juli 2021)
 

Lustwecker
(...) Weingartz charakterisiert bereiste Länder unter Radreise-Aspekten und schildert dort gefahrene Touren, um die Reiselust im Leser zu wecken.

MyBike (5 / 2021)
 

20 000 Kilometer durch Europa
(...) Weingartz nimmt die Leser mit auf Tour. Er berichtet vom Facettenreichtum Deutschlands und der Länder und ihren abwechslungsreichen Landschaften. Er radelt mit seinen Lesern auf gutausgebauten Fahrradwegen vorbei an Flüssen und durch wunderbare Städte. (...)

Margret Klose, Bonner Rundschau (9.9.2021)

zurück



 

 +++ Der tote Kaiser +++

Ein neues Ermittlerteam

(...) In den vergangenen Monaten hatte Karin Büchel viel Zeit, sich Gedanken über einen neuen Kriminalroman zu machen. Herausgekommen ist dabei Der tote Kaiser“. Ein neues Ermittlerteam, die erfahrenen Kommissare Martin Jäger und Claas Werner, die schon länger beruflich erfolgreich sind, hat es wieder einmal mit einem schrecklichen Verbrechen zu tun. Eine männliche Leiche wird unter der Konrad-Adenauer-Brücke gefunden. (...) Karin Büchel hat in ihrem neuen Buch Regionales und Aktuelles verbunden. Auf ein bisschen Lokalkolorit konnte sie nicht verzichten. (...) 

rein. wm, unserort.de (11. Juni 2021)

zurück



 

 +++ Blick ins Weinglas +++

Poesie und Prosa über den Wein

Es gibt viele dickleibige Abhandlungen über den Wein, seine Geschichte, seinen Anbau weltweit, wie und zu welcher Gelegenheit er am besten mundet. Das alles gibt es in Hülle und Fülle.

Mit dem vorliegenden reich bebilderten Büchlein Blick ins Weinglas, herausgegeben von Ernst Dautel, Helmut Kratochvil, Anneliese Penn und Dieter Rasch, wollen „Zwölf Weinapostel“ inmitten der Corona-Pandemie mit feucht-fröhlicher Satire etwas Längst-Überfällig-Positives allen Freunden des Weines kredenzen. Ach, was schreib ich von einem Büchlein, nein, es ist eher ein Katechismus, Gebetbuch, ein breitgefächertes Glaubensbekenntnis zum Kult des Weines. (...)

Richard Pestemer, Vinaet (Juni 2021)

zurück



 

+++ Himmelreichforschung +++

Der Stallgeruch des Himmels

 (...) Nun hat Hanne Bocké über 200 dieser literarischen Miniaturen, deren Stil zwischen tagebuchartigem Eintrag à la Max Frisch, erweitertem Aphorismus, Kurzdrama  und -geschichte changiert, zu einem Erzählband zusammengestellt. „Himmelreichforschung“ bietet Gelegenheit, eine scharfsinnige Beobachterin der comédie humaine kennenzulernen, die den Mut hat, ohne Schere im Kopf über die Zumutungen des Lebens zu schreiben und darüber, in welche traurig-komischen Situationen es uns immer wieder bringt. (...)

Es liegt eine urwüchsige, raue, zärtliche Kraft in der Art, wie Hanne Bocké sich weigert, sich und die anderen, die sie grimmig liebt, mit unangenehmen Wahrheiten zu verschonen. Nein, das Leben ist für sie nicht ganz so wie in der Rama-Werbung verlaufen. Nix da mit Traummann und Kleidergröße 36. Von Kindern ganz zu schweigen. Natürlich weiß eine Hochreflektierte wie sie, dass der schöne Reklame-Schein nicht das Eigentliche ist, wonach sie sucht. Aber sie erlaubt sich, einer Sehnsucht danach Ausdruck zu verleihen, die auf sehr eigenwillige Weise das Irdische mit dem Himmlischen verknüpft. (...)

Antje Doßmann, RESONANZEN (1. Mai 2021)

zurück



 

+++ Die doppelt gekrönte Prinzessin +++

Ein Mädchen, zwei Kronen und streitende Eltern ...

Schon das Titelbild ist eine Einladung zum Suchen. Aus vielen kleinen schwarzen unregelmäßigen Vierecken auf einer dazwischen weiß vorscheinenden Fläche ergibt sich ein fast schwindelig machendes Muster. Und davor reitet ein Kind auf einem sanftmütigen rosa Drachen – eine Krone auf dem Kopf und eine zweite in der ausgestreckten Hand in die Höhe reckend. Und irgendwo versteckt sich fast der Titel „Die doppelt gekrönte Prinzessin“ (...)

Anfangs gibt es zwei Länder, eines von einer Königin, das andere von einem König regiert. Strikt getrennt mit scharfer Grenzbewachung – unter anderem Krokodilen im Wassergraben. Die beiden Monarch:innen verlieben sich ineinander, werden Eltern einer Tochter. Grenzbefestigungen werden abgebaut. Friede, Freude alles eitel Wonne. Natürlich nicht, die Dramaturgie verlangt eine Wende. Die Eltern streiten – wie das nicht nur in Königshäusern vorkommt. (...) 

Das hielt die Tochter nicht aus. Beide Eltern gaben ihr ihre Kronen. Doppelt gekrönt, haute sie mit dem rosa Drachen ab und … Wie’s doch zu einem Happy End kommt, sei nun hier doch nicht verraten.

Heinz Wagner, Kinder Jugend Kultur Und mehr… (April 2021)
 

Prinzessin im Stress

Es ist ein außergewöhnliches, modernes Märchen, das zwar zunächst ganz klassisch von einem Königspaar und einer Prinzessin handelt, sich dann aber der Lebenswirklichkeit vieler Familien unserer Gegenwart annähert und schließlich in ein Ende mündet, das zwar happy ist, aber doch ganz anders als im gängigen Märchen: (...) 

„Ich habe beobachtet, dass viele Kinder gerade wenn ihre Eltern sich trennen, zu viel Verantwortung tragen müssen“, sagt die Autorin, „da kam mir die Idee mit der doppelt gekrönten Prinzessin“. Kinder würden vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung der Eltern in eine Art Erwachsenenrolle gedrängt, erzählt Sommerfeldt, die durchaus eigene Erfahrungen mit Trennung und Kindern in ihre Geschichte einarbeitet. Und sie zieht die Kreise weiter: Auch bei „Fridays for Future“ müssen sich „die Kinder um die Rettung ihres Planeten selber kümmern und die Erwachsenen lachen sie im schlimmsten Fall dafür aus“.

Letztlich sei ihre Prinzessin eine „Anti-Pippi-Langstrumpf“, ein Kind, das Eltern braucht, seine Kinderrolle spielen darf. Burger interpretiert die Geschichte mit ihren Illustrationen sehr eigenständig: Die farbenfrohen, fantasievollen Zeichnungen und Collagen setzen den Text nicht bloß um, sie steuern eine zweite Ebene bei, die durchaus bedrohliche Momente hat, dank der vielen Details aber sehr ausführlich das Leben der kleinen Prinzessin, die Konflikte und lustigen Episoden ihres Alltags schildert. (...)

Thomas Kliemann, General-Anzeiger (13. April 2021)
 

Vielschichtige Collagen

(...) Beide Autorinnen haben einen Bezug zum Theater und "inszenieren" das Bilderbuch kunstvoll, teils beklemmend und im eigenwilligen Querformat mit hochformatiger Bindung. Das erfordert etwas Geschick beim Umblättern. Vielschichtige Collagen, grafische Muster und stilistische Zeitbrüche zwischen Märchen und Moderne unterstreichen die Zerrissenheit der Königsfamilie und ihrer Länder. (...) 

Susanne Hillebrand, ekz-bibliotheksservice (Juni 2021)

zurück



 

+++ Kontakttagebuch+++

Intensiver und tiefer von Tag zu Tag

VirologInnen empfehlen, ein Kontakt-Tagebuch zu führen. Katharina Körting hat diese Empfehlung ernst genommen. Und sie kreativ erweitert. Vom 1. Oktober bis zum 30. November 2020 führte sie ein Tagebuch, das – nicht weiter verwunderlich, galt doch ab Anfang November wieder ein Lockdown – vor allem 78 Mitteilungen und Fundstücke von Nicht-Kontakten handelt. Und von solchen, die unter der Corona-Glocke auf neue, nicht selbstverständliche Weise stattfinden. Die Entfaltung einer Art „Gegenwartsbewältigung“ (S. 10) könne von LeserInnen erwartet werden – nicht mehr, aber auch nicht weniger, so die Berliner Schriftstellerin. 

„Eine Lesung. In einem Kinosaal sitzen statt Menschen Puppen und Stofftiere auf den Klappstühlen.“ Mit diesem Eintrag vom 1. Oktober beginnt das Tagebuch. „Kontakte: Kantine, Adventssingen mit Maske im Hof an der Arbeitsstelle, Kollegin für Fünf-Minuten-Besprechung, Töchter, Söhne.“ So endet das Tagebuch am 30. November. Dazwischen alles – alle Facetten des Lebens mit der Pandemie, die eine berufstätige Frau mittleren Alters mit (fast) erwachsenen Kindern in einer europäischen Metropole bewegen. Beschreibungen, Erzählungen, Reflektionen, Gefühlsausbrüche, Gelesenes, Gesprächs- und Mailprotokolle, Gedankensplitter … vor allem aber Selbstbefragungen. Und diese werden detaillierter, intensiver und tiefer von Tag zu Tag. (...) 

Kirsten Alers, Segeberger Briefe 1/2021 (Februar)
 

»Kontakte: Töchter, Söhne, Paketbote«

(...) Wer weiß, wie viele ›Coronakriegstagebücher man irgendwann in Nachlässen finden wird. Katharina Körting (Berlin) allerdings ist Schriftstellerin, ihr Kontakttagebuch ist literarisch durchformt, ist geschrieben, um gelesen, rezipiert zu werden, ein Echo zu finden – mit den vielen Fragen, die darin notiert sind zu dieser Zeit hektischer Außenschau (neueste Inzidenzen! neueste Nachrichten) und erzwungener Innenschau zugleich.

Es wird sich manche/r wiederfinden in diesen Aufzeichnungen, die mit grimmigem Humor auch die Phrasen benennen, die ››diese besondere Zeit« so hervorbringt, die die emotionale und soziale Erosion, die an den Individuen so zehrt wie an der Gemeinschaft, mit feiner Präzision unter die Lupe nehmen. (...)

G. L., Schnüss 4/2021

zurück



 
 

+++ Sie waren in Beuel zu Hause +++

»Wie uns zu Mute ist, kann sich keiner vorstellen«

(...) Rohdes sorgfältig recherchiertes Buch leistet in diesem Sinne einen wichtigen Beitrag, die Autorin hat in Archiven (u.a. des NS-Dokumentationszentrums Bonn und des Stadtarchivs Bonn) zahlreiche Dokumente, Fotografien sowie Korrespondenzen der Familien zusammengetragen. So berührend wie beeindruckend etwa die Zitate aus Briefen der jungen Ruth, die, zu Zwangsarbeit in einer Wandplattenfabrik ›abkommandiert‹, die Hoffnungen auf eine gute Zukunft und »ein neues Leben in Palästina« bis zuletzt nicht aufgeben wollte: »... meine schönsten Jugendjahre gehen hin, aber ich hoffe, es wird mir einmal doch noch zu Gute kommen. Die Juden sind seit Jahrtausenden gewohnt ein schweres Schicksal zu tragen und zu meistern, und man wird unser Geschlecht auch nicht feige sehen.«

Es können einem die Tränen kommen, wenn man das alles liest, man möchte in den Boden sinken vor Trauer, Entsetzen, Zorn - und Scham, dass dies alles geschehen konnte und geschehen ist. Doch in den Boden sinken nützt nichts - die Erinnerung wach halten nützt. Und wachsam und widerständig sein gegenüber den Neurechten, ob sie nun in Springerstiefeln oder in Nadelstreifen daherkommen.

Das Buch sollte Pflichtlektüre in allen Schulen sein.

Gitta List, Schnüss 1/2021
 

So war das Leben der Beueler Juden im Nationalsozialismus

Susanne Rohde hat ein „Lesebuch zur dunklen Geschichte“ Beuels geschrieben. Eines der erzählten Holocaust-Schicksale ist das des kleinen Micha Sternschein. 

(...)  Rohde widmet sich darin dem Schicksal aller Beueler Familien jüdischer Herkunft, die mit der Machtergreifung der Nazis der Verfolgung und Vernichtung ausgesetzt waren. Die Mitbürger, über die sie als Beuelerin hier berichte, habe sie, Jahrgang 1948, nie treffen können. Sie seien während der Naziherrschaft erst aus den Straßen und dann aber auch aus dem Bewusstsein der Nachbarn verschwunden, erklärt Rohde, die als Grundschullehrerin arbeitete. (...)

Mit ihrem Buch will Rohde denjenigen, die fehlen, ein Denkmal setzen und dem heutigen Wiedererstarken von Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten entgegentreten. So wie das für viele Holocaust-Opfer an ihren ehemaligen Wohnhäusern im Trottoir die Stolpersteine des Gedenkprojekts von Gunter Demnig tun. Rohde bildet sie in ihrem Buch ab und erzählt die Vorgeschichte: die Zerstörung jüdischer Geschäfte und Wohnungen ab 1936 sowie die Brandstiftung der Synagoge am hellichten Tag 1938. Die mussten hier gar nicht einmal herangeschaffte SA-Männer erledigen: In Beuel zündeten unter dem Beigeordneten Otto Klamp gleich Ortsansässige selbst das Gotteshaus an. Rohde schildert schließlich die Gefangennahmen und Verschleppungen. Die gesamte jüdische Gemeinde auch rechts des Rheins sollte ausgelöscht werden. (...)

Genau dieser einstige Beueler Junge (Micha Sternschein) mit dem großen Teddy hat übrigens noch auf seine Weise Geschichte geschrieben. Rohde deutet es in ihrem Buch an. Der Mann, der sich als Erwachsener Michael Maor nannte, baute den Staat Israel mit auf – und half dem Geheimdienst Mossad, den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann der Mitschuld am Tod von Millionen Juden zu überführen: Er schmuggelte wichtige Akten aus dem Büro des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer heraus, der hier mit dem Mossad kooperierte. (...)

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (15.1.2021)

zurück



 
 

+++ BREAK +++

Von Freiheit und Leben

In „Der weiße Fleck“ bringt die Ehefrau ihrem „Bärchen“ das Frühstück ans Bett, legt sich noch ein wenig neben ihn, erinnert an die gemeinsame Zeit, auch an Streit, den es durchaus gab, und an die schwierige Phase, als er arbeitslos war. Aber: „Es war letztlich unsere Liebe,die uns getragen hat“, sagt sie, und der Leser ahnt inzwischen schon, dass irgendwas nicht stimmt. Bis die Tochter der Frau klingelt, um die Mutter abzuholen. Zum Besuch auf dem Friedhof. „Schließlich ist heute Papas Geburtstag.“

Diese Geschichte über eine wohl nicht immer einfache, aber offenbar innige Partnerschaft ist eine von 34 Kurzgeschichten und Erzählungen, die der in Bad Honnef lebende Autor Heinz Strehl in seinem Band „BREAK“ veröffentlicht hat. (...)

Seit einigen Jahren lebt Heinz Strehl in der Stadt Bad Honnef und schreibt Kurzgeschichten, Gedichte und Geschichten für Kinder sowie Sketche für die Seniorentheatergruppe „Die Bühnengeister“ in Sankt Augustin.

csc, Bonner Rundschau (16. Februar 2021)

zurück



 
 

+++ Satire im Corona-Herbst +++

Satirische Cuvée von 22 Autorinnen und Autoren

Schon wieder ein neues Buch im Corona-Jahr 2020 von Dr. Winfried Rathke? Nicht ganz, denn für das gerade erschienene Buch „Satire im Corona-Herbst“ ist er „nur“ Mitherausgeber – gemeinsam mit Professor Dieter Rasch vom „Verein Deutsche Sprache”. Und beide sind auch Autoren – zusammen mit 20 anderen, die der zweiten Welle und der zunehmend trüben Stimmung noch etwas zum Schmunzeln entgegensetzen.

„Du machst dir oft etliche Sorgen / Gedanken zu Heute und Morgen. / Elf Menschen sind krank, / du nicht – Gott sei Dank. / Dann kannst du die andern versorgen.“ So lautet ein Limerick mit dem Titel „Evi“ von Asja Gerling, einer Pastorin aus Rostock, die gerne Lyrik schreibt und liest. Helmut Kratochvil, ein emeritierter Professor, Techniker, Maler und Schriftsteller aus Baden bei Wien, hat Zeichnungen und Verse zu verschiedenen Genres der Satire beigetragen. Im Kapitel „Schüttelreime“ schreibt er unter dem Titel „Vollschlank“: „Diäten machen falthüllig / Drum bleib ich halt füllig / Gewissermaßen füllhaltig / statt unansehnlich hüllfaltig.“ 

Das Buch ist ein buntes Gemisch von Limericks, Sonetten, Haikus, und anderen Gedichtformen – teilweise in Plattdeutsch und Dialekten. (...)

chk, Rheingau Echo (23.12.2020
 

Mit Lyrik und Satire gegen das Virus

Ist es möglich, sich über das tödliche Corona-Virus lustig zu machen? Darf man über den winzigen, aber wirkmächtigen Erreger Spottverse, Limericks und Schüttelreime dichten? Auf jeden Fall, denn Lachen hilft bekanntlich gegen viele Dinge, die einem das Leben vermiesen können. (...)

Den Autoren gelingt es auf ganz unterschiedliche Art und Weise, gegen den schwermütigen und pessimistischen Zeitgeist, der momentan viele Leute in Mecklenburg-Vorpommern, in ganz Deutschland und überall in der Welt ergriffen hat, mit ihren Zeilen anzugehen. Robert Schmidt dichtet in einem Limerick: 
Fehlender Impfstoff – das steht fest 
gibt sehr vielen Menschen den Rest. 
Gar nicht so sind wir! 
Kämpfen wie ein Stier 
mit Limericks gegen die Pest. (...)

Bernhard Schmidtbauer, Ostsee-Zeitung (9.2.2021)

zurück



 
 

+++ Prominentenmischung +++

Prominentenmischung frisch vom Faß
Neue Sonette von Alexander Mühlen

Gewaltig ist das Heer der Prominenten,
die er durch den Kakao getreidelt hat.
Im Zick-Zack jagt sein Witz, zwei kraus, drei glatt.
Er rettete vor Zeitungen die Enten.

Sein Streu-Obst quillt im Füllhorn ständig über.
Vergnügt macht selbst sein Sittich hohe Wellen,
und Tiffi hört man keck dazwischen bellen.
Gekonnt verteilt er Nasen kleine Stüber.

Die  Kurschatten hat Alex toll veredelt.
Umhüllt hat ihn der Graf von Monte Christo.
Die Prostata erklärte er Mephisto.

Sein Pudel hat stets mit dem Kern gewedelt.
Ich lachte manche Träne in die Hose.
Er machte meine Herbstzeit herrlich lose

Winfried Rathke

zurück



 

+++ Schwesternblues +++

Familiengeschichte über mehrere Generationen

(...) Cornelia Frettlöh erzählt, ausgehend von den beiden ungleichen Schwestern, geschickt und mit viel Liebe zu ihren Figuren eine Familiengeschichte über mehrere Generationen mit den unweigerlich dazugehörenden Geheimnissen, Tragödien, Missverständnissen und Lebenslügen. Es gelingt ihr hervorragend, zurückliegende Zeiten in wenigen Worten und Bildern plastisch vor den Augen der Leser*innen erscheinen zu lassen. Viele dysfunktionale Beziehungen werden schmerzhaft erzählt, dennoch bleibt für keine Figur das Mitgefühl auf der Strecke, denn jeder kämpft mit seinen eigenen Dämonen, um das kleine bisschen Glück im Leben zu gewinnen. (...)

Buchhandlung Jost, Lesetipps (November 2020)
 

Schneeweißchen und Rosenrot

(...) Cornelia Frettlöhs Roman Schwesternblues ist, wie schon der Titel verrät, keine leichte Kost und keine leichtgängige Lektüre - Blues ist nun mal kein Swing. Was Frettlöhs Roman aber trotz aller (gelegentlich nicht unstrengend geballten) Vergangenheits- und Trauerarbeit der Erzählerin Miriam zeigt, ist: den Blues zu schieben, kann auch vom Blues kurieren. Oder zumindest helfen, ihn zu ertragen, Wehmut, Zorn, Traurigkeit zu akzeptieren und vielleicht zu entdecken, dass es trotzdem möglich sein kann, zu lieben - sich, einander, das Leben. (...)

G.L., Schnüss 12/2020
 

Der klare Blick auf die Dinge

(...) Die Schwere der Themen lässt sich nicht kleinreden. Die Autorin zeigt aber, es ist der klare Blick der Dinge, der neue Sichtweisen eröffnet und weiterträgt: Nicht wegschauen, sondern hingucken, zulassen und aushalten und finden, was möglich ist.

Beate Simon-Firat, Düsseldorfer ms-post (Frühjahr 2021)
 

Die ungleichen Schwestern

(...) Cornelia Frettlöh schrieb einen Roman mit viel Personal, der auch die Familiengeschichte der vorhergehenden Generationen erzählt. In einer farbenreichen Sprache schildert sie Begebenheiten, die vom Zeitgeschehen geprägt sind. Auf einer Venedig-Reise wippen die Gondeln im schmatzenden Wasser der Lagune „wie aufgezäumte Seepferdchen“ und aus den Fenstern der Stadt strömt Nudelwassergeruch. Es sei eine autofiktionale Geschichte, sagte die Autorin. Ihr sei es ein Anliegen, den Lesern Mut zu machen, sich mit der eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen. Auch ihre Heldin wagt diesen Schritt. Mit überraschendem Ende. 

Christina Kirsch, Ehinger Tageblatt (3.7.2021)

zurück



 
 

+++ Der Mann im Mais +++

Komisches für das Kaminzimmer

„Ich stehe vor einer grünen Wand, die inzwischen meinen Kopf überragt …“, beginnt die titelgebende Geschichte, in der ein verzweifelter Anlieger eines jährlich wuchernden Maisfeldes eine denkwürdige Begegnung in eben selbigem hat. Dieser Text enthält bereits die meisten Lieblingszutaten von Günter Detros Kurzgeschichten. Ein argloser Beginn, ein dramaturgisch und sprachlich sorgfältiger Aufbau und eine überraschende Schlusswendung mit teils schwarzhumorigem Ausgang. (...)

Auch aus der Erinnerung an seinen Schulalltag schöpft Detro, der gerne schon in der Frühe schreibt und dies mit bewundernswerter Disziplin. Während „Elternschrecktag“, eine der amüsantesten Geschichten der Sammlung, auf der Hauptlinie des Buches liegt, hat er in „Das Versprechen“ die unangenehme Erinnerung an einen ob seiner Kriegserlebnisse offenbar traumatisierten Lehrers verarbeitet. An diesem Text, habe er „im Grunde 30 Jahre gearbeitet“, meint Detro.  (...)

Gerd Engel, Rheinbacher.de (25. Oktober 2020)
 

„Der Mann im Mais“ ist Futter für die Seele

Auf einmal ist sie da: die ewige Dunkelheit. Tage vorher hatte sie sich angekündigt. Dass der Mais auf dem an sein Grundstück grenzenden Feld derart in die Höhe wächst, dass in einigen Räumen des Hauses mitten im Sommer kaum noch Tageslicht ankommt, inspiriert Günter Detro dazu, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Der Poetry-Slammer und Autor aus Oberdrees zeigt mit „Der Mann im Mais“, dass er diese Kunst beherrscht. (...)

Humor und Satire in allen Farben spiegelt sich auch in „Der Mann im Mais“ wieder. Die Verunsicherung mancher Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder unterwirft er in „Misstrauen“ einer kurzweiligen, ironischen Betrachtung. Eigene Erfahrungen aus Lehrersicht fließen in „Elternschrecktag“ ein. „Es ist satirisch übertrieben, aber mit einem wahren Kern.“ Gemeinsam haben seine Geschichten stets: Ohne unerwartete Wende und ein überraschendes Ende wäre die Prosa keine Kurzgeschichte aus Detros Feder. (...)

Mario Quadt, General-Anzeiger (19.11.2020)

zurück



 
 

+++ Aus Freude am Malen 2 +++

Ingenieur mit Künstlerblick

Der Titel auch seines zweiten Bildbands sagt viel über diesen Künstler aus. „Aus Freude am Malen“ hat Norbert Bogusch es überschrieben. Mit feinem Pinselstrich und bunt ineinander fließenden Farben, „wie locker hingeworfen, wie hingetupft und stets verfremdet“, gehe der Maler ans Werk, schreibt im Vorwort Dieter Dresen. (...) Man spüre den warmen, fröhlichen Blick, mit dem der Wachtberger die Welt betrachte. Gerade in seinen Aquarellen ist diese Handschrift erkennbar. Bogusch hat die Finca unter Mallorcas blauem Himmel ebenso gekonnt hingetupft wie das Muffendorfer Kirchlein Alt Sankt Martin unter dunklen Regenwolken und die im Wind plötzlich türkis leuchtende Godesburg. (...)

Im Buch sind sowohl Impressionen von Formel-1-Rennen als auch der Blick aus dem Biergarten auf den Kölner Dom zu sehen. Stimmungsvolle Stillleben mit Flaschen wechseln sich mit Aussichten auf einsame Dörfer ab. Und Bogusch hat auch eine intensivfarbige Version von Jan Vermeers berühmten „Mädchen mit dem Perlohrring“ gewagt. Anfangs habe er ausschließlich in Aquarell gemalt. Heute arbeite er auch mit Acryl, Öl, Rostpatina sowie Mixed-Media, sagt er. Dabei kämen auch Materialien wie Marmormehl, Asche oder Wachs zum Einsatz. „Die Aquarellmalerei bleibt jedoch mein künstlerischer Schwerpunkt.“ (...)

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (30.9.2020)

zurück



 
 

+++Seelenblicke +++

Streitbarer Politiker und sanfter Poet

Richard Pestemer, langjähriger Ortsbürgermeister von Neunkirchen (...), ist im Hochwald und darüber hinaus bekannt als streitbarer Politiker und Aktivist für Umwelt- und Klimaschutz. Doch derzeit zeigt der 74-jährige Japanologe und Politologe eine ganz andere Seite von sich: Er schreibt Haikus, eine traditionelle japanische Gedichtform. Und er veröffentlicht sie auch.(...)

Das asiatische Land beschäftigt ihn schon seit seiner Jugend. Und beinahe ebenso alt ist seine Begeisterung für die japanische Sprache und die typisch japanische Gedichtform, die durch drei Eigenschaften besticht: Kürze, Prägnanz und Naturbezogenheit. Wer jetzt glaubt, dass Pestemer es beim reinen Kopieren der Versform aus Nippon belässt, liegt falsch. Auch wenn typisch japanische Motive wie die Kirschblüten nicht fehlen, beschreibt der Autor auch deutsche, ja auch Hunsrücker Verhältnisse. Ein auf Neunkirchen gemünztes Gedicht lautet folgendermaßen: „Unter dem Nebel/Eingehüllt das kleine Dorf –/Zwängt sich schmal ein Bach.“ Andere Verse aus der Pestemer-Schmiede befassen sich mit der Natur, dem Alltag, dem Kosmos und den manchmal doch so unscheinbaren Begegnungen des Daseins – mit Kartoffeln und Wein, aber auch mit Handys und einem Schrottauto. Und natürlich schimmert noch immer sein politisches Engagement durch: Da ist von Gier ebenso die Rede wie von der Hanfblütenernte. (...)

Sein politisches Interesse und seine Haltung kann oder will Richard Pestemer nicht verleugnen. Deshalb findet man in dem Gedichtband auch spöttische Verse wie: „Mein Frisör erzählt:/ Mit Kirschspray hat Trump/ blondiert die Mähne“. Und mit einer Anspielung auf das häufig zerzauste Haupthaar des amerikanischen Präsidenten: „Vom Winde verweht/Die Impotenz der Allmacht/Durchschaut vom Frisör“. (...)

Ilse Rosenschild, volksfreund (31. Juli 2020)

zurück



 

+++ Beueler Miniaturen +++

Neuerscheinung - Beueler Miniaturen

(...) Für den über zwölf Seiten fassenden Artikel (Flöße, Kähne, Schwimmanstalten - Der Mondorfer-Bergheimer Hafen in früheren Zeiten) in den "BeuelerMiniaturen" hat die Mondorfer Gast-Autorin (Claudia Knöfel), ..., etwa ein halbes Jahr umfangreiche Recherchen angestellt. So war ihr der Mondorfer Roland Klinger mit seinem umfangreichen heimatgeschichtlichem Archiv eine hilfreiche  Stütze.  Es  folgten unter anderem Kontaktaufnahmen zu den Stadtarchiven Andernach,  Siegen  und  Niederkassel  sowie  zum  Siebengebirgsmuseum in Königswinter. Ein  Ergebnis  dieser  Nachforschungen war, dass auch auf der Sieg Flöße in Richtung Mündung fuhren. Claudia Knöfel gliederte den Artikel in folgende Absätze: Holz für Holland - Die Entstehung der Flößerei, Die Flößer - harte Arbeit und viel Brot, Schutz vor Eisgang: Badeanstalten in der Mondorfer Bucht, Vom "Suure Hunk" zum "Flüzebier" sowie Neue Zeiten. (...)

Claudia Knöfel, Montagszeitung (2.5.2020)
 

Literarische Liebeserklärung an Beuel

(...) Hans Paul Müller, genannt HP, ist ein Beueler Urgestein. Im Herzen vom alten Beuel geboren und immer dort geblieben. „Hier fühle ich mich wohl, hier habe ich alles, was ich brauche“, sagt der 78-Jährige. Ein Auto braucht er nicht, und wenn es mal weiter weggehen soll, dann holt er sein Rennrad. Derzeit sollte er eigentlich auf eine andere Tour gehen, auf eine Promotiontour, denn soeben ist bereits sein siebtes Buch veröffentlicht worden. „Beueler Miniaturen“ ist der Titel der Anthologie mit Beiträgen von zahlreichen Freunden und Bekannten, die im hiesigen Kid Verlag erschienen ist. „Eine Liebeserklärung an das Rheinland im Allgemeinen und Beuel am Rhein im Besonderen“, heißt es im Untertitel. „Dabei habe ich mich an das Beueler Stadtwappen gehalten, das ein Fährboot auf dem Rhein zeigt. So haben alle Beiträge einen direkten Bezug zum Rhein und dem Geschehen am und auf dem Strom zwischen Drachenfels und Sieg“, schreibt Müller in seinem Vorwort. (...)

Rainer Schmidt, General-Anzeiger (4.5.2020)

zurück



 
 

+++ Am frühen Morgen +++

Gut in Reihe

(...) Die Anthologie, die nun im Ergebnis des mittlerweile 9. Godesberger Literaturwettbewerbs erschienen ist, zeigt das mit neun Erzählungen, die sämtlich von einer literarischen Qualität sind, die es (Pardon, falls dies wen kränkt) so in dieser Reihe noch nicht gegeben hat. Sie kommen aus Hamburg, aus Trier, Berlin und sogar Wien – und sie sind hinsichtlich Sujet und Stil, Ton und Thema so überaus unterschiedlich, dass man sich getrost viel Zeit nehmen darf/sollte, diesem Band von ›nur‹ 142 Seiten reichlich Resonanz zu geben. Das lohnt sehr, jede der darin vertretenen Stimmen verdient es nämlich unbedingt.

Da ist Renate Aichinger mit »#seelen: entsorgen«, einer sprachkühnen ›Nachricht‹ an »du. also. du hier. Allein. «, die eine Nachricht an Sie sein kann oder mich, weil alles, was darin steht, Sie oder mich angeht – nicht, dass es mir oder Ihnen lieb wäre, ist aber so. Da ist Daniela Chmelik, die (»Laila «) von einer kosmischen Begegnung erzählt, die eigentlich keine ganz reale Begegnung ist – und kosmisch nur, weil ein Kind sie denkt. Und eben deswegen doch eine. Da sind subtile Horrorstories (Klaus Gottheiner, Marc Lunghuß, Helmut Michael Schmid) und da ist – neben all den weiteren, ausnahmslos exzellenten Beiträgen – die titelgebende Geschichte »Am frühen Morgen«. Sie handelt von einem außerordentlichen Erwachen, das ›Outing‹ zu nennen eine Frechheit wäre: Giorgio Mazzin gegenüber, seiner Schneiderkunst und seiner alten Borletti-Maschine gegenüber, seiner Frau gegenüber, die so mutig ist wie ihr Mann. Und einer Erzählung nicht gerecht würde, die qua Stoff und Stil so puristisch wie poetisch ist; nicht sehr lang, aber groß. Wow. Dafür und für diesen ganzen Reigen höchst lesenswerter Literatur.

Gitta List, Schnüss 04/2020

zurück



 
 

+++ Rotes Irrlicht +++

Assoziationen, Amateurfußball und Aznavour: Gereimtes von Robert Goepel

(...) So passt es ins Bild, dass der Kid Verlag jetzt den großen Schritt macht, den optisch spektakulär ausgestalteten 30 x 20 cm Gedichtband des 74-jährigen Bonner Psychotherapeuten und leidenschaftlichen Amateurfußballers Robert Goepel herauszugeben. Das Buch enthält gut 100 vom Verfasser entweder mit „object art“ eigener Produktion oder Klassikern der bildenden Kunst illustrierte Gedichte. Diese Abbildungen mit ihren überaus leuchtenden Farben absorbieren zunächst die Aufmerksamkeit und erinnern daran, dass der Autor bisher vorwiegend bildnerisch gestaltend unterwegs war. Ein Bildband hierzu ist im gleichen Verlag erschienen. Beim zweiten Hinsehen entdeckt der Leser handwerklich fast makellose, überwiegend gereimte und leicht zugängliche Verse. Diese sind allerdings, folgt man dem Verfasser, thematisch geeignet, finstere Stimmung zu erzeugen, zu verstärken, vielleicht auch - dadurch inspiriert - zu bekämpfen.

Hier, mein lieber Herr Autor, muss ich passen. Diese Steilvorlage erreicht nicht mal meine Großmutter, die im Gegensatz zur Ihrigen der Nachwelt kein Büchlein mit zitierbarer beschwingter Poesie hinterlassen hat. 

Sie mögen sich noch so sehr um Finsternis bemühen – Tod und Leiden aller Art kommen quasi als Leitmotive daher –, die grellen Farben und leichtfüßigen Trochäen werden immer wieder zu fröhlichen Trophäen! Weder der aufgespießte heilige Sebastian noch zweimal Sisyphos bei der Arbeit, weder ein Jackson Pollock noch ein „Auschwitz aus Strandholz etc.“ können dem heiteren Basso Continuo etwas anhaben …

Originell: Eine Zeitreise ins Jahr 1962 bringt eine gendermäßig akzeptable deutsche Textreplik auf das Charles-Aznavour-Chanson „Tu t’laisses aller“ (Du lässt dich geh‘n). Damals hieß es bei Caterina Valente noch „Mein Ideal“. (...) 

Alexander Mühlen, webcritics (20.12.2019)

zurück



 
 

+++ Kaspers Roman +++

Ein Mann ohne Vergangenheit

Dieses Buch ist eine Versuchsanordnung in poetischer Sprache, „ein Experiment“, wie Autorin Eje Winter, bürgerlich Elke Trefz-Winter, es selbst nennt. Ich-Erzählerin Katharina setzt in der Neuerscheinung „Kaspers Roman oder Die schöne Biographie“ rein sprachlich ein 28-jähriges Geschöpf namens Kasper in die Welt. (...) Ich-Erzählerin Katharina hat die Spielanordnung für ihren selbst erzeugten Jungmann-Kasper dagegen als komplexes Programm angelegt: Er darf keine Vergangenheit haben. Und er soll, bitte schön, aus dem Stand „eine schöne Biografie“ zustande bringen. (...) 

Nun also ein Buch mit einem selbst kreierten Kasper in deutlich lyrisch gefärbter Sprache. Das Geschöpf hat die Aufgabe, ohne Vorurteile aufs Leben zu schauen und aus einem Karton mit Postkarten ein längst verstorbenes Paar wieder zu erwecken, ja dessen Lebensweg unbedingt glücklich verlaufen zu lassen. Das Geschöpf erkundet die Welt, öffnet dem Leser die Augen, angeblich alltäglich Langweiliges völlig neu sinnlich zu erfahren. Nicht dem entgangenen Glück nachjammern

Und es beginnt eine explosive Auseinandersetzung der Erzählerin mit diesem Kasper, der irgendwann aufbegehrt und selbst leben will, ohne eingezwängt zu sein. (...) 

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (8.10.2019)

zurück



 
 

+++ Lila und Manila +++

Raus in die Welt – Einschulung und Grundschulzeit als Chance zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern

(...) Kein Grund zur Sorge also, wenn ein Kind sich im Kontext Schule anders zeigt als zu Hause und gern seine eigenen Erfahrungen machen möchte. Wichtig ist es vor allem, im Gespräch zu bleiben, um mitzubekommen, wie es ihm damit geht. Dabei sei der Zugang über das gemeinsame Lesen von Geschichten oft einfacher, gerade wenn ein Kind von sich aus wenig erzählt.

Aus diesem Grund hat Katja Mierke, selbst zweifache Mutter, ein Kinderbuch mit dem Titel „Lila und Manila“ verfasst. Das Buch ist eine locker miteinander verwobene Sammlung von Geschichten für Kinder im Alter von etwa fünf bis zwölf Jahren. Mal lustig, mal tiefsinniger, geht es um Fragen wie: „Wer bin ich?“ und „Wie könnte ich noch sein?“. Dabei wird klar, dass Wünsche manchmal ihre Tücken haben, auch wilde Träume wahr werden dürfen und nicht jeder immer nur so ist, wie es auf den ersten Blick aussieht. „Ich möchte Kinder damit anregen, sich selbst zu akzeptieren, mutig neue Möglichkeiten zu erkunden und sich wie andere aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten“ erklärt Mierke. Und – wie manchmal im Leben – gibt es auch im Buch einen Hidden Track.

Barbara Debold, www.adhibeo.de (26. September 2019)
 

Mit einem Kinderbuch Identität stärken

(...) So bewegen sich die fantasievollen Erzählungen irgendwo zwischen „Pipp Langstrumpf“ und  „Bullerbü" und entwickeln doch ihren ganz eigenen Charme. Dass sie nun überhaupt gedruckt vorliegen, ist dem Moment zu verdanken, in dem Mierke eine Ausstellung des Bonner Künstlers Martin Welzel im Kult 41 besucht hatte. Die Farbig- und Vieldeutigkeit seiner Bilder faszinierten sie. (...)  Das Mutter-Töchter-Team Mierke konnte seine Ideen und Vorstellungen dem Maler vermitteln, der dann frei und in überschwänglicher Farbigkeit in die Welt von Lila und Manila eintauchte, die es nun der betrachtenden jungen Leserschaft leicht macht, die Geschichten nachzuempfinden und darüber hinaus auch noch weiterzuspinnen. (...) 

Stefan Hermes, General-Anzeiger (14. Dezember 2019)

zurück



 
 

+++ Aus der Reimmühle +++

Neuestes Reichelt-Werk erscheint nach dessen Tod

(...) Fast hätte er es noch geschafft, sein neuestes literarisches Baby in den Händen zu halten. Am Ende reichten die Kräfte bei Herbert Reichelt nicht mehr. Er starb im Juli. Vielleicht also auch, weil der Wachtberger seiner schweren Krankheit diesen letzten Sieg nicht gönnte, widmet er ihr in „Aus der Reimmühle“ keine Zeile. Bestenfalls die Frage nach der Endlichkeit ließe sich ins Gedicht „DADA-Wege“ hineininterpretieren. Denn da heißt es: „Wohin werden wir werweht (sic!)? Wege wissen wundersam, wie wohin warum wer geht. Wahnsinn! Wirklich Wiedewamm!“ (...)

„Als ein Meister des Wortes in der Tradition von Ringelnatz, Hüsch und Gernhardt beherrscht er zahlreiche lyrische Formen spielerisch“, meint sein Verleger. Freuen dürfen sich die Leser auf Sonette, Limericks, vor allem aber scharfsinnige Ironie, die auch die Sprachverhunzung nicht auslässt. Dem Anglizismus des Jahres 2018 (Gendersternchen) ist „Ein Stern ging auf“ gewidmet. „Kaum hatten wir mal weggeguckt, da gab's das Binnen-I nicht mehr, ward wohl vom Schwarzen Loch verschluckt. Die Sprache schien so öd und leer“, dichtet Reichelt und rechnet mit dem seiner Meinung nach inflationären Gebrauch von “*innen“ ab. (...)

Silke Elbern, General-Anzeiger (14. / 15. September 2019)

 zurück



 
 

+++ DerYoga-Hype. Ein Wegweiser für Neugierige und Kritiker+++

Ist das noch Yoga?

(...) Der Trend Yoga ist ungebrochen, nimmt sogar noch an Fahrt auf. Die Studios sprießen aus dem Boden, immer verrücktere Stile werden ausgelobt. Wer nicht weiß, dass Asana Körperhaltung heißt, wird als Banause abgetan. Die indische Bewegungskunst ist im Alltag angekommen, die Menschen praktizieren mit Hingabe, erwarten sich davon Sinngebendes, Erfüllendes - und zusätzlich einen trendigen Superbody. Doch dadurch hat sich ein Leistungsdruck in die kontemplative Angelegenheit eingeschlichen, der sie im Grunde gefährdet. Durch den Boom ist außerdem ein ziemlich weites Geschäftsfeld entstanden, in dem sich jede Menge Geld verdienen lässt. Aber ist das noch Yoga? Was bedeutet dieses Wort eigentlich? (...)

Kosser nennt weitere Gründe, warum Yoga als Allheilmittel angesehen wird: "Es handelt sich dabei eigentlich um eine komplette Philosophie, basierend auf jahrtausendealten Schriften, teilweise älter als die Bibel. Acht Wege zur Erleuchtung gibt es da, neben körperlicher Ertüchtigung auch auch Ernährung, Atmung, Meditation oder innere Freiheit. Also alles Dinge, die viele Menschen suchen." Aber weil wir uns in einer leistungsorientierten Gesellschaft bewegen, spricht uns der Teil der körperlichen Ertüchtigung eben besonders an (....) Der Leistungsdruck erhöht außerdem die Gefahr von Verletzungen. Die nehmen durch die Annahme, Yoga sei nicht anstrengend, deutlich zu. (...) Dabei geht es beim Yoga genau ums Gegenteil: in den Körper heineinzufühlen, seine Bedürfnisse, Grenzen wahrzunehmen. Weniger ist dabei mehr. Das Ziel ist, eine Haltung möglichst achtsam auszuführen - nicht unbedingt das Maximale herauszuholen! Das ist nicht nur aufbauend für die Muskeln, sondern auch für den Geist, als gute Schule für überbordenden Ehrgeiz. Dann sind wir mit Yoga auf dem richtigen Weg.

Pia Kruckenhauser, Woman (September 2019)

zurück



 
 
+++ Rückkehr nach Schapdetten +++

Mordversuch beim Bonn-Marathon

(...) Prickelnd lesen sich Gesterkamps Geschichten. Jede Menge Lokalkolorith und Atmosphärisches aus der Kunstszene ist auch mit dabei. ... Und manchmal glaubt der Leser, Figuren zu begegnen, die ihn doch verdammt an selbstverliebte hiesige Akteure erinnern.

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (11.9.2019)
 

Ganz normale Fieslinge

(...) Nicht so sehr der literarische Biss wirkt in Rückkehr nach Schapdetten. Gesterkamps Erzählweise ist (auch sprachlich) nicht auf Effekt und Effekte aus, nicht auf Volten und Raffinement - vielmehr ist sie so lindenstraßenhaft bieder (ja fast reizlos) wie die Figuren, die auftreten. Nur haben es, ... , diese meist mittelalten, meist auch bloß mittelinteressanten Biedermänner und Durchschnittsfrauen eben doch faustdick hinter den Ohren und also kein Problem damit, niederträchtig, rachsüchtig und verlogen zu sein. (...) Auf den zweiten Blick ist dieser Spießeralltag voller Tücke und Kabale, ein Pychosumpf und nicht selten richtig gefährlich.

Gitta List, Schnüss 11 | 2019
 

Rückkehr nach Schapdetten

Der in Münster geborene Harald Gesterkamp (56)  hat sein zweites literarisches Werk vorgelegt. (...) Darin (in der Titelgeschichte) geht es um einen Mann, der nach vielen Lebensjahren in sein westfälisches Heimatdorf zurückkehrt und dort auf eine unheimlich Begegnung mit einem knorrigen Landwirt zusteuert - dabei erfahren auch Nicht-Münsterländer endlich, wer oder was Schapdetten ist.

- pd - Westfälische Nachrichten (November 2019)
 

Bizarre Charaktere, tödliche Wendungen

(...) Es sind nur auf den ersten Blick alltägliche Dinge, die der Schriftsteller und Deutschlandfunk-Redakteur Harald Gesterkamp in seinem neuen Erzählband „Rückkehr nach Schapdetten“ beschreibt“. Denn die 20 Geschichten – der Autor spricht von „Stories“ – beginnen zwar harmlos, doch erfahren sie eine plötzliche Wendung und enden mitunter tödlich.

Auch die Figuren, Frauen wie Männer, erscheinen zunächst recht bieder, bevor sie nahezu explodieren und überraschende und teilweise extrem bösartige, niederträchtige und verlogene Dinge tun. So schildert Gesterkamp in seinem überaus vielseitigen Buch unter anderem betrogene Frauen und Männer, die jeweils auf ihre Art Rache üben, so dass einem die Luft wegzubleiben droht. (...)

BZ Duisburg (1. Februar 2020)
 

Interview ...

Radio Kiepenkerl (1.4.2020)

zurück



 
 

+++ Die Rollen der Mona Lisa +++

Ironisch-heitere Sprachquerschüsse

(...) Dieses Büchlein stellt die neuesten, im Umkreis des Dichterquartetts Quadriga und der Schreibwerkstatt Schattenspringer, entstandenen 14-Zeiler vor. Schon das Umschlagbild einer sich mit Klopapier schneuzenden Mona Lisa, zwei Rollen davon im Arm haltend, macht klar: Was kommt, ist nicht ganz ernst gemeint. Aber gerade diese leichtfüßigen, durch viel Lebenserfahrung gefilterten Verszeilen zeigen überraschende Schnittflächen mit unserer Alltagserfahrung - immerhin war der Autor fast vier Jahrzehnte im Auswärtigen Dienst tätig, .... Deshalb sei stellvertretend für die vielen immer wieder, von Vereinsfreunden (gemeint ist der Verein deutscher Sprache VdS)) erdichteten Natur- und Weltbetrachtungen auf dieses eine Beispiel hingewiesen. Hier wie in vielen anderen Publikationen, ... , zeigt sich zu meiner großen Freude, dass viele Vereinsmitglieder, statt über den Verfall der deutschen Sprache zu klagen, noch lieber mit ihr spielen und sie so flexibel und ausdrucksstark zu erhalten.

Walter Krämer, Sprachnachrichten 83 (III /2019)

zurück



 
 

+++ Seitenpfade +++

Kleines, aber durchaus beunruhigendes Werk

Es fängt harmlos an, „Abseits vom Alltag“, und legt Zeugnis ab von vermeidbaren Siegen und der Gelassenheit des Scheiterns. Die Autorin nimmt uns mit auf verschlungene Seitenpfade, lässt uns teilhaben am Triumph über das Verfallsdatum von Joghurt, begleitet einen wider besseres Wissen fröhlichen Lehrer sowie einen Heinz, dessen Glück am Anfang steht, und stellt uns den Prototyp des Zehenlutschers vor. Dem Alltag entspringen Geschichten wie diejenige vom Großflughafen, zu dem „alles gesagt“ ist, von Sascha, der keine Heizung mehr braucht, und dem Schnupfenbakterium Susi, welches seinem nächsten Auftritt entgegenfiebert. Dank Fortüne im letzten Moment verfehlt ein furchterregender Himmelsbrocken unseren Planeten – und wird sogar im Inhaltsverzeichnis gelöscht! Um das Missgeschick vollständig zu machen, endet ein ums andere Szenario als „große, glückliche Familie“. Brrrrrr.

 Dies ist die Kurzfassung des Einführungskapitels eines kleinen, aber durchaus beunruhigenden Werks der schriftstellerischen Debütantin Steffi Endemann. Gemeinsam haben die rund 50 zum Teil nur zwei Seiten langen Kurz-Geschichten folgendes Merkmal: Sie gehen von scheinbar banalen Situationen aus und führen den Leser/die Leserin mehr oder weniger vorgewarnt in einen Grenzbereich. Hier bleibt er/sie erschrocken stehen oder geht, der Schwerkraft gehorchend, den einen Schritt zu weit (… )

Alexander Mühlen
 

Sternstunden des selbstorganisierten Lernens

(...) Mit ihrem neuen Buch Seitenpfade beschreitet die 69-Jährige (Steffi Endemann), ... , in knapp 50 Kurzgeschichten und Gedichten sicher keine ausgetrampelten literarischen Wege. Endemann zeichnet auch Figuren der Historie in Grenzsituationen, in denen sie sich beweisen müssen. So etwa setzt sie Freidis, die Tochter des Wikingers Erik des Roten, in peitschender See in ein Ruderboot Richtung Amerika. Die Autorin verdichtet die Szene dramatisch, bis sich wirklich federgeschmückte Menschen über die im gestrandeten Boot fast verhungerten Wikinger beugen. (...) 

In einer anderen Kurzgeschichte lässt Endemann die für die Republik so wichtige kleine Stadt am Rhein in einen Dornröschenschlaf versinken, sodass auch das Stadthaus in scharlachroten Bougainvillea-Ranken verschwindet: ein Lesevergnügen. Und wie entwirft die Autorin ihre Kurzgeschichten und Gedichte? "Ich entwickle Situationen schnell und brauche dann eigentlich nur noch mitschreiben", antwortet Endemann.

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (23./24.11.2019)

zurück



 
 

+++ Der Rhein aus Bonner Sicht +++

Früher gab es mehr Respekt vor dem Rhein

(...) Im Buch „Zwischen Hoch- und Niedrigwasser. Der Rhein aus Bonner Sicht“ befasst sich Sarah Bertram nicht nur mit den Fragen, was der Rhein bietet, oder wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat. „Auch das Zusammenspiel von Gesellschaft und Natur fand ich schön“, so Sarah Bertram. Doch genau dieses Verhältnis habe sich in den vergangenen Jahren drastisch zum Negativen geändert. „Früher hatten die Menschen noch mehr Respekt vor dem Rhein und vor Natur generell. Das hat sich durch verschiedene Prozesse und die Industrialisierung so entwickelt.“ Deshalb fordert sie, dass die Menschen nicht mehr gegen die Natur agieren sollen, sondern mit ihr: „Momentan fragen wir uns, wie wir den Rhein eingrenzen oder beherrschen können. Dabei merken wir gar nicht, dass der Fluss ein eigenständiges Subjekt ist, das sich nicht beherrschen lässt.“ (...)

Daniela Hündgen, Express (23.4.2019)
 

Sorge um Bonns Lebensader

Victor Hugo und Sarah Bertram – zwei unterschiedliche Persönlichkeiten aus verschiedenen Jahrhunderten und Kulturkreisen, die auf den ersten Blick nun wirklich keinerlei Gemeinsamkeiten haben. Und dennoch verbindet die Bonner Studentin (Jahrgang 1991) und den französischen Schriftsteller (1802) eine große Leidenschaft: Ihre Faszination für den Rhein.

Hugo unternahm in seinem Leben zwei Rheinreisen und hielt seine Eindrücke in seinem Prosatext „Le Rhin“ fest. Die 27-jährige Sarah Bertram veröffentlichte im März mit ihrem ersten Buch ebenfalls eine „Liebeserklärung“ an den Strom, der seit Jahrtausenden das Leben in Bonn und der Region bestimmt. „Zwischen Hoch- und Niedrigwasser“ lautet der Titel ihres Erstlingswerks. Darin schlägt sie auf etwas mehr als 100 Seiten einen Bogen von der Entstehung, über Hoch- und Niedrigwasserrisiken bis hin zur gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung des Stroms für Umwelt und Gesellschaft. Ergänzt werden die verschiedenen Kapitel durch Fotos sowie Zitate einiger Persönlichkeiten. Neben Victor Hugo kommen Alan Watts sowie Heinrich Böll zu Wort. „Bonn und der Rhein gehören wie ein Zahnrad zusammen. Und das eine ohne das andere gibt es nicht“, sagt die 27-jährige Geografin. „Der Rhein ist eine Lebensader, die unser tägliches Leben beeinflusst.“ (...)

Gabriele Immenkeppel, General-Anzeiger (29./30.6.2019)

zurück



 
 

+++ Nach-Klang +++

Nun liegt der "zweite Streich" Ellen Klandts vor mir auf dem Tisch. Nach der Aufarbeitung einer Familienchronik zur Zeit und nach Ende des 2. Weltkrieges anhand von Originaldokumenten und -briefen ist jetzt die 68er Generation an der Reihe. Die Verfasserin, Jahrgang 1950, lässt kaum einen Zweifel daran, dass auch hier wieder selbst Erlebtes und Erlittenes die Hauptrolle spielen. Faktisch knüpft das Buch an den Vorgängerroman an, überspringt aber die 50er Jahre, verschlüsselt die Personen und verfeinert die Stilmittel. Vor allem tritt hier eine vermutlich fiktive Hauptperson ins Zentrum: der am Leben verzweifelnde, selbstvergessen Klavier spielende Quasi-Autist Friedrich, in dessen Person sich alle Strömungen der Zeit treffen oder widerspiegeln. Er fungiert als Dauer-Objekt der Begierde der Ich-Erzählerin, räumlich mal nah, mal getrennt, aber immer unerreichbar. Sein Lebensweg steuert unaufhaltsam auf den finalen Suizid zu. (...)

Mit viel Liebe zum Detail und Sympathie für die Akteure schildert die Autorin eine Zeitspanne, die sich fundamental von allem Voraufgegangenem und, wie wir heute wissen, auch von der nachfolgenden Digitalwelt unterscheidet. Im Briefmarkensammler-Jargon: eine abgeschlossene Epoche! Mit all ihren Verirrungen, Exzessen und Rechthabereien in gewissem Sinne eine Zeit der Unschuld. Friedrich ist daran und an sich selbst zerbrochen, die Verfasserin hat es überlebt, und ebenso wir, die Anderen.

Alexander Mühlen,  www.webcritics.de

zurück



 
 

+++Bunker und Beethoven +++

Einschneidende Erfahrungen

(...) Worum geht es in „Bunker und Beethoven - Mein friedvolles Jahr“ genau?
Ich habe als Wehrpflichtiger in einem NATO-Atomwaffenlager die surreale Endphase des Kalten Krieges erlebt. Das war für mich als 19-Jährigen eine einschneidende Erfahrung. Der Dezember 1988 war mein letzter Monat im Dienst. Im April 1989 begann ich mein Studium in Bonn. Dort habe ich dann die aufregende Wendezeit, diese unglaubliche Aufbruchstimmung der Freiheit und Friedfertigkeit erlebt. Das Buch ist eine Collage aus diesen beiden extrem unterschiedlichen Erfahrungen. Es endet am Tag der deutschen Einheit, am 3. Oktober 1990.

Wie ist die Idee zu diesem Buch eigentlich entstanden?
Sie kam mir spontan drei Tage nach den Terroranschlägen am 11. September. 9/11 war ein Riesenschock. Ich hatte unwillkürlich die Befürchtung, dass die friedlichsten Tage meines Lebens nun hinter mir liegen. Ich habe damals einen Tagebucheintrag geschrieben. Ich wollte meine Erlebnisse zuerst nur für mich persönlich festhalten. Aber dann kam mir der Gedanke, daraus ein Buch zu machen. Für viele Jüngere ist der Kalte Krieg ja schon weit entfernt.

Wie kam es. dass es jetzt erschienen ist?
Ich habe lange daran geschrieben. Im vergangenen Jahr habe ich mich entschieden, es zu forcieren und zu schauen, ob es publiziert werden kann. Vor 30 Jahren war alles streng geheim. Heute ist es längst Geschichte und wurde sogar schon in ZDF-History thematisiert. Dennoch hat es plötzlich eine erschreckende Aktualität erhalten, denn man liest jetzt wieder von atomarer Nachrüstung, Das beschäftigt mich persönlich sehr. (...)

die Fragen stellte Anne Fuhrmann, Kornwestheimer Zeitung (7.3.2019)
 

Als die Studenten vom Weltfrieden träumten

Genau 30 Jahre sei es her, erinnert sich Stephan Geiger an das fröhliche Kicken auf der Hofgartenwiese. „Wir“ (also die angehenden Philosophen, Archäologen und Historiker) „spielten bei fast jedem Wetter. Auch an trüben, nieseligen Aprilwochenenden.“ Bis sie sich „nass und drecktriefend“ wieder auf in ihre Studentenbuden in der Südstadt machten.  „Wer wollte, war dabei“ beim Fußballtraining, ob Portugiesen, Türken, Marokkaner, Rheinländer oder Sachsen, auch einige Studentinnen, weiß Geiger heute noch. Und während die jungen Leute im April 1989 unbekümmert den Doppelpass übten, schien die Großdemonstration von 1981 am selben Ort gegen Atomwaffen auf deutschem Boden vergessen. Es sei von 1988 bis 1990 eine aufregende Wendezeit gewesen, die er in Bonn erleben konnte, eine „unglaubliche Aufbruchstimmung der Freiheit und Friedfertigkeit“, sagt Geiger heute. (...) 

Auf dem Kaiserplatz erlebt er seine erste Demonstration mit, protestiert mit weißem Trauerband gegen das Gemetzel des chinesischen Regimes auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens. Geiger beschreibt, wie er mitjubelt, als Russlands Hoffnungsträger Michail Gorbatschow auf der Treppe zum Alten Rathaus ein Blumenkind küsst. Der Student steht 1989 auch im Regen vor dem Wasserwerk, um mit Jung und Alt das 40-Jährige der Bundesrepublik Deutschland zu feiern. Und das tut er sicher enthusiastischer als die meisten seiner Kommilitonen. Denn Geiger kontert seine beschaulichen Bonn-Erinnerungen hart mit Szenen seiner kurz davor erlebten Bundeswehrzeit in einem Nato-Atomwaffenlager. Da habe er die surreale Endphase des Kalten Krieges noch hautnah gespürt, blickt er zurück. Und genau aus dem Kontrast der  beiden Welten speist sich nun die Spannung in Geigers Buch. Kurz zuvor hatte sich der junge Mann im Bunker des Atomwaffenlagers gefürchtet. Und dann konnte er im Oktober 1990 auf dem Bonner  Marktplatz zur Feier der Wiedervereinigung Ludwig van Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ mitsingen.

Ihm sei in diesen Bonner Jahren ein besonderes Glück zuteil geworden, resümiert Stephan Geiger heute. Sein Buch wolle gerade in einer Zeit, in der schon wieder die atomare Nachrüstung geplant werde, an die Abgründe und auch an die Utopien zwischen 1988 und 1990 erinnern. Damals, als er erst Soldat und dann Student im friedlichen Bonn war.

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (15.10.2019)
 

Zwischen Atomsprengkopf und Friedensrausch

Wie hat ein junger Mann die Jahre 1988 bis 1990 erlebt?

(...) Die etwas mehr als zwei Jahre vedichtet Geiger auf präzise geschriebenen Skizzen mit reichlich Emotionen. Ob es die exakte Gefühlslage dieser Tage war oder ob sich diese Schicht später über das Erlebte gelegt hat, spielt keine Rolle. Zu gut beherrscht der Autor die Technik der Collage, die zu einem spannungsreichen und zugleich doch stimmigen Ganzen führt. An diesem Bild hat Geiger gewiss mitgearbeitet, aber wer wie er diese Wendejahre in der Zeit des Erwachsenwerdens miterlebt hat, kann sich in dem präsentierten Tableau ebenfalls wiederfinden.

Stefan Geigers Buch ist voller Kontraste und kluger Gedanken.(...)

Jörg-Peter Rau, Südkurier (9.11.2019)

zurück



 
 

 +++Die Turbulenzen des Herrn Rogalla +++

Wie Theos Urne verschwand

(...) Ebenso poetisch gestimmt wie weltfremd ist der Held, der im Mittelpunkt der neuen Geschichten von Maria Uleer steht. Die Kluft zwischen Traum und Wirklichkeit bringt ihn immer wieder in brisante wie brenzlige Situationen ... Aus den Höhen der Sprach- und Dichtkunst lässt die Autorin ihren Helden immer wieder auf die Nase fallen - etwa wenn er seine Frau mit einem Liebhaber ertappt, als Dozent in der Uni-Toilette die gekritzelten Sprüche der Studenten korrigiert, sich beim Anblick blaugrün lackierter Zehennägel im Krankenhaus vergebliche Hoffnungen macht oder in der Yogastunde über die Übungen „Katze“ und „Kobra“ stolpert. (...) 

Annette Schroeder, Kölner Stadt-Anzeiger (15.2.2019)
 

Der reine Tor, Parsifal und Hans im Glück

Rogalla, das klingt nach altem Hochadel und jungem Zechenlehrling, nach dem Herrn Bregulla aus ich weiß nicht mehr welchem HÖR-ZU-Roman. Rogalla ist der reine Tor, Parsifal und Hans im Glück, dem fast alles missrät, ohne dass dies seinem Selbstwertgefühl und seinem „mal wieder davon gekommen“-Dusel abträglich wäre. Immerhin tritt der Protagonist in „Ich-Form“, also mit der Stimme der Verfasserin, auf:

Es handelt sich um ein Faktum, dessen Vorkommen die Literaturkritik immer noch bezweifelt, nämlich dass eine starke Frau sich in einen – schwachen – Mann hineinversetzen und darüber einen längeren, überzeugenden Text schreiben könne. Zwei Dutzend Geschichten über einen Waschlappen namens Rogalla – das muss Frau erst mal durchhalten (...)

Schlussfazit: Es handelt sich sehr wohl um einen Roman mit Witz und Charme, die Bezeichnung "Geschichten" ist tief gestapelt

Alexander Mühlen,  www.webcritics.de
 

Der Pfau gehört jetzt Herrn Rogalla

Es sind der erste Satz und das Ende einer Geschichte, die Maria Uleer besonders lange umtreiben. „Ansonsten gibt es wirklich nichts, was zu banal ist, als dass mir dazu nichts einfiele“, meint die zierliche Frau lachend. (...)

„Ich schreibe immer Geschichten, die mit dem Alltag zu tun haben“, auch wenn die Handlung im Detail erfunden sei, sagt Uleer. Ihr aktuelles Buch „Die Turbulenzen des Herrn Rogalla“ ist von ihren Erlebnissen und  und Alltagsbegegnungen inspiriert. ... Sei es die Schreibwerkstatt, die sie selbst bis heute besucht, ihre Leidenschaft für Auktionen oder aber die „Toilettenprosa“, die ihren Helden ins Abseits befördert. Sein anfängliches Entsetzen über die Obszönitäten auf der Studententoilette, die obendrein nur so strotzen von grammatikalischen Vergehen und Rechtschreibefehlern lassen ihn aktiv werden (...) 

Martina Welt, General-Anzeiger (4.12.2019)

zurück



 
 

 +++ Knollenland +++

Neuer Roman „Knollenland“ von Herbert Pelzer

(...) Die Geschichte spiegelt gut das Lokalkolorit der hiesigen Gegend zu Beginn der 1960er Jahre wieder. Seine Inspiration war ein alter Zeitungsartikel, in dem über den Mord aus verschmähter Liebe an einem jungen Mädchen berichtet wurde, der vor langer Zeit in einem Dorf gar nicht weit von seinem Wohnort geschah. (...)

Karl Heinz Jansen, RurWeb (4.1.2019)
 

Ein Mord und besondere Beziehungen

(...) Herbert Pelzers Buch ist aber vor allem auch eine Geschichte voller menschlicher Abgründe. Dem kleinen Hans Helferstein und seiner Familie geht es gut, die Familie betreibt auf dem Land eine kleine Tankstelle, hat es nach dem Krieg zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Plötzlich wird der Vater krank, er stirbt. Der kleine Junge will fliehen, er hält es zu Hause nicht mehr aus. Sepp Preisler, der Glasbläser, ist dagegen ein richtiger Macker, ein Frauenheld, und Renate Ramacher, das schönste Mädchen im Dorf, ist seine Freundin. Sepp möchte seiner Renate näherkommen, als er mit ihr schlafen will, weist sie ihn jedoch ab. (...)

Rund ein Jahr hat Pelzer an seinem Roman gearbeitet - und am Ende hat er es sogar geschafft ein Happy End zu finden. „Natürlich möchte ich das nicht im Detail verraten“, sagt der Autor. „Aber eins kann ich schon sagen: Hans und Sepp treffen sich als alte Männer wieder. Und sie finden ihren Frieden.“ 

Sandra Kinkel, Aachener Zeitung (3.2.2019)
 

Dieses Heimatgefühl, dieses sich fallen lassen in eine wunderbare Geschichte

(...) Da ist es wieder … dieses Heimatgefühl, dieses sich fallen lassen in eine wunderbare Geschichte, die Eckdaten zur eigenen liefert. Beim Lesen von „Knollenland“ geht es mir ähnlich wie beim Schauen von „Der Junge muss an die frische Luft“. Ich kann den Mief der dörflichen Enge riechen, den Bohnerwachs im Kindergarten oder in der Schule, aber auch den Rodonkuchen in Omas Backofen. Kerkelings Film und Pelzers Buch kommen wunderbar unaufgeregt daher. Und das, obwohl es bei Kerkeling einen Suizid und bei Pelzer einen Mord gibt … und in beiden Geschichten muss ein Junge ein Elternteil zu Grabe tragen.

„Knollenland“ erzählt die Geschichte der Familien Helfenstein und Preissler, die in Niebich leben. Einem fiktiven Dorf im Nörvenicher Umland. Die Menschen und ihr Handeln sind noch von den Entbehrungen und Verletzungen des Krieges geprägt. Und dem ausgeprägten Wunsch nach klaren Regeln, die auch schon mal die Luft zum Atmen nehmen können. Das Leben des Knaben Hans und des Halbstarken Sepp gerät am gleichen Tag aus den Fugen. (...)

WeyerFrau

zurück



 
 

+++Vorhang auf +++


Emotionale Intensität und 100 Minuten im Stau

(...) Der ehemalige Vorsitzende der Freunde der Kammerspiele lässt die fünf Jahre der Amtszeit Nicola Bramkamps als Schauspieldirektorin am Theater Bonn Revue passieren. (...) 

Der Autor erzählt die Vorgeschichte der Ära Brakamp und dokumentiert im Folgenden meinungsfreudig, was zwischen 2013 und 2018 auf den Bühnen zu sehen war, wie die Kritiker darauf reagierten und wie viele Besucher die Inszenierungen anlockten. So lassen sich die Höhen und Tiefen der Arbeit Brakamps und ihrer Kollegen auf unterhaltsame und informative Weise noch einmal nacherleben. (...)

Dietmar Kanthak, General-Anzeiger (25. Januar 2019)

zurück



 

+++ Bring doch Kuchen mit ... +++


Es begann am Bücherschrank

(...) In Rheinbach und Umgebung hat die Veranstaltung „TextProbe“ einen guten Namen.(...) Als im Februar 2015 der Oberdreeser Autor Günter Detro bei der neunten „TextProbe“ seine Kurzgeschichte „Über das Bücherregal“ vortrug, lauschten die Zuhörer in der Bibliothek des Städtischen Gymnasiums gebannt der Erzählung um René Seiler, der in einem Buch, das er dem öffentlichen Bücherregal entnimmt, eine Karte mit einer mysteriösen Einladung zum Tee entdeckt. Er verliebt sich in die Frau auf dem Foto auf der Rückseite.

„Bei der Geschichte hatte ich den Offenen Bücherschrank in der Raiffeisenpassage (in Rheinbach) vor Augen“, erklärt Detro, der sich ehrenamtlich um die Pflege des Regals kümmert, (...) „Er war meine Inspiration und für die beiden Protagonisten in meinem Buch ändert er alles.“

(„TextProbe“-)Moderator Lothar Tolksdorf lobte den Text mit seinem überraschenden Ende als typisches Beispiel für eine gelungene Kurzgeschichte. In der anschließenden lebhaften Diskussion kam aus dem Publikum die Anregung an den Autor, die Geschichte doch zu einem Roman auszubauen. Gesagt, getan. „Schnell merkte ich, dass die Geschichte tatsächlich noch nicht zu Ende erzählt war“, erläutert Detro. Insgesamt drei Jahre arbeitete er an dem Manuskript und vergoss dabei manchen Tropfen Autorenschweiß. (...)

Gerd Engel, Rheinbacher.de (4. Dezember 2018)
 

Eine stete Mahnung, miteinander zu kommunizieren

(...) Deutlich gefärbt mit Lokalkolorit besticht dieses rund 170 Seiten starke Buch, ... , neben dem für Detro typischen Sprachspiel und der feinen Beobachtungsgabe durch viel Tiefsinn. In den Mittelpunkt hat der in Oberdrees lebende Autor das Problem mangelnder Kommunikation in der Gesellschaft und deren Folgen für zwischenmenschliche Beziehungen gerückt. Dabei verknüpft er den Generationenkonflikt literarisch mit der Lebensgeschichte und den sich daraus ergebenden Entwicklungen im Werdegang zweier unterschiedlicher Charaktere. (...)

Hendrikje Krancke, General-Anzeiger (24. Dezember 2018)

zurück



 

+++ Immer wieder +++


Keine Lektüre für zarte Seelen

(...) Viele Jahre knackte der aus Freiburg gebürtige Studienrat an seinem Buch, das die fiktive Geschichte eines jungen Paares erzählt, als sich die Situation in Bosnien im Jahr 1989 vor Kriegsbeginn im früheren Jugoslawien zuspitzt. Das Paar und sein kleiner Sohn leben in einer kleinen Stadt, in der es neben der muslimischen Mehrheitsbevölkerung auch Serben und Kroaten gibt. Doch der Krieg macht aus Freunden und Nachbarn plötzlich Feinde. Die Eheleute flüchten mit ihrem Sohn über Österreich nach Dänemark. Doch die Erinnerung an die Heimat und die Erlebnisse lassen sie nicht los. 

Der Geschichts- und Deutschlehrer hatte beim Zugang seines Buches eine merkwürdige Herangehensweise. Er fing mit einem Kapitel mitten im Buch an. Er kannte den Anfang, aber nicht das Ende. Schon seit den 90er Jahren wollte Longerich über die Konflikte im früheren Jugoslawien schreiben. Den Stoff dazu fand er in den Erzählungen der Klassenkameraden seiner Söhne und der Schüler des Gymnasiums, als die ersten Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet nach Dänemark und damit auch nach Tondern kamen.(...) 

Für ihn habe der Titel „Immer wieder“ – die Gedanken bei seinen Hauptfiguren kehren immer wieder – von Anfang an festgestanden. Frei nach dem Motto der Bremer Stadtmusikanten „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“ ließ er seine beiden Protagonisten auf die Flucht gehen, die in Dänemark endete, aber nicht mit einem Happy End. „Das Buch eignet sich aufgrund seiner Handlung nicht als Lektüre, wenn man sich damit ein paar gemütliche Stunden machen will“, meint Longerich selbst. (...)

Brigitta Lassen, Der Nordschleswiger (19. August 2018)
 

Das vierte Kind des Oberstudienrats wurde viereckig

(...) ”Immer wieder” ist reine Fiktion, aber die Handlung basiert auf Geschichten und Erfahrungen aus der eigenen Erfahrungswelt des Autors.

Die Hauptpersonen sind Bosnier, die Anfang der neunziger Jahre von der Stadt Kozarac und dem Bürgerkrieg in Jugoslawien fliehen. Sie kommen nach Dänemark, und die Handlung spielt im Spannungsfeld zwischen den Erlebnissen, die die Hauptpersonen mit sich tragen, und dem Leben, das sie in dem neuen Land aufzubauen versuchen.

„Es ist kein Kriminalroman, sondern eine dramatische und sehr traurige Geschichte, in der es nicht sehr viele Lichtblicke für die Hauptpersonen gibt“, verrät der Autor. (…)

(…) seit dem 1. August kann das Buch (…) gekauft werden. Vorläufig nur auf Deutsch, aber der Autor hat eine stille Hoffnung, dass es ins Dänische übersetzt wird. Nicht zuletzt spielt über die Hälfte der Handlung in Dänemark, vor allem in Aalborg und Esbjerg. (…)

Uwe Iwersen, JydskeVestkysten (12. August 2018 / orig. in Dänisch - eigene Übersetzung)
 

Von Krieg, Flucht und Integration einer Familie 

(...) Dieser Roman von Michael Longerich ist realistisch und beschönigt nichts, vor allem öffnet er schonungslos die Augen vor diesen Erfahrungen von Krieg, Flucht und schwieriger Integration. Als Motto stellt er dem Roman ein Zitat aus dem Märchen der Bremer Stadtmusikanten voran: "Etwas Besseres als den Tod findest du überall."

Georg Voß, Badische Zeitung (2. Oktober 2018)

zurück



 
 

+++ Mahlerische Reise am Nieder-Rhein 1783 +++


Eine Fundgrube

(...) Der Bonner Historiker Norbert Flörken hat den Reisebericht des Arztes (Bernhard Constantin von Schönebeck) jetzt neu herausgegeben. "Die Beschreibung des (Bonner) Schlosses, des Marktplatzes und der sonstigen Örtlichkeiten sind zutreffend", sagt Flörken. Aufschlussreich seien auch Schilderungen des Schlosses, des heutigen Universitäts-Hauptgebäudes. Der Arzt beschreibe noch einmal das Bonn vor der Französischen Revolution - ein wertvolles Dokument. (…)

Das Resultat ist auf jeden Fall eine Fundgrube. Wenngleich die "Mahlerische Reise" natürlich nicht ganz leicht zu lesen ist, weil Flörken dem mehr als 200 Jahre alten Text seinen Originalsprachton und seine Schreibweise bewusst belässt. Doch historisch Interessierte werden ihre Freude haben. 

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (6./7. Oktober 2018)

zurück



 
 

+++ Rotes Dreieck +++


Sprechblasenfabrik

(...) Im Buch geht es um Marlene Meyer. Die schreibt gerne und recht gut, nur kann sie damit meist nichts verdienen. Also geht sie den Weg, den viele gehen müssen und manche sogar wollen: Sie arbeitet als Internet-Texterin für eine PR-Agentur. Und damit beginnt das Elend. Sie verfügt eben nicht über die Gabe, ihr Gehirn abzuschalten, sie ertappt sich, wie sie ihr Werkzeug, die Sprache, missbraucht, um irgendwelchen Leuten irgendwelchen Mist anzudrehen. Sie schreibt mit "Fingern aus Plastik (auf) Plastiktasten Plastikworte". (…)

Es (das Buch) ist eine gnadenlos entlarvende und ehrliche Beschreibung eines Politikbetriebs, der nur um sich selber kreist und längst vergessen hat, wofür man angetreten war. Und komme jetzt keiner unserer "besorgten" Bürger mit der AfD, weil die doch ganz anders sind ... Sind sie nicht. ... "Rotes Dreieck" beschreibt den Zustand eines Landes, in dem Probleme nicht mehr gelöst, sondern nur noch anders benannt werden, in dem Sprachregelungen und Formelkompromisse tatsächliche Politik ersetzen. (...) 

Stefan Buchenau, zero (Juli/ August 2018)
 

Im doppelten Sinne aufgeklärt

Titel und Klappentext überzeugen mich in Sekunden, ich stürze mich in die Zeilen, will  in meinem idealistischen und immer wieder scheiternden Sprachsetzungs- und Weltverbesserungsversuchen abgeholt werden, bin fasziniert von den miteinander verschränkten Textebenen, springe zwischen der neutralen Erzählung in das Notizbuch der Protagonistin, zurück in die Erzählung, darf mich da aber nicht gemütlich einnisten, werde herausgerissen durch eine sich einmischende und mich ansprechende allwissende Autorin (sie weiß seltsam oft auch, was ich denke), …

Als Leserin werde ich im doppelten Sinne aufgeklärt: zum Einen auf der Ebene der Geschichte, wenn ich mit Marlene vor Wände renne und in Abgründe blicke, zum Anderen von der Autorin, die von all den Machenschaften im Politgeschäft und was sie mit den Menschen machen nicht nur erzählt, sondern die sie erläuternd zuspitzt – immer wieder erinnert sie mich daran, um was es geht. „Das einzig Wahre in der Public Relation, teuerste Leserin, ist die Ware. […] PR inthronisiert das Nichts, vor dem Marlene meditiert, Worte zwanghaft wörtlich nimmt und tatsächlich glaubt, es ginge um die richtige Richtung, irgendwie links. Irgendwie süß, oder?“ (S. 90). (...) 

Kirsten Alers, Segeberger Briefe 97 (Heft 2 / Juli 2018)
 

In der PR-Maschinerie

(...) In der aktuellen deutschsprachigen Literatur gibt es erstaunlich wenige Bücher, die sich mit den Mühen des Arbeitslebens beschäftigen. Entweder sind die Schriftsteller zu gut subventioniert (sicher falsch) oder sie sind materiell anspruchslos (schon eher) oder so idealistisch (vielleicht auch), dass ihnen das schnöde Geldverdienen nicht der Rede wert ist. Rühmliche Ausnahmen sind beispielsweise Bernd Cailloux‘ Das Geschäftsjahr 1968/69 (2005), ein Roman über die Erfinder des Stroboskop-Diskolichtes, und Terézia Moras Der einzige Mann auf dem Kontinent (2009) über einen gründlich verschalteten IT-Vertriebsmenschen. Ziemlich sicher gibt es ein paar mehr Bücher, die in diese Reihe gehörten, und ganz sicher ist Katharina Körtings Roman Rotes Dreieck ein glänzendes Beispiel von zeitgenössischer „Literatur aus der Arbeitswelt“, die – zumindest in der Kreativwirtschaft – eine durch und durch prekäre geworden ist. (...) 

Werner Schandoredition schreibkraft

zurück



 
 

+++ Kindheitsgärten +++


Zauber der Natur und der Erinnerung

Dies Büchlein vermag seine Leser wahrhaft zu verzaubern. Es weckt die Liebe und Sehnsucht nach dem Wachsen, Grünen, Blühen, Duften, Reifen der Natur, dem Leben mit den Jahreszeiten ebenso wie die Sehnsucht nach der Erinnerung an die eigene Kindheit, jene Zeit, in der Nachmittage endlos waren, die Welt intensiv duftete und leuchtete und das Kind mit seinen Sorgen und Ängsten dennoch getröstet und geborgen war. Was für ein Geschenk - für sich und andere …

Benedikt Maria Trappen
 

Die Vermessung der Welt im Kindheitsgarten

(...) Ihre Leser führt die Autorin im Buch übrigens nicht nur am Mehlemer Bahndamm entlang, sondern auch in „Onkel Bens“ Godesberger Garten im Villenviertel, wo „das Kind“ auf Besuch immer mit Leib und Seele in eine verwunschene Dornröschenwelt eintaucht. Für den Onkel, den „Compositeur“, ist sein Garten Refugium seiner künstlerischen Weltflucht. Für die Nichte bedeutet er ganz einfach den „Duftrosengarten“, dessen betörenden Gerüchen sie noch heute sehnsuchtsvoll nachzuspüren versucht.

Dabei hört sie wie im Traum wieder, wie der Onkel vom Haus aus Beethoven'sche Klaviersonaten spielt. Lamers hat kürzlich einmal von außen in diesen Garten an der Hohenzollernstraße zu blicken versucht. „Auch da ist alles kleiner, als ich es in Erinnerung habe.“

Im Buch hat sie eigene und Gedichte bekannter Lyriker mit auf die Seiten verstreut. Dazu kommen einfühlsame Scherenschnitte von Brigitte Springmann, die den beinahe entrückten Charme dieses Büchleins mit dem sanftgelben Cover noch verstärken.

Die Gartenbuchautorin Dorothée Waechter hat Lamers ein Vorwort geschrieben. Die von Lamers beschriebene Kindheit erweise sich als Entdeckungsreise durch die Welt, konstatiert Waechter. Diese Welt müsse nicht weit und groß sein. „Der Radius reicht nur bis in den Garten, der aber zum Medium erster Weltverhältnisse gedeihen kann.“ Die Vermessung der Welt dieses kleinen Godesberger Kriegskinds findet also in den Gärten der alten Bäderstadt statt. (...)

Ebba Hagenberg-Miliu,  General-Anzeiger (16.8.2018)
 

Immer wahrhaftig

(...) Diese kleinen Geschichten über das kindliche sich Aneignen von Welt bleiben immer wahrhaftig. Kongenial werden sie ergänzt durch die pflanzlichen Scherenschnitte von Brigitte Springmann. In der gewählten altmeisterlichen, altmodischen Form dank unverkennbar wissendem Auge und geübter Hand bilden sie ein wunderbares Pendant zu den sehr persönlichen Schilderungen der Autorin. (...)

Kai Haberland,  Grüner Anzeiger für Pflanzen und Garten (1|2019)
 

Antworten auf das innere Sein

Ein anregendes schmales Bändchen. Interessant fand ich besonders die Schilderungen, in denen die beeindruckbare, unbeschriebene und doch vorgeprägte Kinderseele Antworten auf das innere Sein erhält, sei es eine menschliche Begegnung oder ein besonderes Erlebnis im Garten mit den Pflanzen, Zeugnis der innerseelischen Kommunikation und des Echolotes unserer Welt, die sie spannend und auch im tieferen Sinn erfahrbar werden läßt.

Ulrike Kirchhoff

zurück



 
 

+++ Eine Uhr schlug Mitternacht ... +++


Wie auf einer weichen Wolke

(...) Eine besondere Form der Satzmelodie zaubert Autor Günter Detro. Der 68 Jahre alte pensionierte Lehrer aus Rheinbach-Oberdrees kreiert kuriose und kriminelle Kurzgeschichten voller Wortwitz. Wenn sein Ermittler fragt: „Und wie heißt der Kopf der Gang?“, antwortet sein Kollege „Vermutlich Wolf“. Die Wortspiele und satirischen Anmerkungen lassen den Leser wie auf einer weichen Wolke über die Worte gleiten. (...)

Mario Quadt, General-Anzeiger (29.4.2018)

zurück



 
 

+++Natalies Sinfonie +++


Kurzgeschichten über Identität und Selbstzweifel

Eigentlich sind sich Lina und Natalie ein wenig fremd. Beide sind Anfang 20, haben durchaus manches gemeinsam und können sich dann doch nicht immer ganz verstehen. Dabei müsste es eigentlich anders sein, denn Natalie ist Fiktion. Sie ist Hauptcharakter in der Kurzgeschichten-Reihe „Natalies Sinfonie“, und entspringt der Feder der Nachwuchsautorin Lina Thiede. Über ihre Figur weiß sie aber noch lange nicht alles: „Natalie muss ich erst noch richtig kennenlernen, ich versuche sie selbst immer noch zu verstehen“, erzählt die junge Bonner Schriftstellerin im Gespräch. „Das geht aber nur, wenn ich noch viele weitere Texte über sie schreibe.“ (...)

Marcel Hönighausen, Bonner Rundschau (3.4.2018)

zurück



 
 

+++ Freunde, nicht diese Töne +++


Wenn Beethoven der letzte Hörende wäre

Mit der Erzählung „Freunde, nicht diese Töne“ hat Autor Falk Andreas Funke den Godesberger Literaturwettbewerb gewonnen.

Seine zunehmende Schwerhörigkeit muss für Beethoven niederschmetternd gewesen sein. Doch was wäre, wenn es ganz anders gekommen wäre; wenn sein Gehör Jahr um Jahr empfindlicher, die seiner Mitmenschen – ja von ganz Wien – indes immer schlechter geworden wäre? Genau auf dieser Annahme, dieser Vision, fußt die kurze Erzählung des mit Herz und Seele Wuppertaler Autors Falk Andreas Funke, der mit dem ersten Preis des 7. Bad Godesberger Literaturwettbewerbs ausgezeichnet wurde. 

Die kondensierte Geschichte – kleine Formen sind ganz und gar Funkes Metier, da fühlt er sich zu Hause, was sich auch in seiner Lyrik spiegelt – beschreibt auf unterhaltsame, mit viel Liebe zur bildreichen Sprachlichkeit gespickten Erzählweise diese sonderbare Umkehrung der Lebenssituation des aus Bonn stammenden Komponisten.

Schließlich wird die Erzählung in der Uraufführung von Beethovens 9. Sinfonie kulminieren – vor einem nahezu gänzlich gehörlosen Publikum und mit hochgradig schwerhörigen Musikern. Einzig Beethoven, der am Ende sogar das metaphysische zu hören vermag, bleibt als der letzte Hörende übrig. (...)

Oskar Christian Gaszi Laki, WZ (19.1.2018)

zurück



 
 

+++ Die besten Kugel-Schreiber 2018+++


Martin Möllerkies gewinnt zum zweiten Mal Lyrikpreis

Er hat es schon wieder getan: Martin Möllerkies gewann zum zweiten Mal hintereinander die „Wachtberger Kugel“ und setzte sich diesmal gegen 410 Mitbewerber durch. So viele Autoren aus ganz Deutschland und aus benachbarten Ländern bewarben sich mit ihren komischen Gedichten um den Wachtberger Lyrikpreis, der zum zweiten Mal ausgeschrieben worden war. Bei der Premiere im vergangenen Jahr hatte der 56-jährige Hamburger nicht nur den Jurypreis, sondern auch den Publikumspreis gewonnen. (...)

„Martin Möllerkies’ Gedichte überzeugen mit ihren fein- und vor allem tiefsinnigen Reim- und Wortspielereien“, so begründeten die beiden Erfinder des Wettbewerbs, Dieter Dresen und Herbert Reichelt, das Urteil der Jury. Man spüre jederzeit die pure Freude an komischen Sprachkonstruktionen und erkenne ein genaues, sensibles Sprachgefühl. „Er hat einen tiefgründigen, auch sarkastischen Humor, der immer wieder Lust auf mehr macht“, so Dresen in seiner Laudatio.  (...)

Volker Jost, Bonner Rundschau (14.1.2018)

zurück



 
 

+++ Bonner Soldaten in Napoleons Armee +++


Bonner Soldaten starben in Napoleons Armee

(...) Historiker Norbert Flörken hat im Bonner Stadtarchiv und in der Uni-Bibliothek 24 Briefe von fünf heimischen Rekruten wie Stephan Wahlen ausgegraben und in seinem Buch „Bonner Soldaten in Napoleons Armee. Zeugnisse der Jahre 1809-1815“ erstmals zusammengestellt. „Die Kriegslust kitzelten“ sie wahrlich nicht, erläutert Autor Flörken. Dabei waren sie als „Soldatenbriefe der Väter und Großväter“ vor dem Ersten Weltkrieg genau mit diesem Ziel gesammelt worden. Doch die Dokumente der schlichten Bonner Napoleonkämpfer dürften die Nachgeborenen wohl kaum zu den Fahnen getrieben haben. Spiegelten sie doch das erschreckende Leben hilfloser einfacher Soldaten.

„In den Erinnerungen werden aber vor allem auch die Gräuel des Kriegs drastisch geschildert“, sagt Flörken. Die hat Wahlen, der kleine Soldat im 36. Infanterieregiment Frankreichs, nämlich schon 1811 bei Calais erlebt. „Das Soldatenleben ist mir so verleidet, dass ich mir selber ein Leid antun könnte. Es kommt auch keiner davon, bis er nicht krumm und lahm geschossen ist“, steht in einem Brief, den seine Eltern sicher mit großem Schmerz lasen. Suizidgefährdet war ihr Junge also inzwischen. (...)

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (1.3.2018)

zurück



 
 

+++ Gionos Lächeln +++


der kleine prinz auf seinem ich-planeten oder die kunst der narzißtischen selbstkritik

ulrich bergmanns roman ist, unter anderem anknüpfend an figuren und motive aus seinem roman „Doppelhimmel“ von 2012, ein lebensresümee mit rückblicken auf seine kindheit und andere lebenszeiten, die teils traumartig auftauchen, größenphantasien inbegriffen, ja zu einem träumerischen gang durch das eigene leben werden. auch denkfiguren der „Arthurgeschichten“, die 2005 als buch erschienen, erkennt der leser wieder, so in gedanken an die transzendenz. 

die hauptfigur janus rippe begegnet in einem pariser hotel dem französischen schriftsteller jean giono, spricht fiktiv mit ihm und verinnerlicht seinen blick für die eigenen betrachtungen des lebens: „und als er in die Schwärze seines Zimmers schräg über dem Eingang des kleinen Hotels zurücktrat, fühlte ich seine Augen unter meinem Schädel.“ der erzähler beschreibt und reflektiert den ichundglückskult seiner figur, während sich, eingebunden in szenen eines paris-aufenthalts, immer wieder momente der kindheit ins aktuelle erleben schieben.

parallel spricht janus, der wie der kleine prinz bei saint-exupéry auf seinem ich-planeten von der schönen welt träumt, und die meisten träume sind narzißtisch, mit stella, einer lebensrat gebenden und das spielerisch phantasmagorische leben kritisch hinterfragenden frauenfigur, die ihn auf paradoxien seines traumlebens hinweist und der er entgegnet: „Ich stehe fest auf dem Boden des Traums.“ an anderer stelle sagt er: „Ich lebe nach der Art der Dichter. Meine Einbildungen sind gemacht, um in der Welt zu wohnen, die ich mir baue.“ ulrich bergmann, ein früchtepflücker im regenwald der kultur, konnte seine lebenskunst entfalten, gerade weil er nie als künstler leben mußte. liebe zum leben bedeutet ihm vor allem liebe zur kunst, die lebenskunst inbegriffen. manchmal könnte man glauben, er selbst sei eine aus der zeit gefallene opernfigur. die beste aller welten wäre für ihn eine nie endende lebensoper. (...)

die letzte botschaft von janus könnte lauten: wenn ich sterbe, geht die welt verloren. rainer maria rilke schrieb: „Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe? / Ich bin dein Krug (wenn ich zerscherbe?) / Ich bin dein Trank (wenn ich verderbe?) / Bin dein Gewand und dein Gewerbe, / mit mir verlierst du deinen Sinn.“ elias canetti, der in seinem postumen „Buch gegen den Tod“ erklärte, der sonne und dem tod könne man nicht fest in die augen schauen, meinte, der tod sei von gott und habe seinen vater gefressen. den narziß janus, der sein eigener gott ist, greift das nicht an. bei ihm heißt es: „Kein Gott ist so stark wie ich, nicht einmal der Allmächtige.“ 

 Holger Benkel

zurück



 
 

+++ Mann mit Hut +++


Könnte glatt von Ringelnatz sein

(...) Die Geschichte vom Mann, der seinen Hut spazieren führt, könnte glatt von Ringelnatz sein. Ist sie aber nicht. Sondern von Anja Martin. Sie handelt von einem passionierten Spaziergänger, dem seine Frau einen Hut schenkt, nicht irgendeinen, sondern einen flotten Stetson mit breiter Krempe. Doch das Präsent kommt nicht so gut an. Fortan setzt der Mann, wenn er das Haus verlässt, seinen Hut nicht auf den Kopf, sondern nimmt ihn an die Leine.

Die Geschichte nimmt noch einige kuriose Wendungen, genauso wie die Geschichte vom Zahnarzt, der das Gebiss seiner Frau versteckt. Nicht aus Bosheit, sondern weil er – nach Jahrzehnten Berufspraxis – Münder ohne Zähne am schönsten findet. Das klingt zunächst reichlich absurd, aber Anja Martin schafft es, diese Einfälle so zu weiter zu stricken, dass der Leser sich und seinen Alltag darin wiederfinden kann. (...)

Matthias Nofze, General-Anzeiger (5.12.2017)
 

Liebevolles Buch mit viel Wortwitz

Zum achten Mal hat der Verein Literatur in Krefeld (LiK) zu seiner Reihe „Literatur am Nachmittag“ eingeladen. Anja Martin hat aus ihrem Buch „Mann mit Hut. Skurrile Geschichten“ gelesen, das die Krefelderin Barbara Freundlieb illustriert hat.  (...) Die beiden Damen kennen sich schon lange: „Wir sind in Düren zusammen zur Schule gegangen“, berichtet Martin, die in Bonn lebt und arbeitet. „In der fünften Klasse war ich schwer beeindruckt, als Anja ein selbstverfasstes Buch mit in die Schule brachte und es auch gleich verkaufte“, erinnert sich Freundlieb.

Bei Klassentreffen begegneten die beiden sich wieder. „Als ich nun mein erstes Buch veröffentlichen wollte, habe ich Barbara gefragt, ob sie es illustrieren möchte.“ Diese Zusammenarbeit ist gelungen — beide zeichnet ein liebevoller und freundlicher Blick auf die Menschen aus. Zum Beispiel in der Titelgeschichte: Ein Mann geht täglich mit seinem Hut spazieren. Allerdings nicht auf dem Kopfe, sondern an der Leine — seine Frau hatte ihm den Stetson geschenkt mit dem Hinweis, der Hut werde ihn beschützen. Aus Zuneigung korrigiert sie ihn nicht, wenn er die Kopfbedeckung anleint und sich auf den Weg macht. Das ist skurril, überraschend und liebenswert — wie alle Geschichten in dieser Sammlung. (...)

Christina Schulte, Westdeutsche Zeitung (11.6.2018)

zurück



 
 

+++ Der Kuss des Delta +++


Komische Gedichte

(...) Reichelt steht in guter Tradition von Ringelnatz, Erhardt, Gernhardt, und man merkt auch seinem neuen Buch Der Kuss des Delta und weitere Gedichte an, wie lustvoll er Verse schmiedet. Wortgewandt und meist auch sehr scharfsinnig sind seine Beobachtungen über die Tücken des Alltags, genauso wie seine Ausflüge in die Welt der Politik (etwa über den »Schulzzug«), der Gesundheit oder der Kunst.

Reichelt spielt gern mit Sprache und ihm gelingt es selbst dann, ein unterhaltsames, komisches Gedicht zu bauen, wenn er sich formale Schranken aufbaut, die nahezu unüberwindlich scheinen, wie bei seinem Sonett-Experiment »Wilde Weingelage oder: Entschuldigung in aller Form«. Noch stärker allerdings sind seine Verse, wenn er einfach nur süffisant beobachtet:

»Im Bus ist’s immer mal zu hören
›Bin Johannes-Kirche jetzt.‹
Ich lass mich nicht davon verstören
wenn jemand solchen Unsinn schwätzt.

Denn schließlich seh’ ich ganz genau:
Der Mensch ist doch kein Gotteshaus
und wirkt auch sonst vom Körperbau
eher wie Lukas oder Klaus.«

Nicht minder lesenswert: die »Trauerrede von Klawede« oder die Parodien auf abgedrehte Rezensionen aus dem Feuilleton des Bonner General-Anzeigers.

Harald Gesterkamp, Schnüss 11|2017

zurück



 
 

+++ Torben im Turm +++


Schreiben kann Jugendlichen helfen

Interview mit Gesine Cahenzli. Die Fragen stellte Uthe Martin. 

„Torben im Turm“ ist Ihr zweites Buch. Im Mittelpunkt steht ein 13 Jahre alter Junge. Worum geht es in dieser Geschichte?
Es geht um den dreizehnjährigen Torben, der sich aus Angst vor seinem psychisch kranken Vater in einem alten Leuchtturm versteckt und darum, wie er einen Weg findet, den düsteren Schatten seiner Erinnerung zu entkommen.

Als Leser leidet man mit dem Jungen, der sich isoliert und in eine scheinbar ausweglose Lebenssituation manövriert wird. Torbens Vater sieht sich von grausamen Göttern verfolgt. Da wünscht man sich für den Jungen einen gütigen Gott, der ihm hilft. Sie sehen aber Religion nicht als Ausweg?
Ich denke, dass Torben vor allem Menschen braucht, denen er sich anvertrauen kann und die in der Lage sind, ihm aus seiner inneren Not herauszuhelfen. Dies kann sowohl in einem kirchlichen als auch in einem weltlichen Rahmen stattfinden.

Offenbar gibt es keinen einzigen Menschen, an den sich Torben wenden will, die Familie hält nach außen zusammen, aber weder Mutter noch Schwester wissen sich oder einander zu helfen. Torben soll also seine innere Stärke entdecken und selbst einen Ausweg finden? Das scheint viel verlangt von einem 13-Jährigen ...
Torben spürt von klein auf, dass seine Mutter oft verzweifelt ist und will sie nicht zusätzlich belasten. Zudem ist sie gerade verreist, als Torben einen Brief seines Vaters findet, der ihn zur Flucht veranlasst. Zu seiner Schwester Frieda hat Torben zwar ein recht gutes Verhältnis, doch ist sie bereits ausgezogen, als er von Zuhause wegläuft. Tatsächlich ist Torben ein Kind, das durch seine häusliche Situation überfordert wird.

Schließlich bekommt er wie durch ein Wunder doch Hilfe von außen, von einem Fremden, aber erst, als er benennen und im wahrsten Sinne des Worte beschreiben kann, was ihn bedrückt. Das Schreiben hilft ihm. Sie leiten eine AG für kreatives Schreiben. Ist das Wissen um die vielen „Torbens“ mit ein Grund dafür, dass Sie dieses Angebot machen?
Ursprünglich wollte ich einfach meine Begeisterung fürs Schreiben weitergeben. Aber ich denke schon, dass das Schreiben den Jugendlichen auch bei der Verarbeitung ihrer Erfahrungen behilflich sein kann. (...)

Das vollständige Interview mit der Autorin, Angaben zur Person und zum Inhalt des Jugendbuches finden Sie im Südkurier (11.10.2017)

zurück



 
 

+++ Zwei schöne Fensterplätze in den Krieg +++


Wenn Vater und Mutter zu Fremden werden

(...) Es ist dieser Moment im Buch von Ellen Klandt, der ungemein schmerzt: Die 1950 geborene pensionierte Lehrerin hält nach dem Tod der Eltern deren Liebesbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg in Händen – und sie begegnet „zwei Fremden“, die sie fast nicht wiedererkennt. „Was in ihrer Jugend und dann während des Kriegs war, haben sie uns Töchtern nie erzählt. Ich habe nie Antworten bekommen“, meint Klandt immer noch fassungslos und betrachtet zwei Fotos: das der blutjungen Mutter, anfangs Verkäuferin aus der Kölnstraße, und das des wenig älteren Vaters in Wehrmachtsuniform, der wenigstens ein halbes Lächeln versucht.

Klandt ist anhand der Briefe plötzlich eines klar geworden: Bevor die Mutter 1944 die Bombenangriffe auf Bonn zu überleben versuchte, war der Vater Teil der Truppe gewesen, die die berühmt-berüchtigte Blockade Leningrads ausgeführt hatte. 1,1 Millionen Russen fielen ihr zum Opfer. Die Deutschen hatten sie systematisch verhungern lassen. Der Vater war an einem Kriegsverbrechen beteiligt gewesen. (...)

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (13.2.2018)

zurück



 
 

 +++ Durch die Jahre +++


Ein Fenster in ihre eigene Vergangenheit geöffnet

(...) Für den (Nörvenicher) Geschichtsverein hat Herbert Pelzer zwei Veröffentlichungen geschrieben, jetzt ist mit „Durch die Jahre“ sein erster Roman erschienen – basierend auf einer wahren Begebenheit, der Geschichte des Juden Josef Treu. Diese hat ihre Wurzeln im Dürener Land, wo genau spielt für Pelzer keine Rolle. „Diese Geschichte hätte sich überall so oder so ähnlich in Hitler-Deutschland ereignen können“, sagt er. (…)

„Ich kannte diese Geschichte“, sagt Herbert Pelzer. „Sie hat mich tief bewegt, deswegen habe ich sie recherchiert. Dass ich dieses Buch geschrieben habe, war fast schon eine logische Konsequenz.“ 

Der Hobby-Historiker hat Angehörige der Treus in Mexiko ausfindig gemacht. „Die Nachkommen der Treus sind total begeistert, dass ich dieses Buch über ihre Vorfahren geschrieben habe. Sie sagen, dass ich ihnen damit ein Fenster in ihre eigene Vergangenheit geöffnet habe.“ (...)

Sandra Kinkel, Aachener Zeitung (30.9.2017)
 

Eine jüdische Familiensaga

(...) Herbert Pelzer hat auf mehr als 400 Seiten ein umfangreiches und gut recherchiertes Werk vorgelegt, das aufzeigt, wie der Nazi-Terror bis ins kleinste Dorf reichte. Die Stärken des Buchs  liegen in den detailreichen und ergreifenden Beschreibungen des Alltags. (...)

Harald Gesterkamp, Schnüss 10|2017

zurück



 
 

+++Van Gogh des 21. Jahrhunderts +++


Blick in einen tiefschwarzen Spiegel

(...) Die Graphic Novel Van Gogh des 21. Jahrhunderts ist somit nicht nur etwas für Kunstkenner, auch wenn Anspielungen auf moderne Kunst die gesamte Story durchziehen. Er ist auch etwas für Freunde des schwarzen Humors und Fans verrückter Geschichten, die in ungewöhnlichen und ausdrucksstarken Zeichnungen erzählt werden. Und er ist etwas für alle Philosophen dieser Welt, die sich fragen: Ist der Mensch von Natur aus schlecht? Gibt es das Gute? Wird unsere Welt irgendwann den Bach runtergehen oder ist sie das schon längst? 

Anne Weißbach, Goethe-Institut Prag  (Juli 2017)
 

Dieser Comic ist nichts für schwache Nerven

Bitte, liebe Leser, nehmt euch ein paar Minuten und überfliegt kurz einmal den Wikipedia-Artikel zu Vincent van Gogh. Ich trinke solange ein Bier, so tschechisch wie der Autor des Comics, den ich euch heute vorstellen möchte.

Fertig? Gut, aber ihr könnt direkt wieder vergessen, was ihr da gerade gelesen habt. Van Gogh ist nämlich gar keine Figur aus der Vergangenheit, sondern stammt aus unserem Jahrhundert – zumindest aus einer grotesken und abstoßenden Version unserer Zeit. Stellt euch eine Welt vor, die nur Katerstimmung und Rausch kennt. Dort, zwischen bitterer Armut und ekelhaftem Reichtum, in Spelunken, deren dunkle Ecken abartige Exzesse gebären, wartet ein gebrochener Mann, der euch die Geschichte von Vincent van Gogh erzählt. (...)

Fazit

Ihr habt es vielleicht schon gemerkt: Dieser Comic ist nichts für schwache Nerven und sanfte Gemüter. Drogen, Sex, Gewalt und sehr tiefe menschliche Abgründe sind hier allgegenwärtig. Es gibt auch keine positive Botschaft, das irgendwann alles besser wird, oder einen aufrechten Helden, der trotz der Abartigkeiten in seinem Umfeld moralische Integrität beweist. Hier gibt es nur gebrochene Gestalten, die sich zynisch oder desinteressiert durch den chaotischen Strom treiben lassen.

Dennoch möchte ich diesen Band jenen ans Herz legen, die nun nicht abgeschreckt, sondern interessiert sind. Wer Maximal-Dystopien abfeiert, in denen die Menschheit wirklich alles verbockt hat, sollte einen Blick riskieren. Wem sich schon beim Lesen dieser Rezension die Fußnägel hochrollten, sollte diesen Band lieber in einer dunklen Ecke liegen lassen.

Marc Thorbrügge, Teilzeithelden (5. Dezember 2016)

zurück



 
 

+++ Wir machen das! +++


Eine von denen, die die Ärmel hochgekrempelt haben

(...) Natürlich kommt auf der Messe Migration auch die andere Seite zu Wort. Eine von denen, die Ende 2015 die Ärmel hochgekrempelt haben und aus Angela Merkels "Wir schaffen das!" ein "Wir machen das!" gemacht haben. (...)

Verena Tröster, MorgenEcho WDR 5 (24.11.2017)
 

Hin  zu einer Kultur des Teilens

Auf dem Titel dieses druckfrischen Buches treibt ein großes geschnitztes Einbaumboot auf den Leser zu. Sechs expressive Kopfstelen mit ernsten Gesichtern schauen heraus. Dem brüllenden Monster "Terror" im Hintergrund sind sie entronnen. Aber was wartet auf die, die die Flucht überlebten und nicht wie der der kleine Junge Aylan im Mittelmeer ertranken, dessen furchtbares Foto vom türkischen Strand 2015 um die Welt ging? Genau das fragen die Bonner Autoren, die der Beueler Kid Verlag in seiner Neuerscheinung "Wir machen das! - Leben mit Flüchtlingen" vereint hat. (...)

Das heißt, die Autoren dieses Buches malen keineswegs eine heile Wir-haben-uns-alle-lieb-Klischeewelt der heutigen Flüchtlingshilfe, sondern sprechen Klartext. (...) "Machen" bedeutet für sie alle, dass jeder das einbringt, was er kann: vom Kleiderfalten bis zur Öffentlichkeitsarbeit, vom Beherbergen bis zur Schulplatzvermittlung, von der Rechtsberatung bis zur Sprachvermittlung - weg vom Mitleid hin zu einer Kultur des Teilens, hin zu einer offenen Gesellschaft. (...)

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (3./4. Juni 2017)

zurück



 
 

+++ Lektüre in der Straßenbahn +++


Dem Sonett verschrieben

Einen Blick (und einen zweiten und dritten) wert ist immer wieder die Lyrik von Rainer Maria Gassen. Der in Bonn lebende Philologe (*1946) mit dem großen Vornamen (und Mitinitiator der Bonner Buchmesse) hat sich seit Jahren dem Sonett verschrieben – mit seinem nunmehr sechsten Band Lektüre in der Straßenbahn (Kid Verlag 2016, ) lotet er nicht nur dessen Gestalt neu aus, auch inhaltlich ist er (wiewohl sich einer Sprache bedienend, die alles andere ist als modernistisch) auf der Höhe der Zeit, verhandelt er doch in jedem der 24 Gedichte, was jedes denkenden Menschen Leben immerzu kennzeichnet: mit Antinomien umzugehen. »Zögerlich und entschlossen«, »Für und gegen«, »Kalme und Sturm« – immer wieder aufs zwischen Gegensätzen unterwegs zu sein.

»der Neugier Drängen ficht jedoch nicht an,
das Reifen ist sich selbst Bedingung, legt
sich quer und tut sich Schritt für Schritt nie schwer
auf seinem Weg und feiert sich erst, wenn
die Tage langsam immer kürzer werden;«
(aus: »Bedächtig und eilig«)

Realiter in der Straßenbahn genossen, könnte die Lektüre glatt dazu führen, dass man eigentlich bloß von A nach B will und lesend vergisst, bei B auszusteigen. Dann hätte sich die Strecke aber doch gelohnt, vielleicht gerade dann …

Gitta List, Schnüss11|2017

zurück



 
 

+++ Tanz der Kirschblüten +++


Besuch im Kirchturm von St. Josef liefert die Idee

(...) „Die Geschichte ("Die Glocken von Beuel" von Jörg Weigand) wird aus einer Zukunftsperspektive erzählt, in der das E-Book große Verbreitung gefunden hat, viele Unterlagen aber noch nicht digitalisiert sind und in den Archiven nachgeforscht werden müssen. Der Erzähler ist solch ein Forscher, ob allerdings Profi oder Amateur, das bleibt unerwähnt“, sagt Weigand. 

Die Geschichte ist erfunden und ähnliche Ereignisse seien dem Autor auch nicht bekannt. „Dennoch belegen natürlich immer wieder Berichte, dass es jederzeit Ereignisse geben kann, die rätselhaft bleiben und erst in Zukunft im Rückblick erklärbar oder fast erklärbar werden“, so der Schriftsteller. Weitere Geschichten über Beuel hat er bisher nicht geschrieben, aber einige Erzählungen, die in Bonn und der Region spielen, etwa inr Wachtberg-Niederbachem. Dort hat der frühere Journalist lange Jahre gewohnt, und der Ort bietet auch die Kulisse der zweiten Geschichte in dem Buch ("Es war einmal").

Anke Vehmeier, General-Anzeiger (10. Mai 2017)
 

Buch mit weitgefächertem Themenbereich

(...) Dieses Buch mit seinen 164 Seiten ist vom Themenbereich her weit gefächert. Die Kurzgeschichten sind interessant geschrieben und lassen die Leserinnen und Leser oftmals auch schmunzeln. Dem Ideenreichtum sind in diesem Buch keine Grenzen gesetzt. Es ist sehr unterhaltsam. (...)

Bonn-Report  (Mai 2017)
 

Phantastisches in Bonn

(...) Nun ist diese wundervolle Geschichte ( "Die Lanze des Mauricius" von Karsten Beuchert), zusammen mit einigen anderen, in diesem Frühjahr in der Anthologie „Tanz der Kirschblüten“ im Bonner Kid Verlag erschienen und jedermann und jedefrau können sie lesen. So weit so gut.  (...)

Was also ist der Grund für dieses leise Gefühl des Unbehagens, das mich beim Betrachten des nämlichen Buches überkommt wie ein jäher Frosthauch an einem warmen Sommernachmittag? War es unvorsichtig von mir, die Genehmigung zum Abdruck zu erteilen? Was wird geschehen, wenn irgendjemand auf die Idee kommt, die Geschichte könnte mehr sein als bloße Fiktion? Obwohl ich mir in den letzten Jahren große Mühe gegeben habe, meiner Existenz als Phantast einen möglichst harmlos wirkenden Anschein zu geben, kommt der Erzähler in der Geschichte dem wahren Wesen meiner Kunst beunruhigend nahe.

Ist Herr Beuchert sich bewusst, was er da geschrieben hat? (...)

Martin Welzel, Atelier für Phantastische Kunst (April 2017)

zurück



 
 

+++Distomo +++


Werke regen zum Staunen an

(...) Die Textsammlung, die im Bonner Kid Verlag erschienen ist, trägt den Titel eines Gedichts des Wettbewerb-Gewinners Holger Evang-Lorenz, der damit an das Massaker in dem griechischen Ort Distomo im Jahre 1944 erinnern will. Der ehemalige Krankenhausseelsorger tut dies in einem recht prosaischen, fast schon essayistischen Stil, ohne poetische Verdichtungen, Reime und Rhythmen - erst durch das Druckbild wird die Zuordnung zur Lyrik überhaupt deutlich. Zugleich pflegt er eine klare Sprache, die ohne Umschweife zeigt, was es zu zeigen gibt. (...)

Thomas Kölsch, General-Anzeiger (1./2. Mai 2017)

zurück



 
 

+++ Die geheimnisvolle Welt der Tagebücher +++


Faszination Tagebuch

Ursula Kosser war am 26. Juni 2017 Gast bei "daheim + unterwegs". Das Video der Sendung gibt es hier.
 

Ziemlich das Intimste

Das eigene Tagebuch ist so ziemlich das lntimste, was ein Mensch hervorbringen kann. Als Außenstehender da reínzugucken, zählt zu den größten Taktlosigkeiten, die denkbar sind – außer natürlich, der Tagebuchschreiber erlaubt es; und das ist in unserer Hallo-guckt-mal-ich!-Gesellschaft inzwischen durchaus üblich, so fand die Bonner Journalistin Ursula Kosser heraus. 18 Menschen, zwischen 18 und 73 Jahren alt, haben ihr den Einblick in ihr schriftgewordenes Privatleben gestattet; das Ergebnis erscheint in kleinverlagstypisch unspektakulärer Softcover-Aufmachung, hat's aber in sich. Liebeleien und Sex, Kummer und Bosheiten, Geniales und Banales - Kosser analysiert, was die so verschiedenen Diaristen an Erlebnissen und Gedanken aufnotierten, setzt es in Zusammenhang mit Betrachtungen zum Tagebuchschreiben (eine interessante Liste von lnternetlinks ist beigefügt) und macht das Buch so zu einer fabelhaften Einführung in eine faszinierende Kulturtechnik, die nicht für Großliteraten reserviert ist. Sätze wie in Stein gemeißelten liefern  die schließlich auch nicht ständig: „Heute trübes, dampfiges Wetter" (Thomas Mann, 30. Juni 1945). (...)

Wolfgang Pichler, General-Anzeiger (18./19. März 2017)

zurück



 
 

+++ Die französischen Jahre in Bonn - 1794 - 1814 +++ 


Bevor die Preußen kamen

In der Regionalgeschichte ist Norbert Flörken zu Hause. Und das liegt nicht nur daran, dass die Bonner Spuren seiner Familiengeschichte bis in das Jahr 1680 zurückzuverfolgen sind. Nach früheren Exkursionen in das 16. und 17. Jahrhundert sowie die Zeit des Nationalsozialismus in Troisdorf hat sich der frühere Latein- und Geschichtslehrer zuletzt zwei Jahre lang in jene Zeit vertieft, die als die „französischen Jahre“ bekannt sind. Gemeint sind die zwei Jahrzehnte um 1800, in denen in Bonn französisch gesprochen, mit Franc und Centimes bezahlt und mancher „Freiheitsbaum“ nach subversiven Aktionen des nächtlichen Widerstands per Neupflanzung ersetzt werden musste. „Die französischen Jahre in Bonn - 1794 bis 1814“ heißt Flörkens neuestes Buch. 570 Dokumente hat er auf knapp 950 Seiten versammelt. (...)

Und doch kommt Norbert Flörken zu einer differenzierten Bewertung jener Zeit: „Als 1814 das Rheinland den Franzosen wieder abgenommen wurde, war es anderen Landesteilen Deutschlands in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht weit voraus.“ Erbitterten Widerstand jedenfalls, wie dies von Zeitgenossen teilweise literarisch dargestellt und womöglich überhöht wurde, hat es in Bonn gegen die Franzosen nach Überzeugung Flörkens nicht gegeben. (...)

Rüdiger Franz, General-Anzeiger (21. Dezember 2016)

zurück



 
 

+++ Nichts alsStreit und Ärger +++


»Du Blutwurst, bist du toll geworden«

Insider und Vielleser wissen es natürlich: Im Literaturbetrieb geht es nicht nur nicht immer nicht gesittet zu, sondern manchmal regelrecht rabiat. Ruchlose Verleger und niederträchtige Kritiker gehören zum Betrieb wie die Schneide zum Messer - aber auch die Literaten und Innen selbst können höchst unfein außer sich geraten, wenn es darum geht, sich tatsächlicher oder vermeintlicher Kränkungen zu erwehren, Konkurrenten niederzumachen und was dergleichen Affekte mehr sind. Und wehe, wenn ein Schriftstellerpaar sich entzweit - dann wackeln die Wände im Elfenbeinturm.

Johannes Wilkes hat für seine ›Nahaufnahme‹ des Rosenkriegs zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch kürzlich einen Literaturpreis bekommen - weitere solcher ›Nahaufnahmen‹ versammelt der jüngst erschienene Band Nichts als Streit und Ärger. Gediegenen Gossip aus der deutschen Literaturgeschichte hat der (praktizierende) Mediziner und Psychotherapeut Wilkes hier zusammengetragen, »Skandale und Tragödien« aus mehreren Jahrhunderten: Voltaire gegen Lessing, Heine gegen Platen, Bettina (»Bettine«) von Arnim gegen Christiane Goethe. Aus letztgenannter Schilderung stammt der entzückende Satz, den wir in der Überschrift zitieren - Bettina schleuderte ihn Christiane hinterher, nachdem diese gegen die vornehme Bettina (die es sich indes nicht nehmen ließ, gegen ›die dahergelaufene Weibsperson‹, die ihr den geliebten Goethe abspenstig gemacht hatte, zu sticheln) handgreiflich geworden war. (...)

Wilkes Schreibstil hat etwas von Anamneseprotokoll - kurze Sätze, Telegrammstil. Keine Schnörkel - wobei dann schnörkeldialektisch doch wieder welche entstehen: die Wilkeschen Anamnesekurzssätze. »Jenseits der Literatur. Reich-Ranicki hatte ihn aussortiert. Aus dem Kreis der Autoren, die in Frage kamen. Wie einen faulen Apfel.« (Kapitel »Walser gegen Reich-Ranicki - Tod eines Kritikers«; ebenfalls (un)gemein interessant.)

Das ist auf Dauer etwas anstrengend. Aber man muss das Buch nicht so ›in einem durch‹ lesen, dass einen dieser Stil stört. Es bietet sich vielmehr an, einen Happen zu nehmen. Macht man aber nicht, weil es einen dann doch packt.

Gitta List, Schnüss 12 | 2016
 

Von Goethe bis Grass

Vierzehn Geschichten aus dem Leben unterschiedlicher Schriftsteller zu unterschiedlichen Zeiten umfasst Nichts als Streit und Ärger: Deutsche Literaturgeschichte in Skandalen und Tragödien. Wir lesen von Voltaires Verärgerung über Lessing, der ihm vor der Veröffentlichung ein Buch gestohlen haben soll, das dem König gewidmet war; somit gebühre nur diesem das Recht, das erste Exemplar zu empfangen. Letztendlich führte das zum Bruch zwischen den beiden Schriftstellern. Achtzehn Seiten sind der Beziehung Ingeborg Bachmanns zu Max Frisch gewidmet, deren leidenschaftlicher Liaison und ihrer schmerzhaften Entzweiung.

Johannes Wilkes, der schon einige Texte zu literarischpsychotherapeutischen Themen verfasst hat, verfolgt dabei keinen literaturwissenschaftlichen Ansatz, erzählt die Begebenheiten launig und mit einem subjektiven Blick auf die Gefühlswelt der Autoren in Situationen, die Teil der deutschen Literaturgeschichte geworden sind.

Buchkultur 168 (Oktober/ November 2016)

zurück



 
 

+++ Pfleimenbäume und andere Gedichte +++


Gedichte voller Scharfsinn, Ironie, einem gewissen Sarkasmus

(...) Herbert Reichelt treibt offensichtlich immer noch und anscheinend immer mehr die Freude am Gestalten von Sprache, das Neuzusammensetzen und Verfremden von Wörtern. Aus dieser Lust lässt er ganze Zeilen, die sich reimen, ganze Gedichte in strenger Form entstehen, um im selben Zug gleichsam aus jedem Buchstaben seinen manchmal schelmischen, gelegentlich bösartigen und dann und wann auch derben Humor blitzen zu lassen.

Herbert Reichelt schreibt keine platte Gelegenheitslyrik, sondern liebevoll Gedichte voller Scharfsinn, Ironie, einem gewissen Sarkasmus und einem Bild am anderen – es ist Dichtung auf einem Niveau einer guten Komödie. Dies ist kein Spiel für Dilettanten, man muss Gedichte aus Sprache geradezu weben können, ohne sie beherrschen zu wollen, denn sonst zerbrechen die zwar biegsamen, aber dennoch zarten Wörter und Sätze in peinliche Reimerei.(...)

Highlights - Magazin (Oktober 2016)

zurück



 
 

+++ Elly Ney und KarlrobertKreiten +++


Ohne wohlfeile Polemik

(...) Elly Ney und Karlrobert Kreiten. Zwei Musiker unterm Hakenkreuz lautet der Titel einer unlängst erschienenen Studie. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf einen trotz seiner jungen Jahre  erfolgreichen Pianisten, der im Januar 1943 in der Bonner Beethovenhalle auftritt und noch im selben Jahr - obwohl eher unpolitisch - wegen "Hetzereien" gegen das nationalsozialistische Regime denunziert und 27-jährig in Berlin-Plötzensee hingerichtet wird. Ohne wohlfeile Polemik beleuchtet der Autor der Studie die fatalen gesellschaftlichen Auswirkungen diktatorischer Systeme, in denen der eine Künstler als Täter figurieren darf, während der andere als Opfer endet. (...)

Martin Geck: Beethoven: Der Schöpfer und sein Universum, München 2017
 

Vor einer Folie

(...) Die Studie des Bonner Musikwissenschaftlers ist seriös recherchiert und aufwändig dokumentiert. (...)

Oliver Cech, wdr 3 - Mosaik (4.8.2016)
 

Auf den Spuren von Karlrobert Kreiten

(...) Hinterkeuser, ... , war gestern das erste Mal seit sieben Jahren wieder an einer Schule, um seine Forschungen insbesondere über Kreiten dem Leistungskurs Geschichte der 12. Klasse der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule zu präsentieren.  (...) „Ich habe keine Biografie geschrieben, sondern versucht, Zusammenhänge herzustellen.“ Zusammenhänge zwischen einer „glühenden Hitler-Anhängerin“ und einem „musikalischen Wunderkind.“ „Eine Motivation für meine Arbeit war die Frage, inwieweit sich Elly Ney für ihren jungen Bonner Kollegen eingesetzt hat, als dieser von der Gestapo verhaftet und vor den nationalsozialistischen 'Volksgerichtshof' des Roland Freisler gestellt wurde. Andere bedeutende Musikerpersönlichkeiten haben die Rettung versucht, wenn auch letztlich ohne Erfolg, wie zum Beispiel der Dirigent Wilhelm Fuchtwängler. Und Elly Ney? Hat sie sich eingesetzt? Nein!“, so Hinterkeuser. Nach Recherchen von Hinterkeuser wurde beispielsweise in ihrer Autobiografie "alles ausgespart, was sie hätte belasten können". (...)

Michael Wenzel, General-Anzeiger (14.5.2016)

zurück



 
 

+++ Träume, fast umsonst +++


Die Bewerber kommen nun aus ganz Deutschland

(..) Ebenso abwechslungsreich wie die Themen der Werke ist auch das Teilnehmerfeld. Neben erfahrenen Autoren und Hobbyschreibern nehmen vereinzelt auch Schüler teil. Und das mit Erfolg: Die 17-jährige Caroline Maurer konnte mit ihrer Geschichte über ein Flüchtlingskind überzeugen und wurde mit in die Anthologie aufgenommen. "Das Schreiben macht mr Spaß, und ich mache es gerne. Für mich ist es etwas ganz Besonderes und Neues, dass ein Text von mir veröffentlicht wird", freute sich die Schülerin bei der Vorstellung des Sammelbandes. (...)

Yannick Schwipperich, General-Anzeiger (5.4.2016)
 

so (beklemmend) gut

(..) Doch die titelgebende Story von Michael Wenzel (erster Preis), sprachmächtiges Porträt eines urbanen Desperados, ist so (beklemmend) gut, dass allein sie den Erwerb der Anthologie wert ist, ebenso der Beitrag des zweiten Preisträgers Johannes Wilkes, »Frisch gegen Bachmann: Wenn Liebe in Hass umschlägt«, die sachlich-präzise wie zugleich einfühlsame ›Nahaufnahme‹ eines berühmten Rosenkriegs und seines fatalen Verlaufs.

Gitta List, Schnüss 06 | 2016
 

Ein Erleben, zu dem auch die kritische Reflexion gehört. 

(..) Die ausgewählte Erzählung (von Sabine Schlemmer: Am Weges Rand) ist eine Verbindung zweier Künste, denn der Text wird durch Fotos ergänzt. Beide stammen von einem ihrer Spazierwege im Hügelland, den sie ein Jahr lang einmal in der Woche gehe – immer wieder. „Ich beobachte, wie sich die Bäume verändern, wie sich Knospen an den Sträuchern bilden.“ Und sie achte nach der Ernte auf die Heuballen. Schöne Erinnerungen mischen sich in der Erzählung mit dem aktuellen Erleben. Ein Erleben, zu dem auch die kritische Reflexion gehört. „Viele Plastikreste der eingepackten Heuballen bleiben liegen, werden untergepflügt und gelangen in die Nahrungskette“, hat Schlemmer beobachtet. (...)

Andreas Eichhorn, WAZ (10.5.2016)

zurück



 
 

+++ Liebesverspbrechen +++


Wenn Liebe zur Falle wird

Gesine Cahenzlis Buch „Liebesver(sp)brechen“ erzählt die Geschichte der 15 Jahre alten Sophie, die glaubt, ihre große Liebe gefunden zu haben. Sie erlebt einen Albtraum.

Interview zum Weltfrauentag am 8. März mit der Autorin Gesine Cahenzli über „Loverboys“, die jungen Mädchen die große Liebe vorgaukeln.

Frau Cahenzli, für den 10. März ist im Rahmen der Veranstaltungen zum internationalen Frauentag ein Vortrag mit dem Thema „No Loverboys“ angekündigt. Das ist auch Thema Ihres Buches „Liebesver(sp)brechen“. Was ist eigentlich ein Loverboy?

Loverboys sind Zuhälter, meist junge Männer oder Teenager, die minderjährige Mädchen in die Prostitution zwingen. Dabei spielen Loverboys ihren Opfern die große Liebe vor. Was aber anfangs nach Liebe aussieht, wird zu einer schrecklichen Falle für die Mädchen. (...)

Das vollständige Interview mit der Autorin im Südkurier (8.3.2016)

zurück



 
 

+++Diplomat in Uniform +++


Ein Diplomat in Uniform

Auch wenn die geschilderten Ereignisse teilweise bereits 40 Jahre zurückliegen: Dieses Buch ist aktuell. Und dass es einige Sprengkraft enthält, liegt keineswegs (nur) daran, dass es aus der Feder eines Soldaten stammt. (...)

General-Anzeiger (7.1.2016)
 

Aus dem Leben eines Diplomaten in Uniform

(...) Persönliche Erfahrungen, diplomatische Aufgaben und die Schilderung der politischen Begleitumstände gehen nahtlos ineinander über. Gerade diese Melange macht das Buch so interessant. (...) Das Buch ist ein ein anschauliches Lehrstück darüber, welche Herausforderungen einen Offizier im diplomatischen Dienst erwarten können.

Die Bundeswehr (April 2016)

zurück



 
 

+++ Eltern - Oma - Tausch +++


Ein perfektes Geschenk

"Nichts darf ich, alles muss ich." - Erziehung mag für Eltern ein schwieriges Geschäft sein, für Kinder ist sie die reine Hölle. So denkt zumindest Tobias, der seine "strengsten Eltern der Welt" gerne eintauschen würde. (...) Und für "strenge" Eltern ist der Kinderroman ein perfektes Geschenk, weil Tobias schnell und ganz handfest erfährt, dass er von Mama und Papa weit mehr bekommen hat als nur Verbote. (...)

, Main Echo (5./6.9.2015) 

zurück



 

+++ Kunst im Rheinland +++


Eine anschauliche Ermunterung

(...) Hans Weingartz hat sehr gut ausgewählt. Er zeigt Kunstorte auf, die sich in manchem unterscheiden: Verschiedenartig sind die Parkanlagen, die Skulpturenwege, die Träger, Stifter und Initiatoren. - In einem Punkt jedoch gleichen sie sich (Sie ahnen es schon!): Kunst ist im Rheinland kein museales Thema. Sie begegnet uns überall.

Eine anschauliche Ermunterung zu Skulpturenausflügen im Rheinland. 

Eberhard Hauff, zuzuku.de
 

Auf Tour zur Skulptur

Der geneigte Leser dieses Büchleins wandelt vor allem auf zwei Skulpturenpfaden: Dem uns naheliegenden auf der anderen Rheinseite in Remagen und dem Pfad mit dem eigenartigen Titel „Menschen - Spuren“. Es geht um das Neandertal, wo 1856 die Überreste des Neandertalers gefunden wurden – insofern schlägt dies doch die Brücke in unsere Region, denkt man an den weltberühmten Fund von Oberkassel. Mit einer Länge von 1.200 Metern ist der Neandertaler Kunstweg  allerdings nicht all zu lang. Schade, dass der deutlich längere Basalt-Skulpturen-Weg von Unkel nach Linz nicht berücksichtigt wurde (Wir werden ihn in einem der nächsten Hefte ausführlich vorstellen)! Deutlich mehr Raum widmet Hans Weingartz den Skulpturenparks. Davon bietet sich aufgrund der Entfernung vor allem der Kölner Skulpturenpark  als  Ausflugsziel an. Zum Teil hervorragende Fotos des Autoren schmücken den Band, der seit über 40 Jahren in Bonn lebt und ohnehin gebürtiger Rheinländer ist. 

Rheinkiesel 07
 

Buchtipps

sculpture Network, Europas Plattform für zeitgenössische Skulptur,  präsentiert auf seiner Juni-Homepage den neuen Bildband von Hans Weingartz.

sculpture Network (Juni | 2015)

zurück



 

+++ Der schwarzeKater +++


Ausdruck der Emotionen

Es bleibt „tierisch“ bei Eva Künzel: Nachdem sie im vergangenen Jahr das gleichnamige Buch mit Kindergedichten von Sabine Heinke illustriert hatte (der Westfälische Anzeiger berichtete), ist nun ihr zweites Büchlein erschienen: „Der schwarze Kater“ heißt es, und mit ganz eigener Handschrift hat Eva Künzel darin Edgar Allan Poes meisterhafte Erzählung auf ungewöhnliche Art illustriert.(...)

Westfälischer Anzeiger (19.2.2015) 

zurück



 
 

+++ Schattenzeit+++


Handlich-klein, aber fein

Die acht Autoren (...) sind nun in einem handlich-kleinen, aber feinen Erzählband mit jeweils mehreren Beiträgen vertreten. "Es sind hauptsächlich Texte über die Schattenseiten unseres Lebens, deshalb der Titel nach einer Erzählung unserer aktuellen Wettbewerbsgewinnerin Renate Fröhlig-Striesow", erläuterte Herausgeberin Barbara Ter-Nedden. (...)

General-Anzeiger (19.2.2015)

zurück



 
 

+++ Die Eifel im Bild +++


Eine Hommage an die Eifel

(...) Mit den für diese Kunstform eigenen Mitteln rückt der Künstler Landschaften, Orte, Plätze und sehenswerte Bauwerke ins Blickfeld des Betrachters und hebt die Schätze der Eifel.

Volksfreund.de
 

...ein herrliches Geschenk

Dieses Buch “Die Eifel im Bild“ ist ein herrliches Geschenk für jeden Anlass, insbesondere zum bevorstehenden Weihnachtsfest!

Bonn-Report - einige Ansichten aus dem Buch gibt es als Video-Clip hier...

zurück



 
 

+++ Kreuz  & Quer durchs Wissen +++


  ...eine Bereicherung für alle Altersgruppen 

Wissen Sie eigentlich, liebe Leserinnen und Leser, was man nicht selten sagt: “Man wird so alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu!“

Solche Bücher, wie das vom Kid Verlag mit dem Titel “Kreuz & Quer durchs Wissen“ und dem Untertitel “Werde Small Talk Meister“ werden stets gerne gelesen. (...) Vieles, was in diesem Buch verewigt ist, kennt man zwar, aber was es bedeutet, weiß man nur bedingt, wenn überhaupt.(...)

Bonn-Report - einige Ansichten aus dem Buch gibt es als Video-Clip hier...

zurück



 
 

+++ BonnerImpressionen+++


Heinrich Brodeßer schafft beeindruckende Ansichten der Stadt

Das gab es auf dem Bonner Büchermarkt noch nicht: alte und neue Stadtansichten, liebevoll in Federzeichnungen angelegt, die in ihrer Feinheit, aber auch mit Herz und Witz eine ganz individuelle Lanze für die Stadt brechen. Die Zeichnungen stammen aus der Feder von Heinrich Brodeßer, und der Bonner Kid-Verlag hat die sehenswerten Werke des 84-jährigen Troisdorfers als Buch in sein Programm aufgenommen.

"Heinz Brodeßer widmet sich seit Jahren mit seinen grafischen Arbeiten der Gestaltung von Stadtansichten", sagte Verleger Hans Weingartz bei der Buchvorstellung im Amtszimmer von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.(...)

Das zart festgehaltene Spiel von Licht und Schatten, die immer wieder atemberaubend neuen Einblicke in Architekturlandschaften belegen, dass der pensionierte Lehrer ein sensibler Beobachter und feinsinniger Zeichner ist. Auch die Architektur der diversen Rheinbrücken hat Brodeßer gepackt. Akribisch hält seine Feder jedes Detail fest. "Sie schaffen hier ganz andere Einblicke als jedes Foto", resümierte schließlich der Oberbürgermeister.

Ebba Hagenberg-Miliu, General-Anzeiger (14.5.2013)
 

Liebevoll in Federzeichnungen angelegt

Auf 173 Seiten präsentiert er (Heinrich Brodeßer) ebenfalls „Bonner Impressionen“. Sie sind jedoch liebevoll in Federzeichnungen angelegt und brechen in der Feinheit des Strichs, im Spiel von Licht und Schatten, aber auch mit Herz und Witz eine ganz individuelle Lanze für die Stadt am Rhein.

Mitten im Leben - Mitten in Bonn (Ausgabe 3/ 2013) 
 

Zum Leben erweckt

Prächtige Gebäude wie die ehemalige Bonner Stadthalle in der Gronau, im Volksmund "Die Bierkirche" genannt, werden zum Leben erweckt Rund um die Altstadt geht es weiter in die Vororte Godesberg und das rechtsrheinische Bonn, wobei auch die Flussübergänge ins Bild kommen. (...)

Bergheimer Chronik Ausgabe 11 (Oktober 2013 )
 

À la bonne heure, Herr Brodeßer!

Jährlich kommen zahlreiche Bildbände auf den Markt. Darunter einige recht kunstvollgestaltete Bände. Jedoch hervorragend gestaltete Bildbände in Form von Federzeichnungen sind selten in Buchhandlungen zu finden.

Anders bei dem umfangreichen Werk des Autors Heinrich Brodeßer, der in seinem Buch "Bonner Impressionen – Alte und neue Stadtansichten in Federzeichnung" mit 126 Federzeichnungen ein wahres Kunstwerk geschaffen hat. Seit einigen Jahren widmet sich der Autor und Zeichner des Buches mit Arbeiten der Gestaltung von Stadtansichten. Ein großes Kompliment an den Künstler! À la bonne heure, Herr Brodeßer! (...)

Manfred Rademacher, Hardtberg-Bote (19.4.2015 ) - mit einem Video-Clip zu dem Bildband 

zurück



 
 

+++ Kleine bergischeSchulgeschichte(n)+++


Olaf Link erzählt kleine Schulgeschichten

(...) Das Buch bietet einen interessanten Beitrag Regionalgeschichte. Zu jedem Jahrhundert fasst Link Wissenswertes über die damalige Schule zusammen – angefangen von den Klosterschulen bis zur heutigen Zeit...

- hs -, wochenpost (20.6.2012)

zurück



 
 

+++ Streifzüge+++


Beeindruckender Kunstbildband aus Bergeim 

Wenn man über Bücher spricht, steht meistens die schriftlich festgehaltene Literatur im Vordergrund. Aber es gibt auch schöne Bücher mit Abbildungen von faszinierenden Kunstwerken. Ein solcher Kunstbildband ist im letzten Herbst von Berta Brodeßer erschienen. (...)

Bergheimer Chronik (April 2013)

zurück



 
 

+++ Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist ... +++


Verdienstvolle Arbeit

(...) Das Novum der verdienstvollen Arbeit liegt wohl in erster Linie darin, dass Figatowski sich einer kinderliterarischen Randerscheinung zuwendet, die in der gegenwärtigen Debatte, in der es vor allem um das All-Age-Phänomen sowie um die medialen Verarbeitungen der KJL geht, höchstens eine marginale Rolle spielt. Es ist zu wünschen, dass der Autor seine Arbeit weiterverfolgt und im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen ausbaut. Mit der vorliegenden Studie ist dafür eine gute Grundlage geschaffen.

Kirsten Kumschlies, Universität Oldenburg - Kjl & m. Forschung.Schule.Bibliothek. 66. Jahrgang, 1. Vj. 2014. S. 85-86
 

Bahnbrechende Grundlagenarbeit

Auch wenn es inzwischen nicht mehr ganz so schlimm erscheint, wenn sich ein deutscher Nachwuchs-Akademiker mit der Science Fiction beschäftigt - die Zahl der Doktorarbeiten, die sich hierzulande explizit mit diesem Zweig der Literatur beschäftigen, ist immer noch sehr niedrig. Umso bemerkenswerter ist Bartholomäus Figatowskis Dissertation in Deutscher Philologie, die er an der Universität.Köln einreichte und die jetzt im Bonner Kid Verlag unter dem Titel »Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist...« (ISBN 978-3-929386-35-6) erschienen ist. Auf mehr als 400 Seiten beschäftigt sich Figatowski mit einer sehr speziellen Untergattung der Zukunftsliteratur, für die er tatsächlich bahnbrechende Grundlagenarbeit leistet: mit der Science Fiction für Kinder und Jugendliche.

Wie sehr es noch an einer Untersuchung über die »Kindheits und Jugendbilder in der Science Fiction für junge Leser« (so der Untertitel) gemangelt hat, zeigt sich vor allem an der von Figatowski verwendeten Sekundärliteratur. Obwohl er fast eintausend Fußnoten zum Haupttext macht und sich dabei voll auf der Höhe des aktuellen Diskussionsstandes zeigt, muss er, wenn es um seinen Themenschwerpunkt geht, immer wieder auf Quellen aus den (offenbar experimentierfreudigeren und theorieoffeneren) 1970er und 1980er Jahren zurückgreifen. Deshalb kann es nicht verwundern, dass Figatowski mehr als die Hälfte seiner Arbeit (»Teil 1 - Zur Theorie und Poetik der Science Fiction für junge Leser«) für die Entwicklung noch fehlender Grundlagen aufwendet. Ausführlich geht er auf die Definitionsproblematik, die Perspektiven der Vermittlung, die Typologie und die Handlungsfelder, sowie auf die Traditionslinien juveniler Science Fiction ein. Dabei widerspricht er vehement der früher oftmals geäußerten Meinung, dass Science-Fiction-Entwürfe speziell für Kinder und Jugendliche »nicht sinnvoll« seien (S. 81).

Nachdem Figatowski für einen Großteil der Science-Fiction-Geschichten für junge Leser, die bis  1980 erschienen sind, einen eher wertkonservativen und einschränkenden Bezug zur »klassischen« Science Fiction eines Jules Verne, H. G. Wells, Hans Dominik und Robert A. Heinlein herstellen konnte, geht er im zweiten Teil (»Analysen: Figurationen von Kindheit und Jugend in der Science Fiction für junge Leser seit den 1980er Jahren«) anhand ausgewählter Beispiele davon aus, dass die seither erscheinenden Texte einem deutlichen Wandel unterliegen. In den schematisierten Lektüren (Inhalt, Erzählweise, Sprache, typologische Zuordnung usw.) von neun Zukunftsromanen, die zwischen 1987 und 2003 erschienen sind, erkennt Figatowski sowohl neue Herangehensweisen als auch aktualisierte Bezugnahmen auf die veränderten Lebensumstände des Zielpublikums durch die Verfasser der Texte.

Die (insgesamt auch gut lesbare) Arbeit Figatowskis zeigt anhand ihrer Beschränkung auf einen Teilaspekt, den sie dann auf herausragende Weise erforscht, welches Potenzial in der Genreliteratur noch versteckt ist - und wie dringend eine weitere akademische Erschließung dieser literarischen Teilbereiche wäre.

Horst Illmer, „phantastisch“, No. 48, Ausgabe 4: 2012
 

Excellenter Fachmann in Sachen (SF-)Literaturtheorie

(...) Bartholomäus Figatowski präsentiert sich mit diesem Werk nicht nur als excellenter Fachmann in Sachen (SF-)Literaturtheorie sondern auch als außergewöhnlich guter Kenner des Genres. Nach mehr als vierzig Jahren als SF-Leser macht es Spass die unheimlich vielen zitierten Titel (...) noch einmal am inneren Auge vorbeiziehen zu lassen. Die mehr als 900 (!) Fußnoten sind keineswegs störend, sondern gerade für „erfahrene Altleser“ oft eine Quelle des Entzückens. Als solcher kann ich die objektiven und feinsinnigen Kommentare und Analysen des Autors meist auch sehr gut nachvollziehen. Am Schluß daher wirklich eine ausgesprochene Empfehlung für dieses lesenswerte Werk, das vor allem im ersten Teil als wissenschaftliches Basiswerk für weitere Arbeiten auf dem Gebiet der Science Fiction dienen kann.

Karl E. Aulbach, Fandomobserver, Nr. 280/ Oktober 2012 + Fantasia 591e – Magazin für Phantastik - Karl E. Aulbach: Kaminlektüre
 
 

Ein informatives Werk

(...) Ohne Zweifel ist »Wo nie ein Kind gewesen ist …« ein informatives Werk zum Thema Kinder und Jugend-SF. Es liefert sowohl Grundlagen zur Theorie, als auch umfassende Beispiele. Eine Umwandlung in ein populärwissenschaftliches Werk und die Einbeziehung von Texten, die den Spaß am Abenteuer fokussieren, ist wünschenswert.

Ralf Steinberg, fantasyguide.de, 5. Juli 2012
 

Interview mit Bartholomäus Figatowski

Ralf Steinberg vom Fantasyguide führte nach dem Erscheinen von "Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist..." mit Bartholomäus Figatowski ein Interview. Hier ein Ausschnitt: 

Fantasyguide: Im Bonner Kid Verlag erschien gerade Deine Dissertation zum Thema Kinder- und Jugend-SF als Sachbuch zu einem kleinen Preis. Mir fiel auf, dass die Textdarstellung deutlich wissenschaftlich blieb, also sehr viele Fußnoten und Anmerkungen. Warum hast Du den Stoff nicht allgemeinverständlicher aufbereitet?

Bartholomäus Figatowski: Ich würde behaupten, dass man die Arbeit gut lesen kann, auch wenn man nicht jede Anmerkung mitliest. Ich stimme Dir aber darin zu, dass das eine oder andere Kapitel noch leserfreundlicher ausgefallen wäre, wenn es sich um einen Essay und nicht um eine universitäre Arbeit handeln würde.

Fantasyguide: Besonders interessant fand ich Deine Auseinandersetzung mit den Motiven und der Geschichte der SF für Kinder und Jugendliche. Warum ist das Thema für Dich so spannend?

Bartholomäus Figatowski: Interessant ist für mich an der Auseinandersetzung mit den Motiven der Science Fiction, wie die Autoren ihre Texte (und die Verlage die Bücher) gestalten, damit Kinder und Jugendliche als Adressaten angesprochen werden. Wird eine kindliche bzw. jugendliche Hauptfigur verwendet? Gibt es beim Schreiben für junge Leser bestimmte Tabus? Gelten sie auch im Science-Fiction-Genre?
Es ist nicht damit getan, dass Autoren lediglich typische SF-Motive übernehmen, wenn sie für Kinder und Jugendliche schreiben. Am Beispiel der Weltraumreise als einem scheinbar etwas ausgeleiertem SF-Motiv mache ich deutlich, wie einfallsreich sich Autoren mit dem Problem auseinandersetzen, wie sich die Anwesenheit von Kindern an Bord überhaupt erklären lässt.

Das vollständige Interview ist hier.
 

Lehrreiche und fundiert vorgetragene Lektüre

(...) Diese zu entdecken macht „Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist…“ zu einer nicht immer leichten, aber lehrreichen und vor allem fundiert vorgetragenen Lektüre, der vielleicht nicht ganz der Brückenschlag aus der eigenen Jugend es Autoren und zahlreicher Leser in die augenblicklich auf den ersten Blick vielschichtigere Gegenwart der Jugendbuchliteratur gelingt.

Thomas Harbach, sf-radio.net

zurück



 
 

+++Erziehung und Aufklärung +++


Auf jeden Fall zu empfehlen

Anstelle der von Bueb ("Lob der Disziplin", "Von der Pflicht zu führen") und Winterhoff ("Warum unsere Kinder Tyrannen werden", "Nein aus Liebe") verfolgten Gehorsams- und Anpassungsstrategien setzt Link ganz im Geist der Aufklärung auf Distanz- und Kritikfähigkeit. Er merkt an, dass das meiste, was heute an pädagogischen Theorien publiziert wird, hinter das zurückfällt, was Janusz Korczak und Ellen Key zu Beginn des 20. Jahrhunderts formulierten (S.75). Mit Hinweis auf Alice Miller ("Am Anfang war Erziehung") lässt sich zeigen, wohin "Zucht und Ordnung" führen. Vor Gericht formulierten NS-Täter nach 1945, dass sie eine nicht hinterfragbare Gehorsamsbereitschaft verinnerlicht hatten. Und auch marodierende Jugendliche, die Ausländer/innen attackieren, haben zumeist eine autoritäre Erziehung "genossen". Das alles ist nicht neu, droht aber anscheinend heute vergessen zu werden, weshalb ein Buch wie das vorliegende, das an diese Zusammenhänge erinnert, auf jeden Fall zu empfehlen ist.

Gerald Grüneklee, Buchfreund.de
 

Mehr als eine Streitschrift

Der Solinger Autor Olaf Link setzt sich in seinem neuen Buch „Erziehung und Aufklärung“ mit den Thesen von Bernhard Bueb und Michael Winterhoff auseinander. Seine Arbeit ist aber mehr als eine Streitschrift. Olaf Link holt weit in der Geschichte der Erziehung aus und entwickelt seine Kritik und die eigene Position auf der Grundlage einer in der Aufklärung begründeten Theorie der Bildung und Erziehung.

paedbooks

zurück



 
 

+++ Empfehlenswert+++


„Das müsst ihr unbedingt lesen“ - 
50 Gesamtschüler geben ein Buch mit eigenen Rezensionen für Gleichaltrige heraus

Laurence ist durch einen Film auf sein Buch gekommen. Tom hat seins beim Kramen im Keller gefunden. Und Susanne wie Lisa haben sich von ihren Freundinnen neugierig machen lassen. Gestern sitzen die Vier stolz auf dem Podium der Gesamtschule. Denn mit ihren Rezensionen selbst ausgewählter Bücher sind die Neuntklässler regelrechte Autoren geworden. Mit ihnen zeichnen 46 weitere Gesamtschüler verantwortlich für den Band „Empfehlenswert - 50 Erzählungen und Romane für junge Leser“. Er habe nichts vorgegeben, sagt Deutschlehrer Hans Weingartz, als er stolz sein Autorenquartett vorstellt. „Jeder Buchtitel war eine freie Entscheidung.“

Sechs Wochen hatten die Schüler Zeit, einen passenden Titel zu wählen, zu lesen, zu prüfen und dann für die Gleichaltrigen zu rezensieren.  „Und wer nicht ganz so begeistert vom Buch war, der hat das dann auch gut begründet“, bemerkt Weingartz. „Mein Buch war aber echt super“, sprüht Tom Thielemann vor Begeisterung. Mit Inbrunst liest er seine Besprechung des dramatischen Jugendromans „Davids Versprechen“ von Jürgen Banscherus vor, der von der Gewalttätigkeit eines Vaters gegen sein Kind berichtet. „Das beruht auf einer wahren Geschichte, krass und spannend geschrieben.“ Ihre Harry-Potter- und Abenteuerbücher seien eher Fantasy und hätten weniger mit der Wirklichkeit zu tun, meinen Susanne Schwind und Lisa Schafer.

„Ne, eigentlich waren wir vorher auch nicht gerade Leseratten. Eher haben wir uns schon mal ein Hörbuch geholt“, geben die beiden auf Nachfrage des Publikums zu. Wobei eine der Rezensionen im Buch, die zu „Tote Mädchen lügen nicht“, dann schließlich zu einer regelrechten Lesewelle an der Schule geführt habe, sagt Hans Weingartz und lacht. Er habe mit seiner Mutter vor der Lektüre über Süskinds „Das Parfum“ gesprochen, erzählt Laurence Karbach. Die habe ihm den Titel empfohlen. Ob er sich dann wirklich ihrem Urteil angeschlossen habe, will jemand aus dem Publikum wissen. Laurence überlegt kurz. „Doch, da hatte meine Mutter völlig recht. Das müsst ihr unbedingt lesen.“

General-Anzeiger (5.2.2011 )
 

Empfehlenswert

50 Bonner Schülerinnen und Schüler aus dem 8. und 9. Schuljahr kommen in diesem Band zu Wort. Sie konnten sich für den Deutschunterricht einen Roman ihrer Wahl aussuchen und besprechen. Dazu hatten sie vier bis acht Wochen Zeit. Danach stellten sie ihre Lektüre der Klasse vor und lieferten abschließend ihre Besprechung in schriftlicher Form ihrem Deutschlehrer ab.

50 solcher Besprechungen sind nun unter dem Titel "Empfehlenswert" erschienen und dürften eine wirkungsvollere Leseförderung darstellen als manch andere, wohlgemeinte Lesetipps - die den "Nachteil" haben, von Erwachsenen verfasst zu sein.

Interessant ist, welche Titel die Schüler gewählt haben. Von der "Akte X. Ruinen" bis zur "Roten Zora" reicht die Liste der besprochenen Texte. Klassiker sind darunter wie "Die Welle", aber auch aktuelle Titel wie "Die Känguru Chroniken" und "Millionär".

Besonders in den abschließenden Bewertungen zeigt sich die Intensität, mit der die Autoren sich mit ihrer Lektüre auseinandergesetzt haben. Sie machen sich durchweg große Mühe, ein gerechtes Urteil zu fällen. "Ich würde das Buch an Buchleser weiterempfehlen", schreibt beispielsweise Jan, der sich mit Andreas Schlüters Science-Fiction-Roman "2049" beschäftigt hat. "Aber Leuten," fährt er fort, "die keine Bücher lesen, würde ich es nicht empfehlen."

Katrin Scholler, ZUM-Buch (13.02.2011) 

zurück



 
 

+++ Berlin 3000 +++


Kinder sehen die Zukunft Berlins mit düsteren Farben – Jugendliche Ängste als Buch veröffentlicht

 Ilkay Arun ist sicher: Im Jahr 3000 ist die Welt wegen Müll kaum noch bewohnbar. Die 17jährige Ilkay ist eine der fünf Jugendlichen, die zusammen mit Jugendsenator Thomas Krüger (SPD) und dem Herausgeber des neu erschienenen Buches „Berlin 3000“, Hans Weingartz, gestern im Museum für Naturkunde ihre Visionen vorstellten. Jugendsenator Krüger und Herausgeber Weingartz versuchten, das Buch mit Worten wie Seismograph, Schreckensvisionen oder positive Denkstrukturen zu beschreiben. Wirkungsvoll setzten sie seine Vorstellung in der Umgebung der menschlichen Vorfahren „homo sapiens sapiens“ und „homo sapiens neanderthalensis“ in Szene.

Die jugendlichen Verfasser der 33 Geschichten um „Berlin 3000“ benötigten keine symbolträchtigen Hilfsmittel für das, was sie bewegt. Eindringlich und deutlich beschreiben die Sechs- bis 18jährigen die Zukunft ihrer Heimatstadt. „Berlin hat sich in zwei riesige Ghettos entwickelt“, schreibt der 15jährigeKonstantin Raider. Wie die meisten der jungen Visionäre besucht er das Lessing-Gymnasium.

„Die Anliegen der Kinder sollen nicht wie andere Schulaufsätze in der Schublade der Lehrer versinken“, sagte Hans Weingartz. Deshalb seien die Geschichten der Kinder zu einem Buch zusammengefaßt worden, das jetzt in einer Auflage von 5000 Exemplaren zum Preis von 5,80 DM erschienen sei.

Obwohl Berlin in vielen der Geschichten sehr düster beschrieben wird, haben die Kinder Hoffnung. „Wir können doch noch eine Menge ändern, bevor es zu spät ist“, sagen sie. Vielleicht müssen sie dann nicht schreiben, daß es schade sei, „daß die Zerstörer nicht unter den von ihnen verursachten Qualen zu leiden haben.“

Julia Schör, Berliner Zeitung (20.4.1993) 
 

„Die Botschaften sind leider meist traurig"

Die Menschen tragen Schutzmasken und leben in Unterwasserstädtcn. „Kinder sind fast ausgestorben“ und können nur noch mit Erlaubnis der Behörde „gcmacht“ werden: Visionen Berliner Schüler zum Leben in der Hauptstadt im Jahre 3000.

Gestern stellte Jugendsenator Thomas Krüger (SPD) diese Zukunftsvisionen in Form des Buches „Berlin 3000“ vor. In 33 Geschichten beschreiben die jungen Autoren ihre Vorstellungen über Berlin in über 1000 Jahren. Mehr als 150 Schüler im Alter zwischen 6 und 18 Jahren beteiligten sich. „Die Botschaft ist leider meist traurig“, so der Jugendsenator. Kaum ein Schüler hat die Vision einer blühenden, lebenswerten Welt. In den Zukunftsängsten werden Kriegsfolgen. Reaktorkatastrophen und Mißbrauch von Technologien deprimierend deutlich geschi1dert. Das Buch ist im Kid Verlag Bonn erschienen.

C. Matthies, Berliner Morgenpost (21.4.1993) 

zurück



 
 

+++Antipädagogische Aufklärung +++


„Du kannst nichts falsch machen!“ - Heilsbotschaften einer „kinderfreundlichen Sekte“

 "Du kannst nichts falsch machen" - welch tröstliche Worte für ausgelaugte Pädagoginnen und Pädagogen, die sich tagtäglich den Kopf zerbrechen, wie sie es denn richtig machen könnten. Die Botschaft stammt von Dr. Hubertus von Schoenebeck, der seinen Versuch, ein „kinderfreundlicher Lehrer" zu sein, nach kurzer Lehrertätigkeit aufgab, den „Freundschaft-mit Kindern-Förderkreis“ (FmK) gründete und sich anschickte, Ekkehard von Braunmühls radikale Erziehungskritik („Antipädagogik", Erstauflage 1975) in eine erziehungsfreie Lebensführung umzusetzen und die Rechte der Kinder zu realisieren, „wozu es eines neuen Erwachsenen bedarf". Nicht wenige professionelle Pädagoginnen und Pädagogen suchten auf FmK-Seminaren seit 1978 Hilfe und Anregungen für ihre aufreibende Arbeit. Im Ietzten Jahr wurde die tiefe Kluft zwischen Antipädagogik als kritischer Theorie einerseits und der von Schoenebeck propagierten „Revolution der Herzen" andererseits unübersehbar.

Im Bonner „Kinderinformationsdienst" warf Ekkehard von Braunmühl ihm vor,  FmK zur „Privatsekte" funktionalisiert zu haben und kündigte an, diesen Vorwurf zu belegen mit seinem Buch: „Was ist antipädagogische Aufklärung? Mißverständnisse, Mißbräuche, Mißerfolge der radikalen Erziehungskritik". Mit diesem Buch mutet Braunmühl den Erziehungskritikern mit bestechender logischer Stringenz die gleichermaßen fundierte Kritik zu, mit der die Antipädagogik vor zwei Jahrzehnten angetreten war, und deckt behauptete und geglaubte Unwahrheiten schonungslos auf.

Dazu ein Beispiel: Schoenebeck erklärt alle Menschen von Geburt an für „selbstverantwortlich". Die Wortschöpfung „Selbstverantwortung" bzw. „Selbstverantwortlichkeit" hebt zunächst auf Assoziationen mit dem biologischen Selbstregulierungsprinzip, der existentiellen Selbstbestimmung, ab. Nun hat aber der Begriff „Verantwortung" zweifellos eine soziale Bedeutung, er bezieht sich auf die Folgen von Handlungen: „Verantwortungsvolle" Menschen bedenken vor einer Handlung, wie sie den von den Handlungsfolgen betroffenen Mitmenschen gegenüber „Rede und Antwort“ stehen können, sie lassen sich „zur Verantwortung ziehen“ entsprechend den sozialen Spielregeln unter Menschen, die nichts vom Faustrecht halten. Für Schoenebeck folgt aus der „Selbstverantwortung“: „Auf mein Verhalten kannst du mit Freude oder Schmerz reagieren - dies ist deine Zuständigkeit, für deine Reaktionen auf mein Tun bin nicht ich, sondern bist du selbst verantwortlich.“ Wenn ich - nach Schoenebeck - selbst jederzeit mein eigenes Bestes wahrnehme, stets „Chef meines Lebens“ bin und meine Wut in einem Wutausbruch „selbstverantwortlich“ äußere, liegt es ausschließlich in der Zuständigkeit der gerade mit mir interagierenden Mitmenschen (also z. B. auch Säuglingen, Kleinkindern oder hilflosen Erwachsenen) zu entscheiden, wie sie auf meinen Anfall reagieren; allen Ernstes behauptet Schoenebeck ohne jegliche Einschränkung, ausschließlich der/die Partner/in sei für seine/ihre Reaktion verantwortlich zu machen. „Wie ‚selbstverantwortlich' schreien Babies, wenn sie gequält werden? Wie ‚selbstverantwortlich' schwellen Beulen, wenn Kinder verprügelt werden (deren Erzieher nur „ihr Bestes" wahrnehmen)?“, fragt Braunmühl. und kommt zum Schluß: „Das ‚Du bist selbstverantwortlich' heißt im Klartext: ‚Ich bin frei von Verantwortung'. Und das ‚Ich bin selbstverantwortlich' heißt im Klartext: ‚Niemand kann mich zur Verantwortung' ziehen.“ Fazit: „selbstverantwortlich“ = unverantwortlich/verantwortungslos!

Braunmühl deckt weitere gezinkte Karten auf: „Subjektivität“ (,‚Es gibt nur subjektive Erkenntnisse“, somit kein Wissen und keine Wissenschaft), „Achtung vor der Inneren Welt“ (in der Schoenebeck den menschlichen Verstand unterschlägt und die äußere Welt mißachtet) und „Sozialität“ (radikale Ichbezogenheit, Nichtexistenz von Fehlern, Gewalt ist nicht Gewalt; niemand soll sich „zur Gewaltlosigkeit vergewaltigen“ Schoenebeck hält ichbezogenen Einsatz von Gewalt für unvermeidlich und „korrekt“). Braunmühl weist nach, daß für Schoenebeck „Gewalt" nicht objektiv definierbar ist, demnach auch nicht juristisch faßbar: „Es gibt keine Gewalt - außer man fühlt es“ (wobei „man" den Gewaltausübenden meint!), und: „Gewalt ... läßt sich nicht beseitigen“. (Das schreibt einer, der für sich in Anspruch nimmt, die Kinderrechtsbewegung in Deutschland initiiert und maßgeblich gefördert zu haben.)

Spätestens beim Lesen des Gewalt-Kapitels (S. 87 ff) wird für die Leser nachvollziehbar, warum Braunmühl sich bis dahin immer wieder merklich „an den Kopf faßt“ bei der Bewußtwerdung, daß die vom gemeinnützigen „Freundschaft mit Kindern-Förderkreis" verbreiteten Verwirrspiele des Dr. von Schoenebeck so lange so vielen ahnungslosen Zuhörern, Lesern, Seminarteilnehmern und (Volks-) Hochschulen als „erziehungskritisch" verkauft werden konnten, ohne daß ihren kritischen Verstand weiterhin nutzende Pädagogen Schoenebeck als „FmKGuru" (Braunmühl) erkannt und entlarvt hätten. Dieser spricht offenbar die wunden Punkte der pädagogischen Profession derart geschickt an, daß die „Suchenden" nicht erkennen, welche Mogelpackung sich hinter „dem schönen Schein“ des FmK-,,Kartenhauses" verbirgt - ein Wesensmerkmal aller Psychosekten.

Ich habe Braunmühls neues Buch gründlich auf mögliche „Denkfehler“ (die es für Schoenebeck zwar nicht gibt, aber den Verstandbenutzern ja durchaus unterlaufen können) hin untersucht - und bisher keinen gefunden; bei der Enthüllung dieses Skandals ist der Autor m. E. mit großer Sorgfalt.vorgegangen. Wessen Verstand nicht wegen „Subjektivitis" (Braunmühl) geschrumpft ist, findet zu einem sehr moderaten Preis eine spannende Entwirrung eines raffiniert geknüpften Knotens. 

Bernd Sensenschmidt, Deutsche Lehrer-Zeitung 11/12/ (20.3.1997)
 

Einzigartiges Lesevergnügen

Für mich war das Buch nicht nur die "Enthüllung eines Skandals" (Sensenschmidt), sondern auch ein einzigartiges Lesevergnügen, aufklärerisch, sprachlich ein Genuß sowie angemessen sachlich, kämpferisch und witzig. Mir ging es zuvor bei der Lektüre von Schoenebecks Schriften ähnlich wie Braunmühl selbst - vieles von dem Schwachsinn hatte ich lange Zeit schlichtweg einfach überlesen, nicht gerade begeistert, aber vorsichtig zustimmend zur Kenntnis genommen oder für etwas wirr, aber dennoch akzeptabel gehalten. Ich habe dies seinerzeit in einer Rezension in "Psychologie heute" zum Ausdruck gebracht.

Braunmühl hat recht: einen Großteil des Unfugs erkennt man erst dann als solchen, wenn man differenziert auf Schoenebecks Worte schaut und sich in den "Sinn" hineindenkt. Dieser wird sich vermutlich (obwohl Braunmühl und auch Sensenschmidt diesen Begriff vermeiden) letztendlich als echter "Wahnsinn" herausstellen. Denn die Schoenebecksche Verweigerung jedweder Diskussion macht nur dann "Sinn", wenn man - wie er - das Wunschdenken bzw. die Realitätsflucht so weit treibt, sich als tatsächlich unfehlbar zu wähnen.

Aber vielleicht ist "Irrsinn' der humanere Begriff. Denn Irren ist menschlich, und wer das bestreitet (wie es Schoenebeck immer bedingungsloser tut), vollzieht in den Augen von Menschen, die ihren Verstand nicht an der "Gurudrobe" abgegeben haben (Ekkehard von Braunmühl, S. 42), selbst den Schritt vom Irrenden zum Irren.

Schoenebecks "Lebensphilosophie" jedenfalls propagiert nicht "Antipädagogik" (oder auch: "Postpädagogik"), sondern die Rebarbarisierung der intergenerationellen Beziehungen.

Dieser Befund ist so eindeutig und die skrupellose Selbstbezogenheit der Schoenebeckschen Erziehungsideologie ist (nach Kenntnisnahme der Braunmühlschen Analysen) so offenkundig, daß ich den Institutionen (z.B. den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband), die den Freundschaft mit Kindern Förderkreis e. V. als Mitglied akzeptieren und ihm dadurch eine gewisse Seriosität bescheinigen, nur dringend empfehlen kann, entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Natürlich genießen in einer freien Gesellschaft auch unzurechnungsfähige Wirrköpfe, Psychopathen und Sektenführer den Schutz der Meinungsfreiheit - und das ist auch gut so! Die Frage ist indes, ob öffentliche Institutionen einen narzistischen Psycho-Guru, der Verantwortungslosigkeit sogar zum Ideal erhebt, weiterhin unterstützen sollen, wo jetzt klar geworden ist, daß der Erfolg seiner Bauernfängerei maßgeblich auf diese Unterstützung zurückzuführen ist.

Es ist schwer einzuschätzen, welchen Schaden Schoenebeck und sein Förderkreis wissenschaftlich und politisch der Kinderrechtsbewegung zufügt. Ich halte jedenfalls die antipädagogische Aufklärung, wie Braunmühl sie besonders im letzten Teil seines Buches betreibt (den Sensenschmidt nicht erwähnt), für so allgemein wichtig und überzeugend, daß ich mir eine neue Grundsatzdiskussion wünsche - wie sie vor zwanzig Jahren nicht nur die Fachöffentlichkeit bereits begonnen hatte, bis sie durch das Auftreten von Schoenebeck mit seinen Verrücktheiten ("Es gibt keine Fehler", "Es gibt keine Gewalt" u. dgl.) buchstäblich erstickt wurde. Hier wäre ein Zeichen zu setzen.

Dr. Wolfgang Hinte, Kid - KinderInformationsDienst, 1/97

zurück



 
 

+++Wir haben was zu sagen +++

(fp) Dieses Buch beginnt mit einem Briefwechsel zwischen einem Kind und dem Bürgermeister der österreichischen Stadt Imst: „Wir möchten auch einen Spielplatz haben ...“. In den folgenden Monaten hat der Autor die Planung und Durchführung dieses Projektes begleitet, reflektiert und protokolliert, das durch diesen Brief ins Rollen gekommen ist. Ihm geht es darum zu dokumentieren, daß Kindermitbestimmung hier und heute durchaus möglich ist. „Es gibt nicht das Partizipationsrezept“, schreibt Peter Egg rückblickend, und es ist sicherlich auch kein Ziel für die Zukunft, eine Partizipations-Monokultur in diesem Bericht aufzubauen.“ Doch eines ist das hier vorliegende Buch auf jeden Fall: in vielfacher Hinsicht eine Quelle für Ideen, wie Beteiligung von Kindern bei der Gestaltung ihrer Lebenswelt aussehen kann.

Für diese Arbeit wurde Peter Egg mit dem 1. Preis des Salzburger Förderungspreises für Kinder- und Jugendforschung ausgezeichnet.

Kid&Teens, 2/98

zurück



 
 

+++ Horror-Barbie +++


Geliebt und auch verhaßt: Barbie

 Sie ist groß, schlank und häßlich. Sie schluckt Bomben, um die Welt zu retten und bringt den Wecker mit einer Panzerfaust zum Schweigen. Ihr Name ist Barbie„ ,Horror-Barbie". Aus dem langbeinigen blonden ursprünglichen Klein-Mädchen-Traum ist die „Action“-Heldin eines Buches geworden. Gestern wurde eine Ausstellung mit Texten und Titelentwürfen in der Bad Godesberger Bezirksbücherei eröffnet Die Autoren der 21 Kurzgeschichten sind Schüler und Schülerinnen der Klasse 5 b der Gesamtschule Bad Godesberg. Wie aus dem amerikanischen Plastikmodell ein vielseitiges „Superweib" wurde, erzählte Lehrer und Buchherausgeber, Hans Weingartz.

Erst „lagen die Schüler unterm Tisch“, als das Thema des Deutschaufsatzes bekannt wurde. „Barbie - Igitt. Dazu schreibe ich nichts“. Dann aber setzten sie sich wieder ans Pult und erzählten vom Kumpeltyp und von der tyrannischen „Spinatwachtel“.

Die männermordende „Zicke“ mit „rotglühenden Augen“ ist nur ein Aspekt in dem Buch mit dem blutrünstigen Titel „Horror-Barbie“. Die Blondine hat Charakter, sie ist auch beste „Freundin“, arbeitet als Flugkapitän oder Tierärztin und versorgt den faulen Ken, der derweil mit seinem (angeblich) flotten Flitzer Frauen aufreißt.

Die Geschichten spiegeln Alltags und Fernseherlebnisse, Familienleben und Wünsche wider - und eine erstaunliche Distanz zu der Puppe. Eine Autorin fragt am Weihnachtsfest angewidert, womit sie ein solches Geschenk verdient habe. Ein anderer läßt Barbie köpfen - von der Anti-Kitschpolizei. Die Anklage lautet auf „Verbreitung des ansteckenden Kitschvirus“.

Als Einlage zu den Texten führten Schülerinnen der 5b, der Parallelklasse 5d und aus dem Amos-Comenius-Gymasium bei der Ausstellungseröffnung Tänze auf. Zum „Barbie-Song“ trugen die Mädchen natürlich pinkfarbenen Lippenstift und blauen Lidschatten. „Die Horror Barbie - Geschichten der 5b“ ist im Kid Verlag erschienen und kostet 10 Mark. Die Ausstellung in der Stadtbücherei Bad Godesberg dauert bis zum 7. August.

  -bof -, General-Anzeiger

zurück



 
 

+++ Ökologische Kinderrechte+++


Ökologische Kinderrechte – Dokumentation des Kongresses

 Ein wichtiges Buch, das sehr engagiert, mutig und kein bisschen langweilig einen Querschnitt der politisch längst überfälligen Diskussion um die ökologischen Rechte unserer Kinder darstellt.

Auf dem Kongress kamen genau die Probleme zur Sprache, die unsere Kinder in ihrer Lebensfreude und freien Entfaltung heute so sehr beschränken. Ob Belastung durch Chemie und Radioaktivität, Neurodermitis oder Allergien - hier berichten Fachleute über Ursachen, rechtliche Situation und politische Notwendigkeiten. Spannend sind die Ansätze für den Einbezug von Kindern ins politische Geschehen zu lesen - Kinderverträglichkeitsprüfungen sollten eigentlich in allen Städten zum gängigen Repertoire gehören und nicht nur als politisches Schlagwort ge- oder mißbraucht werden. Doch in der Praxis ist die Umsetzung manch guter Ideen zur Verbesserung der Zukunftsperspektiven der nächsten Generation oft über die berühmten Kinderschuhe noch nicht hinausgekommen.

Rechtlich- politische Schritte wie z.B. das im Buch enthaltene Greenpeace - Gutachten zur Messung von Luftschadstoffen in Kindernasenhöhe sind zwingend nötig. Unterbleiben sie, wird alles Gerede um die Zukunft unserer Kinder zum bloßen „Machtzynismus politischer Eliten“, wie Horst Petri als Mitautor am Ende des Buches richtig bemerkt.

Dieses Buch ist das notwendige Salz in der derzeitigen urnweltpädagogischen Suppe.

ökopäd News Nr. 37/38 (Juni/Juli 1994)

zurück



 

+++ Nicht nachweisbar +++

Ökologische Kinderrechte

Das Thema ist "heiß". Bündnis 90/ Die Grünen und SPD reichten diesen Monat einen Antrag im Bundestag ein, in dem sie ökologische Rechte für Kinder einfordern. In der Begründung heißt es, daß die Zahl der kranken Kinder durch Umweltbelastungen dramatisch zugenommen habe. In Deutschland litten inzwischen 10 bis 15 % aller Kinder an der Atemwegserkrankung Asthma, 1,2 Millionen an Neurodermitis, fast die Hälfte seien latente Allergiker, immer mehr Kinder hätten Krebs. Schuld daran seien vor allem die Grenzwerte, die für einen fiktiven Durchschnittsmann von 70 kg Gewicht berechnet werden und aus dem Arbeitsschutz stammen.

Schadstoffbelastungen würden darüber hinaus oftmals nicht in "Kindernasenhöhe" gemessen. Die körpereigenen Abwehrfunktionen sind bei Kindern noch nicht so stark ausgebildet, so daß sich entwickelnde Organe dauerhaft geschädigt werden können. Neben der Senkung der Grenzwerte für Schadstoffe sollte auch für Baustoffe, Textilien, Farben, Reinigungsmittel und Kosmetika eine umfassende Deklaration eingeführt werden. Die SPD fordert neben einem Anwendungsverbot der umstrittenen Pyrethroide (Insektengifte) insbesonders eine "Technische Anleitung (TA) Innenraum", da für Innenräume derzeit keine rechtlich bindenden Grenzwerte existieren. Die Bundesregierung sieht das anders: Sabine Bergmann-Pohl, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, will zunächst durch langfristige Untersuchungen die Zahl der erkrankten Kinder und die umweltbedingten Zusammenhänge erforschen lassen. Immer mehr Organisationen unterstützen inzwischen die Forderung nach ökologischen Kinderrechten, z.B. die "Kinderkommission" im Bundestag, in der alle Fraktionen vertreten sind und die sich als Partner und Förderer von Verbänden und Initiativen sieht, die aber faktisch kaum Macht hat (...).

ökopäd News (Nr. 53/ Oktober 1995)

zurück


Start